Mini-Rente

„Größtes soziales Problem unserer Zeit“ betrifft Millionen Rentner in Deutschland

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Deutschland steuert auf eine Rentenkatastrophe zu, warnt Sahra Wagenknecht. Trotz jahrzehntelanger Beitragszahlungen droht vielen Deutschen eine niedrige Rente.

Kassel – Es wird immer offensichtlicher, dass die gesetzliche Rente allein im Alter oft nicht ausreicht. Dies wird auch durch eine aktuelle Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des neuen Bündnisses von Sahra Wagenknecht bestätigt. Nach 40 Berufsjahren erhalten fast ein Drittel der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland eine Rente von weniger als 1100 Euro netto im Monat.

Sahra Wagenknecht plant, die Rentenpolitik zu einem zentralen Wahlkampfthema zu machen.

Sozialverband Deutschland widerspricht Wagenknechts Aussagen

Von den insgesamt rund 22 Millionen Vollzeitbeschäftigten, die sozialversichert sind, betrifft dies die 7,086 Millionen mit einem entsprechend niedrigen Bruttolohn von derzeit unter 3006 Euro. Sahra Wagenknecht plant, die Rentenpolitik zu einem zentralen Wahlkampfthema zu machen. „Die Rente ist das wahrscheinlich größte soziale Problem unserer Zeit“, sagte die Parteichefin der Augsburger Allgemeinen.

Es sei ein sozialpolitischer Skandal, dass trotz jahrzehntelanger Beitragszahlungen niedrige Renten ausgezahlt werden. „Deutschland steuert auf eine Rentenkatastrophe zu, das ist gesellschaftlicher Sprengstoff.“ Sie stellte fest, dass Deutschland eines der schlechtesten Rentensysteme in Europa hat.

Der Sozialverband Deutschland widersprach Wagenknechts Aussagen. „Es ist nicht nur falsch zu behaupten, das deutsche Rentensystem sei eines der schlechtesten“, sagte die Vorsitzende Michaela Engelmeier in einer Mitteilung. „Es ist vor allem gefährlich und schadet der Alterssicherung der Menschen insgesamt.“

Entweder müssen die Renten reduziert oder die Beitragszahler stärker besteuert werden

Die gesetzliche umlagefinanzierte Rente mit ihrem umfangreichen Leistungsspektrum - von Alters- über Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten bis hin zu Reha- und Präventionsleistungen - ist grundsätzlich ein gutes System, das jedoch noch verbessert und weiter stabilisiert werden muss.

Es besteht dringender Handlungsbedarf zur Reform des Rentensystems - eine Maßnahme, die bereits vor einigen Legislaturperioden hätte eingeleitet werden sollen. Das Problem: Aufgrund des demografischen Wandels steigt die Anzahl der Rentner, während die Anzahl der Beitragszahler sinkt, was das System finanziell immer stärker belastet.

Die Folge: Entweder müssen die Renten reduziert oder die Beitragszahler stärker besteuert werden, bzw. tiefer in die Staatskasse gegriffen werden - was dann das Geld für andere wichtige Investitionen fehlen lässt. Wagenknecht macht zwar keine konkreten Vorschläge, merkt aber an, dass sie sich gerne Österreich als Vorbild nehmen würde.

Wann kommt die Aktienrente?

In Österreich ist das Rentenniveau deutlich höher als in Deutschland. Die Österreicher haben jedoch auch rechtzeitig vorgesorgt: Sie waren nicht nur erfolgreicher in der Zuwanderung, sondern auch Selbstständige und Beamte zahlen in die Rentenkassen ein. Zudem gilt in Österreich eine deutlich längere Wartezeit, um Rentenansprüche zu erwerben. Diese Änderungen können jedoch nicht so schnell in Deutschland umgesetzt werden.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) plant derweil das neue Rentenpaket II, das er noch im Februar vorlegen will. Mit dem zweiten Rentenpaket sollen das Rentenniveau festgeschrieben und die sogenannte Aktienrente eingeführt werden. Geplant ist, dass das Rentenniveau auch langfristig nicht auf weniger als 48 Prozent eines Durchschnittslohns sinken soll.

Auf Betreiben der FDP soll ein Kapitalstock durch neue Schulden angelegt werden, mit dem an den Kapitalmärkten eine Rendite erwirtschaftet werden soll, die ab Mitte der 30er-Jahre die Beiträge zur Rentenversicherung entlasten soll. Im Entwurf des Bundeshaushalts für 2024 sind dafür zwölf Milliarden Euro an Neuverschuldung vorgesehen. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Pläne nicht weit genug gehen, um das Rentensystem nachhaltig zu verbessern.

Mit Material von dpa und Reuters

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa

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