Wärmewende

Nachfrage nach Pelletöfen bricht ein: Hat Heizen mit Holz noch eine Zukunft?

  • schließen

Im Sommer 2022 gab es einen regelrechten Run auf Holz- und Pelletöfen. Seitdem sind die Aufträge allerdings eingebrochen. Experten raten vom Heizen mit Holz eher ab.

Berlin – Es war eine Auftragsflut wie nie zuvor: Vor einem Jahr, im August 2022, als noch völlig unklar war, ob Deutschland gut durch den Winter kommen würde, wollten auf einmal alle einen Holzofen haben. Nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wurden vor einem Jahr 56.000 Anträge auf Förderung für Pelletheizungen gestellt. Im Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum 5100 Anträge.

Pelletheizungen stehen schlecht da

Doch damit ist jetzt wieder Schluss. Den aktuellen BAFA-Zahlen zufolge wurden im Juli 2023 gerade mal 365 Anträge für Pelletöfen eingereicht, das ganze Jahr über waren es immer unter 500 pro Monat. Als Grund für die gesunkene Nachfrage wird in der Branche unter anderem die geringe Förderung im Vergleich zu Wärmepumpen gesehen. So werden bei Pelletheizungen nur zehn Prozent der Kosten bezuschusst, weitere zehn Prozent kann es geben, wenn man damit einen Ölkessel austauscht. Doch im Vergleich zu den 40 Prozent, die es für Wärmepumpen geben kann, ist das recht überschaubar.

Doch es gibt auch noch andere Gründe für die schwache Performance der Pelletheizung in diesem Jahr. So ist das System in der Diskussion um das Gebäudeenergiegesetz (sog. Heizungsgesetz) in Verruf geraten. So sollte sie im ersten Entwurf des Wirtschaftsministeriums in Neubauten ganz verboten werden. Das hat sich mittlerweile geändert – in Neubauten können Pelletheizungen in Kombination mit einer erneuerbaren Energiequelle, wie Solarzellen, weiter eingebaut werden. Doch ob die Neuerung bei Verbrauchern auch angekommen ist, daran gibt es Zweifel.

So sagt die Geschäftsführerin des Pelletheizungsherstellers Ökofen, Beate Schmidt-Menig, im Handelsblatt: „Der Anteil von Pelletheizungen im Neubau liegt nur bei drei bis fünf Prozent. Mit etwa 95 Prozent ersetzen wir Ölkessel in Bestandsbauten.“

Umweltbundesamt stellt Pelletöfen schlechtes Zeugnis aus

Nun üben sich die Verbraucher nicht nur bei Pelletöfen in Kaufzurückhaltung. Im Gegenteil: In der gesamten Heizungsbranche erlebt man einen Einbruch der Auftragszahlen. So auch bei den klimafreundlichen Wärmepumpen, wo das BAFA im ersten Halbjahr 2023 gerade mal 48.804 Anträge erhalten hat. Allein im vergangenen August waren nach Angaben der Behörde mehr als 148.000 Anträge eingegangen, einen Monat später sackte die Zahl auf knapp 14.000 Anträge ab, seit Anfang 2023 liegen die Anträge bei 7000 bis 10.000 pro Monat. Die Kaufzurückhaltung wird auf die Unsicherheit durch das GEG zurückgeführt.

Doch beim Heizen mit Holz gibt es noch weitere Faktoren. So spricht sich beispielsweise das Umweltbundesamt (UBA) ausdrücklich gegen das Heizen mit Holz aus – auch gegen Pelletöfen. Damit steht die Behörde auch nicht alleine da. Pellets und Holzheizungen werden von vielen Seiten kritisch beäugt. Professor Achim Dittler vom Karlsruher Institut für Technologie nannte sie jüngst in einem Gastbeitrag in der FAZ sogar die „schlechteste aller Heizoptionen“.

„Die Verbrennung von Holz läuft nie vollständig ab. Es entstehen gesundheitsgefährdende Luftschadstoffe wie Staub bzw. Feinstaub, Kohlenwasserstoffverbindungen wie polyzyklisch aromatische Kohlenwasserstoffe (⁠PAK⁠), klimaschädliches Methan, Lachgas und Ruß“, informiert das UBA. Zudem werde das CO₂, das im Holz gebunden ist, bei der Verbrennung freigesetzt und gelangt damit in die Atmosphäre. Demnach sei Holz als Energiequelle nur dann klimafreundlich, wenn genauso viel Holz nachwächst, als später verbrannt wird.

Heizen mit Holz war letzten Sommer besonders beliebt

Eigentlich müsste aber eher weiter aufgeforstet werden, so das UBA weiter: „Die Senkenleistung der Wälder sollte maximiert werden, um die ambitionierten Ziele im Bereich ⁠Landnutzung⁠, ⁠Landnutzungsänderung⁠ und Forst zu erreichen. Dazu muss mehr Holz neu nachwachsen als aus dem Wald entnommen wird.“ Damit bleibt fast nichts weiter übrig, um es zu Pellets zu verwerten und dann zu verbrennen.

Pellets können im ländlichen Raum ihren Beitrag leisten

Aus Sicht der Befürworter haben Pelletöfen aber ihren Platz auf dem Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand, vor allem im ländlichen Raum. So sei eine Pelletheizung besser als ein reiner Holzofen und zudem besser als das Heizen mit Öl oder Gas. Mit dem Hin und Her beim GEG und der resultierenden Unsicherheit haben sich aber viele Verbraucher genau dafür entschieden. „Die Bundesregierung hat damit bewirkt, dass Öl- und Gasheizungen dieses Jahr wieder Hochkonjunktur haben“, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband und dem Deutschen Pelletinstitut, Martin Bentele.

Dort, wo der Einbau einer Wärmepumpe nicht möglich ist – oder eben nur nach einer sehr teuren Sanierung – können Pelletheizungen eine Alternative bieten, so der Verband. „Für viele Menschen, besonders im ländlichen Raum, spielt das Heizen mit Holz oder Pellets eine wichtige Rolle. Daher soll es auch weiterhin einen Beitrag leisten und als 65 Prozent Erneuerbare angerechnet werden“, heißt es deswegen auch in einem Entschließungsantrag der Ampelregierung vor der Sommerpause.

Und: „Aber Holz ist auch ein begrenzter und für andere Branchen dringend nachgefragter Rohstoff. Nachhaltigkeitskriterien sind daher zu erfüllen und Fehlanreize zu vermeiden.“ Also ganz klar: Heizen mit Holz ist in Ordnung – aber damit Bauen wäre besser.

Mit Material von dpa

Rubriklistenbild: © IMAGO/Thomas Trutschel

Kommentare