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Michael Schumacher machte Autozulieferer bekannt – jetzt ist das Unternehmen insolvent

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Zuletzt gab es für die 270 Mitarbeiter von BBS keine guten Nachrichten. Doch eine Insolvenz solle es nicht geben, heißt es nun.
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BBS muss Insolvenz anmelden. Es ist bereits der fünfte Pleite-Schock für den Autozulieferer. Die Zukunft für die rund 270 Mitarbeiter bleibt ungewiss.

Schiltach – Die Insolvenzwelle nimmt kein Ende. Nachdem der Insolvenz eines deutschen Ikea-Konkurrenten, der Pleite eines traditionsreichen Möbelherstellers und dem Ausverkauf bei einem einstigen Weltmarktführer, trifft es nun das nächste Unternehmen. Der bekannte Felgenhersteller BBS aus Baden-Württemberg ist erneut insolvent.

Bekannter Autozulieferer BBS ist wieder pleite – schon die fünfte Insolvenz

Es ist bereits das fünfte Mal seit 2007, dass der Felgenhersteller BBS Insolvenz anmelden muss, wie aus einer Mitteilung des Amtsgerichts Rottweil vom 26. Juli hervorgeht. Die erneute Pleite des Unternehmens kommt allerdings nicht überraschend. Schon nach der vierten Insolvenz von BBS zeichnete sich ab, dass der traditionsreiche Hersteller trotz des Insolvenzverfahrens in Schwierigkeiten steckt.

„Die Zukunft von BBS ist im Moment völlig offen“, erklärte Stefan Prutscher, politischer Sekretär bei der zuständigen IG Metall Freudenstadt, im Juli bei t-online. Der Betrieb sei bis auf wenige Ausnahmen seit Monaten stillgelegt, kleinere Aufträge würden noch abgearbeitet, aber die meisten Mitarbeiter hätten schlichtweg nichts zu tun.

Bekannter Autozulieferer ist insolvent: Berichte über ausstehende Lohnzahlungen

Anfang Juli 2024 berichteten verschiedene Medien, dass die Mitarbeiter im Mai und Juni kein Gehalt erhalten hatten. Der Geschäftsführer Ilkem Şahin wies damals bei Merkur.de die Berichte und Gerüchte einer bevorstehenden Insolvenz entschieden zurück. „Wir haben einen Plan“, betonte er. Die Gehälter für diese Monate wurden jedoch offenbar erst mit Verspätung ausgezahlt.

Die Geschäftsführung von BBS hat sich bisher nicht zu dem erneuten Insolvenzantrag geäußert. Laut dem Schwarzwälder Boten kam die Nachricht für die PR-Agentur, die für BBS zuständig ist, überraschend. Eine Stellungnahme lag nicht vor. Gewerkschaftssekretär Prutscher zeigte sich in der Zeitung überrascht über das Verhalten der Geschäftsführung.

Insolvenz trifft rund 270 Mitarbeiter – schon 2020 wurde jede dritte Stelle gestrichen

Die erneute Insolvenz des Unternehmens betrifft etwa 270 Mitarbeiter in den beiden Werken in Schiltach (Kreis Rottweil) und Herbolzheim (Kreis Emmendingen). Als Insolvenzverwalter von BBS wurde Dr. Dirk Pehl aus Freiburg bestellt.

Erst Ende des letzten Jahres war ein Investor aus der Türkei bei BBS eingestiegen. Die ISH Group hatte damals versprochen, alle Arbeitsplätze zu erhalten und erheblich zu investieren. Gründe für die damalige Insolvenz waren hohe Energiepreise und ein Einbruch im Absatz ihrer Felgen. Nach der dritten Insolvenz im Jahr 2020 musste das Traditionsunternehmen bereits etwa ein Drittel der Arbeitsplätze streichen.

BBS stellte Felgen für Michael Schumachers erstes Weltmeister-Auto her

BBS, dessen Name auf die beiden Gründer Heinrich Baumgartner und Klaus Brand sowie den Firmensitz in Schiltach zurückgeht, wurde 1970 gegründet. Das Unternehmen, das sich auf die Herstellung und den Verkauf von Felgen für Fahrzeuge in der gehobenen Preisklasse spezialisiert hat, erlangte eine gewisse Berühmtheit, weil es die Felgen für Michael Schumachers erstes Formel-1-Weltmeister-Auto herstellte. Nun scheint BBS das gleiche Schicksal zu ereilen wie vielen anderen Unternehmen in diesem Jahr.

Eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung Falkensteg, die IPPEN.MEDIA vorliegt, zeigt, dass die Zahl der Großinsolvenzen im ersten Halbjahr 2024 um 41 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen ist. „Die Rettung von Unternehmen aus der Insolvenz gestaltet sich zunehmend komplexer. Hohe Zinsen machen den Erwerb insolventer Firmen teurer oder unattraktiv. Ferner schrecken unsichere Umsätze aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage potenzielle Investoren ab“, erklärt Jonas Eckhardt, Partner der Unternehmensberatung Falkensteg.

Eckhardt prognostiziert, dass dieser Trend langfristig anhalten wird und es zu weiteren Insolvenzen kommen wird: „Viele Unternehmen müssen sich wandeln, um in der Dynamik des internationalen Handels bestehen zu können.“

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