- VonMax Schäferschließen
Die Anpassung der Midijob-Grenzen bringt Vorteile für bestimmte Gruppen, insbesondere Frauen, Alleinerziehende und Teilzeitbeschäftigte. Allerdings profitieren auch Menschen mit höheren Einkommen von der Umverteilung in der Rentenversicherung.
Frankfurt – Mehr Netto vom Brutto für Menschen mit geringen Einkommen war das Versprechen: Anfang 2023 ist Grenze für Midijobs gestiegen – inzwischen auf 2000 Euro im Monat. Dadurch ist die Zahl der Beschäftigten in diesem Zwischenbereich zwischen geringfügiger und voll sozialversicherungspflichtiger Arbeit deutlich von knapp 1,5 Millionen auf drei Millionen gestiegen, wie das Portal Ihre-Vorsorge.de mit Verweis auf Daten der Bundesagentur für Arbeit erklärt. Durch die Reform profitieren sie bei ihrer Rente.
Wie Midijob-Beschäftigte bei ihrer Rente profitieren können
Auch bei einem Midijob fallen immer Beiträge für die Sozialversicherungen an, inklusive der Rente. Damit der Sprung von einem Mini- zu einem Midijob jedoch nicht zu groß ist und die Abgabenlast für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu stark steigt, wird nur ein Teil des Gehalts für die Beiträge berücksichtigt. Zudem ist die Beitragslast zwischen Arbeitgeber und den Beschäftigten nicht paritätisch, also gleichmäßig verteilt. Stattdessen zahlt das Unternehmen mehr Beiträge. Mit steigendem Einkommen gleichen sich die Beiträge an. Ab einem Bruttogehalt von 2000 Euro zahlen beide jeweils die Hälfte.
Dabei haben Beschäftigte in einem Midijob einen entscheidenden Vorteil bei der Rente: Obwohl der Beitrag aufgrund des geringeren beitragspflichtigen Einkommens reduziert ist, erwerben sie den vollen Rentenanspruch. Trotz des niedrigeren Beitrags bekommen sie die Rente, die sich ergeben würde, wenn sie regulär in die Rentenversicherung eingezahlt hätten. Davon profitieren besonders Menschen am unteren Ende des Midijobbereichs, der bei 538,01 Euro beginnt. Mit einem größeren Einkommen nimmt dieser Vorteil schrittweise ab.
Im Midijob fallen geringere Beiträge für die Rente an – bei vollen Rentenansprüchen
Wer nur etwas mehr als die Minijobgrenze erhält, zahlt damit keinen eigenen Beitrag in die Rente, der Arbeitgeber übernimmt dagegen 68,50 Euro. Bei einem Lohn von 1000 Euro müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 57,78 Euro zahlen, der Arbeitgeber dagegen 105,64 Euro.
Durch die Midijob-Anpassung liege die durchschnittliche Entlastung bei allen Beiträgen für die Sozialversicherung bei 27 Euro pro Monat je entlasteter Person, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Analyse. Laut Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) ergeben sich dadurch im Schnitt 0,018 Rentenpunkte mehr. Pro Monat ist die Rente nach dem aktuellen Wert 70 Cent im Monat pro Jahr Erwerbstätigkeit höher.
Midijob-Anpassung hilft besonders Frauen, Alleinerziehenden und Teilzeitkräften – ist aber nicht zielgenau
Besonders Frauen, Alleinerziehende und Teilzeitbeschäftigte profitieren laut Analyse des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung von der Neuregelung der Midijob-Grenzen. Gleichzeitig profitieren auch Menschen mit höheren Einkommen von der Umverteilung in der Rentenversicherung. Die Ausweitung der Midijobs sei deshalb nicht „zielgenau“.
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