Mini-Serie Teil vier

Gamechanger für die Mobilitätswende: Blitzschnell laden am ganz normalen Stromnetz

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Ein Auto wird per Schnelllader geladen: Die Allgäuer Firma Numbat möchte das noch deutlich öfter ermöglichen.
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Der Erfolg oder Misserfolg der Elektromobilität hängt an einem Begriff: Ladeinfrastruktur. Wo kann ich laden? Wie lange dauert das? Was kann ich in dieser Zeit Sinnvolles tun? 

München – Manchmal ist die Antwort einfach. Wenn das Elektroauto tagsüber in der Garage steht, und auf dem Dach eine Solaranlage installiert ist, fährt man konkurrenzlos günstig. Parkt das Auto tagsüber in der Firma mit Lademöglichkeit, wird die Batterie auch bei geringer Leistung voll. In Hotels hat man zum Laden in der Regel die ganze Nacht.

Manchmal aber muss es schnell gehen: an Tankstellen, am Supermarkt-Parkplatz, oder bei anderen Einkaufsmöglichkeiten. Da sind es oft nur einige Minuten oder eine halbe Stunde. Zu wenig Zeit, um mit Strom aus dem öffentlichen Netz die Batterie wieder aufzufüllen.

Allgäuer Unternehmen macht Schnellladen für breitere Masse zugänglich

Man kann große Autobahn-Raststätten über das Mittelspannungsnetz anschließen. Das ist der Teil des Netzes, der auch örtliche Trafostationen versorgt. Doch das ist keine Lösung für alle. „Wenn eine einfache Tankstelle oder ein Baumarkt den Kunden Schnellladen anbieten will, rechnet sich dieser teure Anschluss nicht“, sagt der Unternehmer Martin Schall. Und die Installation braucht Zeit: „Das können zwei bis drei Jahre sein“. 

Hier kommt sein Allgäuer Unternehmen Numbat ins Spiel. Martin Schall verspricht seinen Kunden eine Installation auf seine Rechnung. Eine Ladeleistung von 300 Kilowatt – ein Vielfaches dessen, was die meisten Ladepunkte am Straßenrand bieten. Er braucht dazu nicht mehr als einen üblichen Gewerbestromanschluss. Der Schlüssel dazu: eine Batterie. 200 Kilowattstunden werden darin gespeichert und dann nach Bedarf als Schnellladestrom zur Verfügung gestellt.

Angenommen, ein Auto „tankt“ in zehn Minuten Einkaufszeit, bleibt noch immer genug Strom für drei bis vier weitere Autos. Und sogar mehr, weil die Speicherbatterie laufend nachgeladen wird – soweit möglich aus der ebenfalls installierten Photovoltaikanlage. Weil es immer wieder Zeiten gibt, in denen niemand lädt, ist ein Engpass praktisch ausgeschlossen.

Es bleiben sogar noch Reserven. So kann die Batterie Lastspitzen ausgleichen, etwa wenn die Kühlanlage eines Supermarkts hochfährt. „Peak-Sharing im Hausnetz senkt die Stromkosten“, sagt Schall, „Das dient auch zur Stabilisierung der Versorgungsnetze.“

Numbat investiert hunderttausende Euro

Das macht die Sache für Numbat erst wirtschaftlich. Denn allein durch das Laden rechnet sich die Sache nicht. Rund eine Viertelmillion Euro investiert Numbat in jeden einzelnen Standort. Davon gibt es immerhin 35, bei der Supermarktkette Feneberg Partner ist, 200 beim Konkurrenten Tegut und 80 bei der Tankstellenkette Pfennings.

Als dritte Erlössäule nennt Schall die Vermarktung von Inhalten, für die er die Zusammenarbeit mit regionalen Medienhäusern sucht. Auch im Ausland will Numbat Fuß fassen. Das Unternehmen wächst. Von 50 Mitarbeitern im vergangenen Jahr auf derzeit 100 und am Jahresende sollen es 200 sein. Aus nahezu allen Bereichen werden Mitarbeiter gesucht. „Software, Hardware und Vertrieb“ nennt Schall als Schwerpunkt. 

Als Investor nicht nur im Hintergrund spielt auch Christoph Ostermann eine Rolle. Als Gründer des Unternehmens Sonnen gehört er zu den Pinien unter den innovativen Energiedienstleistern. Auf seine Erfahrung legt Schall großen Wert. „Man muss Fehler, aus denen andere schon gelernt haben, nicht noch einmal machen“, sagt er.

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