VonPatricia Huberschließen
Wohnungstauschs zwischen Rentnern und Familien könnten die Wohnungsnot in Deutschland ein wenig lindern. Doch dazu braucht es Änderungen im Mietrecht, wie der Mieterbund deutlich macht.
Berlin – Viele Rentner leben häufig in recht großen Wohnungen. Ein Umzug gestaltet sich für ältere Menschen schwierig. Ein Grund ist, dass eine kleinere Wohnung oftmals teurer wäre, als die alte große Wohnung, da viele Senioren noch von einem sehr alten Mietvertrag profitieren. Doch es gäbe eine Lösung: Wohnungstausch. Hierfür hat kürzlich die Linksfraktion vorgeschlagen, diese Option im Mietrecht künftig zu verankern. Auch der Deutsche Mieterbund begrüßt diese Idee. Das sagte Präsident Lukas Siebenkotten dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Mittwoch (19. April).
Wohnungstausch für Rentner: Mietrecht muss angepasst werden
Bereits heute gebe es auf den Portalen großer Immobilienbörsen viele Tauschwohnungen, die allerdings zahlreiche rechtliche Risiken bergen würden: „Der zuständige und bisher im Mietrecht nicht in Erscheinung getretene Bundesjustizminister könnte hier Abhilfe schaffen, indem er einen Anspruch auf Tausch von Wohnraum zu den jeweils bestehenden Mietpreisen gesetzlich etablieren könnte“, forderte Siebenkotten.
Eltern, die abends das Sofa im Wohnzimmer zum Bett ausklappen, und Kinder, die auf einer Zwischenebene unter der Altbaudecke schlafen. Von solchen Notlösungen berichtete im Januar eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Auf der anderen Seite gebe es auch umgekehrte Fälle: etwa Rentner, die nach dem Auszug der Kinder und dem Tod des Partners weiter in der großen Familienwohnung bleiben, oder gut verdienende Singles, die sich Wohnungen mit Arbeits- und Gästezimmern leisten können.
Studie zeigt: Besonders Bewohner über 70 leben „zu großzügig“
Insgesamt leben laut der Analyse in deutschen Großstädten mit mehr als 100.000 Bewohnern 6,5 Prozent der Haushalte in „beengten Wohnverhältnissen“. Davon ist die Rede, wenn es weniger Wohnräume als Haushaltsmitglieder gibt, also wenn etwa ein Paar mit zwei Kindern in einer Zwei- oder Dreizimmerwohnung lebt.
Betroffen seien vor allem Haushalte mit Migrationshintergrund und Familien. Von den Familien habe zuletzt knapp jede dritte in einer solchen Wohnung gelebt, von Haushalten mit Migrationshintergrund jeder fünfte. Wegen der hohen Mieten könnten sich viele Familien eine größere Wohnung nicht leisten.
Dagegen leben der Studie zufolge 6,2 Prozent der Haushalte in „großzügigen“ Wohnungen, darunter viele Haushalte mit Bewohnern über 70. Zur Kategorie „großzügig“ zählt das IW Wohnungen, in denen die Zahl der Wohnräume die der Haushaltsmitglieder um drei oder mehr übersteigt. In diese Kategorie fällt also zum Beispiel ein Single oder eine allein lebende Rentnerin mit einer Vierzimmerwohnung.
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Wohnungstausch könnte Wohnungsnot lindern
Laut IW zeigen die Zahlen eigentlich ein großes Potenzial, die Wohnungsnot zu lindern. Die gestiegenen Energiepreise setzten zudem zusätzliche Anreize, in kleinere Wohnungen umzuziehen. Außerdem empfahl das IW, Rentnern mit viel Platz mehr attraktive Angebote für eine Verkleinerung zu machen. So solle man sie etwa bei den Kosten und der Organisation des Umzugs unterstützen. Versuche mit Tauschbörsen hätten bisher aber noch keine große Wirkung gezeigt. (ph/kna)
Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa

