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KI-Investitionen erreichen mittlerweile Billionenhöhe. Experten warnen deshalb vor einer historischen Kapitalvernichtung. Die US-Wirtschaft hängt am seidenen KI-Faden.
Frankfurt – Die Künstliche Intelligenz hat sich zur wichtigsten Stütze der amerikanischen Wirtschaft entwickelt. Und auch in Deutschland spielt KI eine zunehmend wichtige Rolle in den verschiedensten Branchen: Wie eine ifo-Umfrage vom Juni 2025 zeigt, haben 41 Prozent der deutschen Unternehmen bereits KI-Tools eingeführt, weitere 19 Prozent bereiten den Einsatz vor. Von einem spürbaren Produktivitätsgewinn könne bislang aber keine Rede sein. Experten warnen: Die gewaltigen Investitionen könnten in einer beispiellosen Kapitalvernichtung enden.
Während 2025 bereits über 192,7 Milliarden US-Dollar an Risikokapital in KI-Start-ups flossen, warnen Analysten vor Parallelen zur Dotcom-Blase der Neunziger. 2025 könnte das erste Jahr werden, in dem mehr als die Hälfte des Risikokapitals in die KI-Branche fließt. Die geplanten Ausgaben sind atemberaubend: KI-Unternehmen wie OpenAI, Meta und xAI planen Investitionen zwischen einer und 2,2 Billionen US-Dollar innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre.
Billionen-Investitionen ohne messbare Rendite: Hedgefonds-Milliardäre warnen vor „riesengroßer Kapitalvernichtung“
OpenAI-Chef Sam Altman plant Billionen an Investments für KI-Serverfarmen, während Mark Zuckerbergs Meta bis 2028 rund 600 Milliarden Dollar – etwa 511 Milliarden Euro – in KI-Projekte investieren wollen. CoreWeave, ein Vermieter von Datenzentren für Tech-Firmen, kalkuliert ebenfalls mit „Billionen“ Dollar für den Ausbau der KI-Infrastruktur. Doch eine MIT-Analyse ergab, dass 95 Prozent der befragten Organisationen keine messbare Rendite aus ihren KI-Investments ziehen.
„Die Zahlen, die derzeit kursieren, sind derart extrem, dass man sie kaum noch begreifen kann“, zitierte n-tv den Hedgefonds-Milliardär David Einhorn. Das Risiko sei nicht „null“ – im Gegenteil sieht Einhorn die Möglichkeit einer „riesengroßen Kapitalvernichtung“ noch im aktuellen Investmentzyklus. Auch die Deutsche Bank Research warnt in ihrer aktuellen Studie vom 30. September 2025 vor den Risiken. Laut Deutsche Bank Research bezeichnete Ray Dalio von Bridgewater Associates die Situation bereits im Januar gegenüber der Financial Times als „Blase“ ähnlich 1998 oder 1999. Und Roger McNamee, einer der Gründer der Tech-Investment-Firma Silver Lake, erklärte gegenüber dem Wall Street Journal: „Das hier ist größer als alle früheren Tech-Blasen zusammen.“
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Amazon-Gründer Bezos sieht „industrielle Blase“: OpenAI wertvollstes Start-up aller Zeiten
Selbst in der Führungsetage der Tech-Riesen wächst die Unsicherheit. Amazon-Gründer Jeff Bezos warnte Anfang Oktober 2025 vor einer „industriellen Blase“ im KI-Sektor und sieht Ähnlichkeiten zum Dotcom-Crash. Die Anzeichen erinnern ihn an die „dunkelsten Stunden der Börsengeschichte“: „Zuerst trennen sich die Aktienkurse von den Fundamentaldaten eines Unternehmens“, dann „geraten die Menschen in große Aufregung – so wie heute um KI“, so der Multimilliardär. In solchen Phasen fließe Geld in jede noch so absurde Idee. „Investoren haben es schwer, in dieser Euphorie Gutes von Schlechtem zu unterscheiden. Und das passiert wahrscheinlich gerade jetzt.“
Trotz der Warnungen erreichen die Bewertungen neue Rekorde. OpenAI wurde am 2. Oktober 2025 mit 500 Milliarden US-Dollar bewertet und löste damit SpaceX als wertvollstes Start-up der Geschichte ab. In den ersten sechs Monaten 2025 soll OpenAI rund 4,3 Milliarden Dollar Umsatz gemacht haben. Branchenbeobachter werten dies als weiteres Anzeichen für eine Blasenbildung. Selbst Chip-Hersteller Nvidia, der dank KI-Hype zum wertvollsten Unternehmen der Welt wurde, investierte zuletzt in OpenAI.
Deutsche Bank Analyse: „KI-Blase“-Blase bereits geplatzt
Paradoxerweise zeigt Deutsche Bank Research in ihrer Studie, dass das Interesse an der Diskussion über eine „KI-Blase“ bereits wieder abnimmt. Die Anzahl der Web-Suchanfragen nach „AI bubble“ ist seit dem Höchststand am 21. August 2025 auf nur noch 15 Prozent dieses Niveaus gefallen. Die Analysten sehen darin ein typisches Muster vergangener Blasen: „Blasen sind nicht linear. Sie blähen sich typischerweise in mehreren Wellen auf, unterbrochen von dramatischen Rückgängen“. Der Nasdaq-Technologie-Index stieg und fiel während der Dotcom-Blase siebenmal um zehn Prozent oder mehr, bevor er am 10. März 2000 seinen Höchststand erreichte.
Die Abhängigkeit der US-Wirtschaft vom KI-Boom wird durch Trumps Stargate-Projekt deutlich. Das von OpenAI, Softbank und Oracle getragene Programm soll mindestens 500 Milliarden US-Dollar in die USA bringen und über 100.000 Arbeitsplätze schaffen. Doch selbst hier gibt es Unstimmigkeiten: Elon Musk kritisierte das Projekt scharf und behauptete, Softbank habe sich nur „deutlich unter zehn Milliarden“ Dollar gesichert – weit weniger als die angekündigten 100 Milliarden Dollar Startkapital.
Die Anzeichen sind nicht zu leugnen: Das zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis (CAPE) des S&P 500 steht bei 38 Punkten und kratzt damit an historischen Höchstständen. Zwar liegt es noch unter den 44 Punkten vom Januar 2000, doch Marktbeobachter werden nervös. Paul Samuelson brachte die Tücken der Börsenprognosen bereits 1966 ironisiert auf den Punkt: „Der Aktienmarkt hat neun der letzten fünf Rezessionen vorhergesagt.“ (ls)
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