Schwache Zahlen

Nach Trump-Zöllen: Großer Autobauer will Stellen streichen – bis zu 3.000 Mitarbeiter bangen

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Trumps Zölle treffen die Autobranche mit voller Wucht. Die ohnehin schwierige Situation verschärft sich. Einige Autohersteller müssen nun die Reißleine ziehen.

Göteborg – Die Krise in der Autobranche hält an. Besonders die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump stellt die Industrie vor großen Herausforderungen. Die schweren Zeiten zwingen viele Autohersteller dazu, auf Sparkurs zu gehen. Ein schwedisches Traditionsunternehmen zieht nun Konsequenzen – zulasten der Belegschaft.

Trumps Zölle treffen Autobranche – einige Hersteller gehen auf Sparkurs

Der schwedische Autobauer Volvo Cars will in seinem angekündigten Sparkurs Tausende Verwaltungsjobs abbauen. Inklusive Beratern sollen weltweit 3000 Stellen wegfallen, wie das vom chinesischen Geely-Konzern kontrollierte Unternehmen in Göteborg mitteilte. Das seien rund 15 Prozent aller bürobasierten Arbeitsplätze, ein Großteil entfällt dabei auf Schweden.

Volvo-Chef Hakan Samuelsson sprach von harten Entscheidungen. „Die Automobilindustrie befindet sich mitten in einer schwierigen Phase.“ Um diese zu bewältigen, müssten die Kosten strukturell sinken, sagte er laut Mitteilung und kündigte Gespräche mit den Gewerkschaften an.

Nach Trump-Zöllen: Großer Autobauer will Stellen streichen – bis zu 3.000 Mitarbeiter bangen

Volvo hatte bereits mit den schwachen Zahlen zum ersten Quartal Ende April verkündet, dass Stellen wegfallen würden und inklusive anderer Maßnahmen insgesamt 18 Milliarden schwedische Kronen (knapp 1,7 Mrd. Euro) eingespart werden sollen. Details waren aber offengeblieben. Für das Paket werden nun erst einmal Sonderkosten von rund 1,5 Milliarden Kronen fällig, die im zweiten Quartal verbucht würden.

„Schwierige Phase“ für Autohersteller – Volvo bangt um E-Auto

Zudem befürchtet Samuelsson, dass es aufgrund von Trumps Zöllen unmöglich werden könnte, eines der günstigsten Autos des Konzerns in die USA zu importieren. Trump hatte zuletzt neue Zölle in Höhe von 50 Prozent gegen die EU verschoben. Samuelsson sagte gegenüber Reuters, ein 50-prozentiger Zoll würde die Möglichkeit von Volvo Cars einschränken, sein in Belgien hergestelltes Elektrofahrzeug EX30 in den Vereinigten Staaten zu verkaufen. „Das wäre natürlich fast unmöglich“, sagte er und fügte hinzu, dass er angesichts der Unbeständigkeit der Zolldrohung nicht weiter spekulieren wolle.

Volvo hatte früh einen Fokus auf reine Batterieelektroautos gelegt (BEV – battery electric vehicles) und in den vergangenen Jahren des Öfteren unter hohen Kosten für die Batteriematerialien gelitten. Der EX30, der laut Samuelsson „sehr stark“ von den Zöllen betroffen war, weil er ursprünglich in China produziert wurde, sei Volvos Versuch, seinen Kunden ein erschwingliches Elektroauto anzubieten.

Zukunft von Volvo: Sorge wächst nach Trumps Zöllen

Weil der Hochlauf von reinen Elektroautos bei Volvo stockt, legt das Unternehmen künftig auch wieder einen stärkeren Fokus auf Plug-in-Hybride. Diese seien eine pragmatische Brücke für Kunden, die noch nicht für den kompletten Umstieg bereit seien, hieß es. Im ersten Quartal lag der Anteil reiner Elektroautos bei Volvo bei 19 Prozent und damit zwei Prozentpunkte niedriger als ein Jahr zuvor.

Die meisten Fahrzeuge von Volvo Cars für den US-Markt, die im vergangenen Jahr 16 Prozent des Konzernabsatzes ausmachten, werden aus Europa importiert. Das Unternehmen plant, die Produktion in seinem Werk in Charleston, South Carolina, kurzfristig durch ein neues Modell zu steigern. Laut Samuelsson könnte es sich um einen mittelgroßen Plug-in-Hybrid handeln. (bohy mit Material von reuters und dpa)

Rubriklistenbild: © NICOLAS MAETERLINCK/imago

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