- VonMark Simon Wolfschließen
Elon Musk knöpft sich seinen Ex-Chef Donald Trump vor – und rechnet mit dessen Wirtschaftspolitik ab. Laut dem Tesla-Chef droht bald eine Rezession.
Noch vor Kurzem schien die Beziehung zwischen dem mächtigsten Mann der Welt und dem reichsten harmonisch: Donald Trump verabschiedete Elon Musk als Leiter der Regierungsbehörde DOGE mit einem goldenen Schlüssel und freundlichen Worten. Doch nur eine Woche später ist von dieser Harmonie nichts mehr zu spüren – die öffentliche Auseinandersetzung der beiden beherrscht die Schlagzeilen.
„Lobbyisten-Geschenk“: Musk kritisiert Donald Trumps neues Schuldengesetz – und prognostiziert Rezession
Der Streit entfachte sich an dem sogenannten „Big Beautiful Bill“, einem Steuer- und Ausgabengesetz, das laut dem Congressional Budget Office (CBO) die Staatsverschuldung in den nächsten zehn Jahren um 2,3 Billionen US-Dollar erhöhen würde. Es beinhaltet zudem Kürzungen bei staatlichen Gesundheitsprogrammen und Steuervergünstigungen für grüne Energie. Elon Musk bezeichnete das Gesetz am 3. Juni auf X als „Lobbyisten-Geschenk“ und „widerliche Abscheulichkeit“. In der Folge flogen die Anschuldigungen auf Social Media hin und her, wobei Musk deutlich aggressiver agierte als Trump.
I’m sorry, but I just can’t stand it anymore.
— Elon Musk (@elonmusk) June 3, 2025
This massive, outrageous, pork-filled Congressional spending bill is a disgusting abomination.
Shame on those who voted for it: you know you did wrong. You know it.
Musk kritisierte die steigende Staatsverschuldung und warf Trump vor, seine Prinzipien verraten zu haben. Er sagte für das zweite Halbjahr eine schwere Rezession in den USA voraus. Besonders brisant war Musks „Bombe“, in der er Trump eine Verbindung zu dem 2019 verurteilten und mittlerweile verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein unterstellte.
Elon Musk und Donald Trump – eine Freundschaft voller Widersprüche liegt in Trümmern
Trotz dieser plötzlichen Eskalation war die Beziehung zwischen Trump und Musk oft widersprüchlich. Auf der einen Seite steht ein US-Präsident, der mit Strafzöllen auf US-Importwaren gegen fast jeden ökonomischen Rat handelte und den Weltmarkt ins Chaos stürzte. Auch Tesla und andere Unternehmen von Musk litten darunter. Auf der anderen Seite steht der Vorreiter der E-Mobilität, die von Trump-treuen Republikanern abgelehnt wird. Musk, so heißt es, war in Trumps Kreis ohnehin unbeliebt. Selbst der sonst besonnene Finanzminister Scott Bessent soll ihm einmal laut das F-Wort entgegengeschrien haben.
Trumps strikte Einwanderungspolitik und sein Kampf gegen Elite-Universitäten sowie den Zuzug ausländischer Studenten verschärften die Spannungen. Musk hatte bereits vor Monaten kritisiert, dass dadurch langfristig die Quelle qualifizierter Fachkräfte versiegen könnte. Das „Big Ugly Bill“, wie Musk es inzwischen nennt, könnte das Fass nun zum Überlaufen gebracht haben. Inmitten dieses öffentlichen Schlagabtauschs stellt sich die Frage: Steht den USA tatsächlich eine Rezession bevor, wie Musk es vorhersagt, oder ist seine Warnung lediglich Ausdruck persönlicher Enttäuschung?
OECD sagt senkt Wachstumsprognose – Zahlen deuten auf Schwäche des Arbeitsmarktes hin
Obwohl aktuelle Indikatoren wie BIP, Beschäftigung und Konsum noch ein vorsichtiges Wachstum zeigen, deuten Prognosen auf eine deutliche Abkühlung hin: Die OECD erwartet für 2025 nur noch ein Wachstum von 1,6 Prozent, deutlich weniger als die zuvor prognostizierten 2,2 Prozent. Zudem stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Woche zum 31. Mai 2025 auf 247.000 – den höchsten Stand seit Oktober 2024 –, was auf eine beginnende Schwäche des Arbeitsmarktes hindeutet. Dennoch bleibt die Gesamtzahl der Arbeitslosen mit 1,9 Millionen relativ stabil.
