- VonKathrin Hartmannschließen
Der Chemiekonzern plant einen Industriekomplex auf der indonesischen Insel Halmahera. Die Nichtregierungsorganisation Survival International warnt vor den Folgen für das „Volk des Waldes“.
Seit Jahrhunderten leben die Hongana Manyawa in und von den Wäldern der Molukkeninsel Halmahera. Sie sind eines der letzten nomadischen Völker Indonesiens, viele von ihnen sind sogar unkontaktiert. Doch das „Volk des Waldes“ wird womöglich bald keines mehr sein: Ihr indigenes Leben ist bedroht – ausgerechnet von einer Technologie, die als klimafreundlich gilt. Auf Halmahera werden dir größten Nickelvorkommen der Welt vermutet. Das begehrte Metall wird in Batterien für Elektroautos verbaut. Weda Bay Nickel, zu deren Eigentümern der französische Konzern Eramet gehört, besitzt große Bergbaukonzessionen auf der Insel – auch auf dem Land der Hongana Manyawa. Seit 2019 wurden für den Nickel-Abbau im Norden und im Zentrum der Insel rund 47 000 Hektar Regenwald vernichtet. Das Unternehmen will in den kommenden rund 40 bis 50 Jahren jährlich 40 000 Tonnen Nickel fördern.
Nun plant der deutsche Chemiekonzern BASF zusammen mit Eramet einen Nickel-Kobalt-Raffineriekomplex um laut BASF „den wachsenden Markt für Elektrofahrzeuge mit Kathodenmaterialien zu versorgen“. Nach den Recherchen der NGO Survival International, die sich für den Schutz Indigener einsetzt, liegt ein möglicher Standort auf dem Gebiet der rund 500 unkontaktierten Hongana Manyawa. „Sie werden die resultierende Zerstörung nicht überleben, wenn die Minentätigkeiten und der Bau der Raffinerie planmäßig fortgeführt werden“, warnt die Organisation.
Schon jetzt seien die Nomad:innen vor den zerstörerischen Auswirkungen des Bergbaus betroffen: Die Flüsse sind vergiftet, Sagopalmen, die sie mit Früchten versorgten, wurden abgeholzt, ihre Jagdgebiete werden von Bergbaulagern und Sicherheitskräften besetzt.
Nickelerz
In Indonesien liegen die weltgrößten Vorkommen von Nickelerz. Das Metall Nickel ist Bestandteil von Stahl und
Batterien für E-Autos. Seit 2020 gilt ein Exportverbot für unverarbeitetes Nickelerz. Die Weiterverarbeitung und Wertschöpfung soll im Land bleiben. Indonesien fördert deshalb Minen, Hochöfen, Schmelzen und Häfen. kha
Für das BASF-Projekt wurde bei der Bundesregierung eine Ungebundene Finanzkreditgarantie (UFK-Garantie) über mehr als eine Milliarde Euro beantragt. UFK-Garantien sind ein Instrument der Außenwirtschaftsförderung, gebunden an einen Abnahmevertrag mit einem deutschen Unternehmen. Als förderungswürdig gelten Vorhaben, mit denen „die Versorgungssicherheit der Bundesrepublik Deutschland“ erhöht wird, und an denen „ein gesamtwirtschaftliches Interesse“ besteht. Damit würde das Projekt als Teil der deutschen Rohstoffstrategie legitimiert. Eine entsprechende Anfrage der FR dazu beantworteten weder das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz noch die von der Bundesregierung mit der Vergabe von UFK beauftragte Euler Hermes AG.
BASF habe „noch nicht entschieden, ob dieses Projekt umgesetzt wird“, sagt Sprecherin Daniela Rechenberger. Die Prüfung der Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken nach den Standards der Weltbank-Tochter International Finance Corporation sowie der International Responsible Mining Assurance laufe noch, mit Survival International und anderen NGOs tausche man sich zu den Gefahren des Projekts aus, um „kritische Rohstoffe für Batteriematerialien auf verantwortungsvolle und nachhaltige Weise“ zur Verfügung zu stellen.
Survival International bezweifelt, dass der Bau der Anlage auf dem Land der Hongana Manyawa legal ist: „Damit ihr Land für extraktivistische Tätigkeiten genutzt werden kann, müssen indigene Völker juristisch gesehen ihre freie, vorherige und informierte Zustimmung geben; da dies bei unkontaktierten Völkern aber offensichtlich nicht der Fall sein kann, ist der Bergbau auf dem Gebiet unkontaktierter Völker nach internationalem Recht illegal“, so die NGO. Ihre Forderung: Die indonesische Regierung soll eine „No-Go-Zone“ zum Schutz unkontaktierter Völker vor Zwangskontakt einrichten, um sie und ihre Gebiete zu schützen.