Kritik für versteckte Hintertür

Milliarden-Entlastung: Merz-Regierung streicht Gasspeicher-Umlage

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Die Bundesregierung will Verbraucher von der 2022 eingeführten Gasspeicherumlage befreien. Doch im vorliegenden Gesetzenwurf hält sie sich eine Hintertür offen.

Update 14.09 Uhr: Wie nun bekannt wurde, hat die Bundesregierung beschlossen, die Gasspeicherumlage zum 1. Januar 2026 abzuschaffen. Dies ging am Mittwochmittag aus einer Mitteilung der Bundesregierung hervor. Die Maßnahme ist Teil des Energiepreis-Entlastungspakets und setzt eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag um. Bis zum 31. Dezember 2025 bleibt die Gasspeicherumlage bestehen, bis spätestens Jahresende werde dann der negative Saldo auf dem Gasspeicherumlagekonto vollständig aus dem Bundeshaushalt ausgeglichen, heißt es in der Mitteilung der Regierung.

Erstmeldung vom 6. August: Berlin – Bereits im Koalitionsvertrag hatten sich Union und SPD darauf geeinigt, die 2022 eingeführte Gasspeicherumlage auf lange Sicht zu kippen. Eingeführt worden war sie damals im Zug der Energiekrise nach Russlands Einmarsch in die Ukraine und sollte zwecks Versorgungssicherheit gewährleisten, dass Gasspeicher ausreichend gefüllt werden können. Drei Jahre lang trugen Endverbraucher mit der Umlage, die zuletzt durchschnittlich bis zu 0,289 Cent pro Kilowattstunde Strom betrug, zur Füllung von Gasspeichern bei. Nun liegt ein Gesetzentwurf zum Ende der Gasspeicherumlage vor, über den das Kabinett noch am Mittwoch beraten will. Doch darin findet sich auch ein Absatz, mit dem sich Branchenvertreter ganz und gar nicht anfreunden können.

Bund will Endverbraucher von der Gasspeicherumlage befreien

Künftig will der Bund die Kosten der Gasspeicherbefüllung selbst tragen, und auch in den Haushaltsplanungen ist das bereits so angelegt. „Die Bundesregierung beabsichtigt, die deutschen Unternehmen und Privatverbraucher von den hohen Gaspreisen zu entlasten. Deshalb sollen die Kosten der Gasspeicherbefüllung aus dem Jahr 2022 nicht länger auf die Bilanzkreisverantwortlichen und damit letztlich auch auf die Endkunden umgelegt werden, sondern durch den Bund finanziert werden“, zitierte die Rheinische Post (RP) am Mittwoch den ihr vorliegenden Gesetzentwurf zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes.

Ein Erdgasspeicher in Rehden (Symbolfoto)

Die Entlastung, die zum Jahresende wirksam werden soll, soll insgesamt bis zu 3,4 Milliarden Euro betragen. Hinsichtlich der Umlagehöhe von zuletzt 2,89 Euro pro Megawattstunde dürfte sie einem privaten Vier-Personen-Haushalt zwischen 30 und 60 Euro im Jahr 2026 Ersparnis ermöglichen, hieß es im Bundeswirtschaftsministerium. Das letztendliche Einsparpotenzial durch die Übernahme der Gasspeicherumlage durch den Bund ist aber vom individuellen Verbrauch abhängig. Finanziert werden soll die Entlastung der Gaskunden aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF), hieß es weiter.

Bundesregierung hält sich beim Ende der Gasspeicherumlage einen Ausweg offen

Doch so rosig, wie der Gesetzentwurf zum Ende der Gasspeicherumlage zunächst für die Budgets von Verbrauchern scheinen mag, könnte er letztendlich gar nicht sein, so das Handelsblatt. Denn Teil des Entwurfs ist auch ein Paragraf, mit dem sich die Bundesregierung möglicherweise eine Hintertür für eine potenzielle Rückkehr der Gasspeicherumlage offen lassen könnte. 