Tatsächlich präsentierte sich die US-Wirtschaft unter Präsident Biden in robuster Verfassung: Zwischen 2021 und 2024 wuchs das Bruttoinlandsprodukt real um 8,4 Prozent – der höchste Wert unter den G7-Staaten in diesem Zeitraum.
Wirtschaft unter Biden war stabil – trotz externer Krisen: Trump profitiert von Investitionen
Biden setzte auf eine Politik der Nachfragestimulation und staatlichen Investitionen, anstatt Zölle zu erheben. Seine massiven Konjunkturpakete, wie der Inflation Reduction Act 2022 oder der Infrastructure Investment and Jobs Act 2021, kurbelten die inländische Wirtschaft an. Diese Maßnahmen schufen 15,7 Millionen neue Arbeitsplätze und hielten die Arbeitslosenquote stabil unter der Vier-Prozent-Marke – ein Erfolg, der zuletzt Ende der 1960er Jahre erreicht wurde. Von dieser Stabilität profitiert derzeit auch noch die Trump-Administration, jedoch verlangsamt sich der Beschäftigungszuwachs aufgrund der handelspolitischen Unsicherheiten zunehmend.
Besonders Unternehmen mit globalen Lieferketten, wie Autohersteller oder Elektronikfirmen, wurden von Trumps Zollpolitik kalt erwischt. Auch die instabile Inflation bereitet der Wirtschaft Sorgen. Unter Biden stieg die Inflation zwischenzeitlich auf 9,1 Prozent – bedingt durch die Folgen von Corona, Lieferkettenengpässen und den Ukraine-Krieg.
Wegen Donald Trumps Strafzöllen: Fed-Expertin Kugler warnt vor höheren Inflation
Durch einen strafferen geldpolitischen Kurs der US-Notenbank und die zügige Erhöhung der Leitzinsen fiel die Inflation bis November 2024 auf 2,7 Prozent. Diesen positiven Trend, der bis heute anhält, reklamiert der US-Präsident als Folge seiner ersten 100 Tage für sich.
Adriana Kugler, Mitglied des Federal Open Market Committee der US-Notenbank, das zentral über Leitzinsen und geldpolitische Maßnahmen entscheidet, warnte kürzlich in einer Rede, dass die von Präsident Trump eingeführten Strafzölle die Inflation wieder anheizen könnten: „Die Disinflation hat sich verlangsamt, und wir sehen bereits die Auswirkungen der höheren Zölle, die meiner Einschätzung nach die Inflation im Jahr 2025 weiter anheizen werden.“ Daher sei eine Beibehaltung des aktuellen Leitzinsniveaus von 4,25 bis 4,5 Prozent gerechtfertigt, um Inflationsrisiken zu begegnen.
Fehde mit Fed-Chef Jerome Powell sorgt für Verunsicherung – Trump setzt auf Steuerrabatte und Zölle
Biden hätte eine solche Warnung ernst genommen, doch Trumps regelmäßige Drohungen gegen den Fed-Chef Jerome Powell zeigen das Gegenteil. Vor wenigen Tagen warnte die OECD sogar davor, dass die US-Inflationsrate bis Ende 2025 wieder auf bis zu vier Prozent steigen könnte.
Die durch die Strafzölle erhöhten Importpreise würden die Unternehmen demnach an die Konsumenten weitergeben, so die Berechnungen von Ökonomen. Trump verfolgt bisher eine angebotsorientierte und protektionistische Wirtschaftspolitik, die Steuerrabatte als Anreize für Investitionen und Zölle als Druckmittel vorsieht. Langfristig, so hofft die Trump-Regierung, würde die US-Wirtschaft dadurch unabhängiger und industriefreundlicher, doch kurzfristig drohen erhebliche Preissprünge und Marktunsicherheiten.
War Musks Schritt clever? Bei weiterer Eskalation des Handelskonflikts steht die Fed vor einem Dilemma
Die entscheidende Frage bleibt: Wird Trump seine Handelspolitik weiter verschärfen? Sollte es zu einem weiteren Preisauftrieb kommen, stünde die Federal Reserve vor einem Dilemma: Eine Zinserhöhung könnte notwendig werden, um die Inflation zu bekämpfen, würde jedoch gleichzeitig die Finanzierungskosten erhöhen und Investitionen bremsen – klassische Auslöser einer Rezession. Sollte es tatsächlich so kommen, hätte Musk am Ende recht behalten – und das sinkende Schiff frühzeitig verlassen. Aber gleichzeitig einen mächtigen Feind hinzugewonnen.
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