Befürchtung der IG Metall

Könnte ZF ein deutsches Werk früher als geplant schließen? – Konzern revidiert

  • schließen

Die IG Metall befürchtet, dass der Autozulieferer ZF Friedrichshafen das Werk in Eitorf deutlich früher schließen könnte. Der Konzern revidiert.

Update vom 3. Januar 2025, 9.50 Uhr: Wie berichtet, befürchtet die IG Metall Bonn Rhein-Sieg aufgrund von stockenden Verhandlungen, dass der Autozulieferer ZF Friedrichshafen den Standort in Eitorf (Nordrhein-Westfalen) bereits früher schließen könnte. Gegenüber IPPEN.MEDIA erklärte ZF-Sprecher Florian Tausch aber, dass der Konzern weiterhin an dem Schließungstermin 31.12.2027 festhalte und, dass man sich diesbezüglich weiterhin in Verhandlungen mit der IG Metall und dem Betriebsrat befinde.

Aktuell suchen Betriebsrat und IG Metall nach einer möglichen Investorenlösung für das Werk Eitorf. ZF hat die Arbeitnehmerseite finanziell bei dem Prozess unterstützt, ein Konzept zur alternativen Fortführung des Standortes außerhalb des Konzerns zu entwickeln. Diese Phase ist nun abgeschlossen. ZF und die Arbeitnehmervertretung beraten derzeit über die Projektfortführung.

Florian Tausch, ZF Friedrichshafen

Zudem bestätigte Tausch, dass die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan im Januar 2025 fortgesetzt werden sollen.

ZF Friedrichshafen könnte deutsches Werk laut IG Metall deutlich früher schließen

Erstmeldung vom 2. Januar 2025: Friedrichshafen/Eitorf - Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen steckt in einer Krise und hat neben dem Abbau von bis zu 14.000 Stellen bis 2028 den Umbau der Struktur der deutschen Standorte angekündigt. Nach dem Werk im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke steht auch die Produktion in Eitorf (Nordrhein-Westfalen) vor dem Aus. Bereits im September 2022 hatte die ZF angekündigt, den Standort schließen zu müssen, wovon zum damaligen Zeitpunkt rund 690 Mitarbeiter betroffen waren. Seitdem hat sich in Eitorf zwar einiges getan, die Schließung steht aber weiterhin fest.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Seit der Ankündigung der Schließung arbeiten die Arbeitnehmervertreter an Lösungen für den Standort östlich der Bundesstadt Bonn. Ein vielversprechendes Investorengespräch für das ZF-Werk war im Januar 2024 aber gescheitert. Wie ZF-Sprecher Florian Tausch vor einem Jahr auf Anfrage von IPPEN.MEDIA erklärte, sollte das entgegen einiger Berichte aber nicht bedeuten, dass das Werk bereits Ende 2025 geschlossen wird. In einem Statement verkündete der Konzern, dass die Produktion schrittweise zurückgefahren und der Standort bis spätestens Ende 2027 endgültig geschlossen werden sollte.

Verhandlung um Zukunft von ZF-Standort stockt – wird das Werk doch früher geschlossen?

Unmittelbar vor dem Jahreswechsel gab es am ZF-Standort Eitorf aber offenbar neue Entwicklungen. Wie die Kölnische Rundschau berichtet, läuft sowohl die Standortsicherung als auch die Beschäftigungssicherung der noch verbleibenden 500 Mitarbeiter Ende 2025 aus. Die Arbeitnehmervertreter sind weiterhin auf der Suche nach einer Nachfolgelösung und schließen unter anderem den Einstieg eines Investors nicht aus. Da der Stiftungskonzern vom Bodensee aber offenbar eine schnellere Abwicklung forciert, sind diese Prozesse ins Stocken geraten. Wie bereits Mitte 2024 berichtet, gibt es demnach auch im Januar 2025 keine konkreten Zukunftsaussichten für die rund 500 Mitarbeiter von ZF in Eitorf.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr 1915
Hauptsitz Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Geschäftsbereiche Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl 168.738 (Stand: 2023)
Produktionsstandorte 168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte 19 in neun Ländern
Umsatz 46,6 Milliarden Euro (2023)
Geschäftsführung Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Bislang bekannt ist, dass das Werk bis spätestens Ende 2027 nicht mehr Teil der ZF-Gruppe sein wird. Behalten will der Konzern allerdings die zentrale Stoßdämpferfertigung, die aber bereits bis Ende 2025 ins Ausland verlagert werden soll. Seither ist die IG Metall Bonn Rhein-Sieg davon ausgegangen, zum angepeilten Schließungszeitraum noch rund 300 Mitarbeiter am Standort zu haben, doch „die Personalzahlen, die wir uns bis zum Ende vorstellen, will das Unternehmen nicht“, sagte Geschäftsführer Michael Korsmeier. Zudem knüpft ZF die weitere Finanzierung der Transformation an Bedingungen. „Wir sollen dem Unternehmen in der Zeitschiene deutlich entgegenkommen.“

IG Metall will nicht aufgeben – Verhandlung über Sozialplan und Interessensausgleich

Aus diesem Grund befürchtet Korsmeier, dass die Lichter im ZF-Werk Eitorf doch schon deutlich früher ausgehen könnten, wie er der Kölnischen Rundschau erklärte. „Wir haben tolle Ideen für eine Zukunft des Standorts entwickelt, aber wir schaffen es nicht, sie an die Investoren zu bringen.“ Aufgeben will die Gewerkschaft aber trotzdem nicht. Neben einem Interessenausgleich wird bereits über Sozialpläne für die betroffenen Mitarbeiter verhandelt; manche haben bereits eine Alterszeitregelung abgeschlossen und werden den Standort in den kommenden Monaten verlassen.

Die Verhandlungen um die Zukunft des ZF-Werks Eitorf nach der angekündigten Schließung sind ins Stocken geraten.

Dass der inzwischen zweitgrößte deutsche Automobilzulieferer überhaupt ganze Standorte stilllegen muss – eine Maßnahme, die es beim 1915 gegründeten Stiftungskonzern bislang selten gab – liegt an der äußerst prekären Lage der ZF Friedrichshafen. Wegen der kostspieligen Transformation und der Tilgung von Milliardenschulden durch die Übernahme von Konkurrenten hatte der Konzern bereits zum Jahresanfang 2024 erklärt, die Kosten in den nächsten Jahren um sechs Milliarden Euro senken zu wollen.

Rubriklistenbild: © ZF Friedrichshafen

Kommentare