Abseits vom Standard: Diese Wärmepumpen-Marken kennen Sie noch nicht

Eine Wärmepumpe der Firma Aira steht vor einem Haus.
Sie gehört zu den neueren Unternehmen in Deutschland: Die Firma Aira wurde erst 2022 in Schweden gegründet. Seitdem ist sie aber auf Expansionskurs und baut ihre Wärmepumpen in Deutschland, Italien und Großbritannien ein. Die Firma verkauft Luft-Wasser-Wärmepumpen, die in Polen hergestellt werden. Auf Trustpilot bekommt die Marke Aira 4,2 von 5 Sternen.  © Aira
Eine Wärmepumpe von Stiebel Eltron steht vor einem Wohngebäude.
Stiebel Eltron gehört eigentlich zu den großen Marken in Deutschland – wird aber oft in der Öffentlichkeit vergessen. Die Firma hat dabei 2024 hohen Besuch empfangen: Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat die Firma auf seiner Sommerreise besucht. Die Luft-Wasser-Wärmpumpen von Stiebel Eltron können nicht nur in Wohngebäude installiert werden, sondern stellt auch größere Wärmepumpen, die im Gewerbe dienen können. Die Firma stellt sowohl Monoblöcke als auch Splitgeräte her. Bei Stiftung Warentest ist Stiebel Eltron mit eines ihrer Geräte als Testsieger hervorgegangen.  © IMAGO/Karl-Heinz Hick
Eine Wärmepumpe der Firma Brötje vor einem Mehrfamilienhaus.
Die Firma Brötje stellt schon seit über 100 Jahren Heizungen her – und seit einiger Zeit hat sie auch Wärmepumpen im Repertoire. Die Firma mit niederländischem Hauptsitz hat für den deutschen Markt sieben verschiedene Wärmepumpen im Angebot, darunter Luft-Wasser-, Sole-Wasser- und Trinkwasser-Wärmepumpen. Hier im Foto: Die Luft-Wasser-Wärmpumpe NEO, die mit einer höheren Leistung auch für Mehrfamilienhäuser geeignet ist.  © IMAGO/Karl-Heinz Hick
Eine Wärmepumpe von LG mit Katze.
Nein, LG stellt nicht nur Fernseher her: Die südkoreanische Marke ist in zahlreichen Märkten aktiv - eben auch bei Wärmepumpen. LG profitiert dabei von ihrer Expertise in schwülwarmen asiatischen Ländern, die einen hohen Bedarf an Klimaanlagen haben. Eine Wärmepumpe funktioniert sehr ähnlich. Fünf verschiedene Produkte gibt es von LG in Deutschland zu kaufen, ganz neu ist auch ein Produkt mit natürlichem Kältemittel.  © IMAGO
Panasonic stellt eine ihrer Wärmepumpen auf einer Messe aus.
Bleiben wir bei den asiatischen Herstellern: Auch Panasonic tummelt sich längst im Wärmepumpenmarkt. Auch der japanische Hersteller profitiert von einer Expertise bei Klimaanlagen, und bringt Wärmepumpen nach Deutschland. Stiftung Warentest hat 2024 für die Panasonic-Modelle einen Preistipp gegeben, da sie zu den günstigsten Modellen mit einem Qualitätssiegel „gut“ gehören.  © IMAGO/Michael Bihlmayer
Eine Wärmepumpe von Alpha Innotec vor einem Neubau.
Hinter den Wärmepumpen der Marke Alpha Innotec steckt die ait Deutschland GmbH mit Sitz in Oberfranken. Der deutsche Anbieter stellt ausschließlich Wärmepumpen her und wirbt damit, dass ihre Wärmepumpen schon seit über zehn Jahren natürliche Kältemittel nutzen und daher besonders nachhaltig seien. ait stellt sowohl Luft-Wasser- als auch Sole-Wasser-Wärmepumpen her – und zwar in Deutschland am Standort Kasendorf.  © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Die Wärmepumpe der Marke Zewotherm steht vor einem Haus.
Die Firma Zewotherm ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen aus Remang am Rhein, das sich auf klimafreundliches Heizen und Kühlen spezialisiert hat. Die Firma stellt Wärmepumpen her, aber auch Flächenheizungen, Lüftungssysteme und Photovoltaik-Anlagen. Zewotherm bietet mittlerweile als Allrounder auch Stromtarife an, mit denen man seine Wärmepumpe günstig betreiben kann. Zwei Modelle hat Zewotherm aktuell auf dem Markt: Der Lambda sowie der Eco. Auf dem Foto ist der Lambda zu sehen.  © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Eine Wärmepumpe der Marke Tecalor steht auf einer Messe aus.
Die Firma Tecalor aus Niedersachsen punktet mit einem breiten Angebot an verschiedenen Wärmepumpen. Neben den typischen Außenblöcken wie hier auf dem Foto gibt es auch Geräte, die im Innenraum stehen sowie solche, die nebenbei auch noch die Luft filtern können. Auch Großwärmepumpen für Mehrfamilienhäuser hat Tecalor im Angebot. Online gibt es auch ein Ersatzteilshop, für all jene, die diese Sicherheit dazu noch haben wollen.  © IMAGO/Alexander Pohl
Eine Wärmepumpe von Buderus vor einem Haus.
Die Marke Buderus kennen viele Menschen wohl zumindest vom Sehen: Die Wärmepumpen gehören zu den markantesten auf dem Feld. 2024 waren die Wärmepumpen auch Testsieger von Stiftung Warentest. Buderus war einst ein Familienunternehmen, wurde aber 2003 von Bosch übernommen. Neben Wärmepumpen stellt die Wetzlarer Firma auch Solaranlagen her. © IMAGO
Eine Wärmepumpe von SenerTec zusammen mit Vertriebsleiter Hagen Fuhl.
Ein weiteres deutsches Unternehmen macht die Liste komplett: SenerTec aus Schweinfurt stellt nicht nur Wärmepumpen her, sondern kombiniert sie mit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK). Diese eignen sich insbesondere für Mehrfamilienhäuser und größere Immobilien. Die Kombination kann außerdem noch mit einer PV-Anlage ausgefertigt werden.  © SenerTec

