Experten warnen

Milliardenkosten durch Merz-Pläne für die Rente – Erhöhung der Beiträge in Aussicht

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Die Altersvorsorge ist in Gefahr. Fachleute schlagen Alarm wegen möglicher Beitragserhöhungen durch Vorhaben von CDU und SPD. Aber wer wird die Rechnung für die Reformen begleichen?

Berlin – Die Rente ist derzeit eines der dominierenden Themen in Politik und Gesellschaft. Mit dem Eintritt der Babyboomer in den Ruhestand sinkt die Zahl der Beitragszahler. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung des Rentensystems festgelegt. Einige dieser Pläne könnten jedoch kostspielig werden.

Union und SPD einigen sich auf Änderungen bei der Rente – Mütterrente und Rentenniveau im Visier

Zunächst eine Übersicht der wichtigsten Änderungen:

Rente ab 63 – SPD und Union einigen sich laut Koalitionsvertrag. (Symbolbild)

Rentenpläne der SPD und Union werden teuer – höhere Beiträge als Folge?

Die Frage, wer die Rentenpläne finanzieren soll, steht im Raum. Besonders die Vorhaben zum Rentenniveau und zur Mütterrente stoßen auf Kritik. Die zukünftige schwarz-rote Koalition plant, die Mehrkosten für die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent und die Verbesserungen bei der Mütterrente aus der Staatskasse zu decken. „Die Kosten bleiben daher erst einmal begrenzt“, erklärte Wirtschaftsweise und Rentenexperte Martin Werding dem Handelsblatt. Prognosen deuten darauf hin, dass das Sicherungsniveau erst zwischen 2029 und 2031 leicht unter 48 Prozent sinken könnte.

Die Alterung der Bevölkerung wird das Rentensystem jedoch zunehmend belasten. Experten befürchten, dass die Pläne von Union und SPD die Arbeitnehmer zusätzlich belasten könnten. Laut Berechnungen der Arbeitgeber könnten die Maßnahmen bis 2031 rund 50 Milliarden Euro kosten. „Der Koalitionsvertrag lässt leider jegliche Anstrengungen vermissen, das Ausgabenwachstum in der Rentenversicherung zu begrenzen“, kritisierte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, im April 2025.

Kritik an Rentenplänen: „Zusätzliche Mütterrente hätten die Koalitionäre sein lassen sollen“

Ein Anstieg des Rentenbeitragssatzes von derzeit 18,6 auf über 20 Prozent droht bereits in dieser Legislaturperiode. „Das heißt noch höhere Arbeitskosten für die Arbeitgeber und noch weniger Netto für die Beschäftigten“, so Kampeter. Werding prognostizierte in der Wirtschaftswoche, dass der Beitragssatz ohne zusätzliche Kosten bis 2027 auf 19,7 Prozent und bis 2035 auf 21,2 Prozent steigen könnte. Sollte das Rentenniveau bei 48 Prozent aus der Rentenkasse finanziert werden, würde der Beitragssatz 2035 um weitere 0,4 Punkte steigen.

Auch die Mütterrente steht in der Kritik. Die geplante Verbesserung könnte Mehrkosten von etwa fünf Milliarden Euro jährlich verursachen, die ebenfalls aus der Staatskasse gedeckt werden sollen. Kampeter warnte, dass die Beitragssätze „nicht noch stärker anwachsen als ohnehin”, sagte er. Die geschätzten Ausgaben von fünf Milliarden Euro pro Jahr würden an anderer Stelle fehlen. „Die zusätzliche Mütterrente hätten die Koalitionäre sein lassen sollen“, äußerte er.

Finanzierung der Rente: Diskussionen reißen nicht ab

Die langfristige Finanzierung der Rente bleibt im Koalitionsvertrag unklar. „Nur eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik, eine hohe Beschäftigungsquote und eine angemessene Lohnentwicklung ermöglichen es, dies dauerhaft zu finanzieren“, heißt es im Vertrag. IW-Ökonom Pimpertz äußerte Zweifel: Die Rentenpläne „durch Mehreinnahmen durch Wachstum und mehr Beschäftigung zu finanzieren, dürfte schwierig werden“.

Der Forscher befürchtet eine „Negativspirale“, in der die hohe Ausgabenlast die wirtschaftliche Dynamik bremst und der Bedarf an Steuer- und Beitragsgeldern steigt. Eine Überprüfung der Entwicklung ist für 2029 geplant, während eine Rentenkommission bis etwa 2027 das System analysieren soll.

Trotz anhaltender Diskussionen über die Rentenfinanzierung gibt es auch positive Stimmen. Eine Analyse des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen sieht keine Anzeichen für eine Krise des gesetzlichen Alterssicherungssystems: „weit und breit nicht erkennbar.“

Rubriklistenbild: © Iuliia Zavalishina/Zoonar.com/IMAGO

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