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Der Pharmariese Novartis hatte zu Beginn des Jahres das deutsche Pharmaunternehmen MorphoSys übernommen. Nun soll das Unternehmen mitsamt aller Standorte geschlossen werden.
Basel - Bereits zu Jahresbeginn wurden die Absichten des Schweizer Pharmakonzerns Novartis bekannt, das deutsche Pharmaunternehmen Morphosys zu übernehmen. Die Übernahme wurde sieben Monate später, konkret am 1. September, abgeschlossen. Für das 1992 gegründete Traditionsunternehmen mit Sitz in Planegg bei München bedeutete die Übernahme durch einen der größten Pharmakonzerne der Welt zwar den Verlust der Selbstständigkeit, man zeigte sich im September aber dennoch positiv für die Zukunft eingestellt. Die Freude währte aber offenbar nur kurz.
Die Novartis AG mit Sitz in Basel (Schweiz) nahe der Grenze zu Baden-Württemberg ist nicht nur eines der größten Unternehmen im Nachbarland, sondern zählt zu den größten Pharmakonzernen weltweit. Im April hatte der Schweizer Pharmakonzern bereits den Abbau von rund 400 Stellen am Hauptsitz angekündigt. Jetzt bestätigte der Konzern gegenüber der WirtschaftsWoche, die erst im September vollständig übernommene Morphosys AG inklusive aller Standorte in Deutschland und den USA bis Ende 2025 schließen zu wollen.
Novartis schließt alle Standorte von Morphosys und integriert Portfolio in Konzern
Morphosys ist auf die Entwicklung eigener Arzneimittelkandidaten mithilfe von verschiedenen Antikörper-, Protein- und Peptid-Technologien spezialisiert und arbeitete vor der Übernahme unter anderem mit großen deutschen Pharmakonzernen wie Boehringer Ingelheim oder Bayer Pharma zusammen. Dass nun das gesamte Unternehmen inklusive der Tochtergesellschaft in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts komplett abgewickelt werden soll, liegt nach Angaben des Konzerns an verschlechterten Aussichten für das Morphosys-Medikament Pelabresib gegen eine seltene, bösartige Erkrankung des Knochenmarks. In Bezug auf dieses Medikament, das als Hoffnungsträger gilt, traten kürzlich Bedenken auf.
| Name | Novartis AG | Morphosys AG |
|---|---|---|
| Gründung | 1996 | 1992 |
| Hauptsitz | Basel, Basel-Stadt, Schweiz | Planegg, Bayern, Deutschland |
| Branche | Biotechnologie, Pharmazie | Biotechnologie |
| Mitarbeiter | 76.057 (2023) | 524 (2023) |
| Umsatz | 45,4 Milliarden Euro (2023) | 283,3 Millionen Euro (2023) |
„Wir haben im November 2024 die Entscheidung getroffen, die Morphosys-Standorte in Deutschland und in den USA bis Ende 2025 zu schließen und alle Portfolioaktivitäten in Novartis zu integrieren“, erklärte der Schweizer Pharmariese auf Anfrage der WirtschaftsWoche. Betroffen sind von den Schließungen demnach rund 330 Mitarbeiter. Die Belegschaft in Planegg war bereits im vergangenen Jahr nach einer Anpassung der Ausrichtung bei den präklinischen Forschungsprogrammen verringert worden. Ende kommenden Jahres gehen die Lichter für Morphosys demnach ganz aus.
Die Pharmaindustrie hatte kein einfaches Jahr 2024
Novartis erklärte, dass die M&A-Aktivitäten, also die Prozesse rund um eine Unternehmenstransaktion, in der Forschung und Entwicklung einem gewissen Risiko unterliegen würden. Deshalb würde der Basler Konzern beständig sein Portfolio prüfen und gegebenenfalls Organisationsstrukturen anpassen. Im noch aktuellen Jahr hatten in der Pharmaindustrie einige Unternehmen mit schwierigen Herausforderungen zu kämpfen. Neben Novartis hatte auch der japanische Pharmariese Takeda einen Stellenabbau in der Schweiz angekündigt und der deutsche Impfstoffhersteller CureVac aus Baden-Württemberg baute 150 Arbeitsplätze ab.
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