Nach 150 Jahren: Deutsches Traditionsunternehmen stürzt in die Insolvenz
VonMarcus Giebel
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Die Köhlerpappen GmbH existiert seit über anderthalb Jahrhunderten. Sie hat Kunden in ganz Europa. Jetzt muss das Unternehmen Konkurs anmelden.
Gengenbach – Auf der Homepage der Köhlerpappen GmbH wird der Besucher direkt auf Impressionen von der 150-Jahr-Feier aufmerksam gemacht. Eine Live-Band spielte auf einer Bühne, Angestellte und Gäste saßen an festlich gedeckten Tischen in einem großen Zelt oder genossen das Wetter im Freien auf Klappstühlen unter Sonnenschirmen. Die Bilder stammen aus dem Juli 2023.
Nicht einmal zwei Jahre ist das her. Nun steht das Traditionsunternehmen aus Gengenbach im Schwarzwald vor der Pleite. Am 11. März wurde am Amtsgericht Offenburg ein Insolvenzantrag gestellt. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Andre Berbuer von der Kanzlei BSK Berbuer Speier bestellt. Dieser ist jedoch nicht der allgemeine Vertreter der Schuldnerin, sondern soll deren Vermögen sichern und erhalten.
Deutsches Traditionsunternehmen vor der Insolvenz: „Löhne und Gehälter sind gesichert“
„Ich habe mir heute vor Ort in Gengenbach ein erstes Bild der Lage verschaffen können und bin zuversichtlich, eine für alle Betroffenen gute Lösung zu finden“, zitiert die Schwarzwälder Post den Juristen: „Der Betrieb ist gut strukturiert und läuft normal weiter, Löhne und Gehälter werden über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung gesichert.“ Nach eigenen Angaben beschäftigt die Firma 97 Mitarbeiter.
Das in mehr als einem Dutzend Ländern in Europa tätige Unternehmen produziert qualitativ hochwertige Pappen für die Verpackungs- und die Spielindustrie, beliefert namhafte nationale und internationale Kunden. Nach eigenen Angaben strebt Köhlerpappen GmbH bis zum Jahr 2030 eine 80-prozentige CO₂-Neutralität an, wofür Einsparungen von 33.000 Tonnen CO₂ pro Jahr nötig wären.
Insolvenzantrag im Schwarzwald: „Sämtliche Kunden werden normal weiterbeliefert“
Wie die gesamte Papierindustrie hat auch das 1873 von zwei Partnern gegründete Unternehmen seit Jahren mit im internationalen Vergleich hohen Energiepreisen zu kämpfen. Hinzu kommt eine wegen der gesamtwirtschaftlichen Lage deutlich gesunkene Nachfrage, die Folge war eine erhebliche Verschlechterung der Auftragslage.
Dennoch betont Berbuers Kanzlei-Partner Basil Speier: „Die Auftragslage für die nächsten Monate ist gut. Sämtliche Kunden werden normal weiterbeliefert. Die Grundlage für eine erfolgreiche Sanierung ist also gegeben.“ Laut Berbuer laufen bereits Gespräche „mit den für eine nachhaltige Bewältigung der Krise wichtigen Beteiligten“.
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Wie das Portal pleiteticker.info berichtet, soll eine Lösung gefunden werden, die Arbeitsplätze erhält und das Unternehmen wirtschaftlich absichert. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob die Köhlerpappen GmbH als eigenständiges Unternehmen bestehen bleiben kann oder ob Investoren gefunden werden müssen.