Demnach seien im Paragrafen 35h des Gesetzentwurfs zwei Passagen aufgeführt, die in Krisensituationen eine potenzielle Rückkehr der Gasspeicherumlage auf die Budgets von Endverbrauchern möglich machen könnten. Eine Neueinführung der Umlage wäre demnach zulässig, „um die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten“. Und: „Wenn die Finanzierung in der Krise durch den Bundeshaushalt nicht mehr sichergestellt werden kann“, zitiert das Handelsblatt den konkreten Passus des Gesetzentwurfes.

Branchenvertreter können dem Gesetzentwurf zur Gasspeicherumlage nur wenig Positives abgewinnen

Nicht konkret ersichtlich wird im aktuellen Gesetzentwurf, über den noch diese Woche abschließend entschieden werden soll, wann genau die bundesweite Versorgungssicherheit als bedroht gilt. Und auch darauf, ob die Mittel zur Finanzierung der Gasspeicherumlage aus dem Haushalt auch angesichts anderweitiger Ausgabenwünsche zum Problem werden könnte, wird im Gesetzentwurf nicht näher eingegangen. Angesichts der 172 Milliarden Euro Haushaltslücke, die in den Budgtplanungen des Bundes alleine zwischen 2027 bis 2029 klafft, könnte jener Aspekt künftig aber eventuell noch wichtig werden.

Branchenvertreter, wie Angehörige des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), hatten bereits vor Kurzem auf Mängel des Gesetzentwurfs zur Gasspeicherumlage hingewiesen. Sie kritisierten mitunter, die finanziellen Mittel sollten besser nicht aus dem KTF kommen, sondern durch einen Zuschuss aus dem Kernhaushalt des Bundes, da der KTF „für investive Ausgaben genutzt“ werden müsse. Auch wandt der BDEW ein, die Verordnungsermächtigung des Paragraf 35h stehe „der vollständigen Abschaffung der Gasspeicherumlage entgegen und sollte daher gestrichen werden“.

Dem schloss sich die Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) nun an. Ihr Vize-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks sagte dem Handelsblatt: „Wenn die Bundesregierung nachhaltige Entlastung und eine langfristige Planungssicherheit für die Unternehmen möchte, darf sie keine Hintertüren offen lassen.“ Das Ende der Gasspeicherumlage sei „eine wichtige Entlastung“ für Unternehmen und Endverbraucher, weshalb der Passus zu einer potenziellen Wiedereinführung im Krisenfall gestrichen werden müsse. (fh)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Laci Perenyi

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