Düstere Aussichten

Niedergang der russischen Wirtschaft: Putin wiederholt auch 2025 Fehler aus Sowjetzeiten

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Für die Wirtschaft Russlands zeichnet sich 2025 kein leichtes Jahr ab. Putin steht vor einem großen Trümmerfeld aus dem letzten Jahr, das nicht kleiner wird.

Moskau – Wenn selbst Wladimir Putin „alarmierende Signale“ für Russlands Wirtschaft zugibt, ist die Lage ernst. Auch wenn der Kremlchef sich bessere Aussichten erhofft, belasten einige Herausforderungen die russische Wirtschaft ebenfalls im Jahr 2025. Denn im kommenden Jahr könnte sich die Abwärtsspirale fortsetzen.

Russlands Wirtschaft auch 2025 unter Druck wegen Rubel-Verfall und hoher Inflation

Als der russische Rubel abstürzte, brach in Russlands Wirtschaft Panik aus. Auslöser waren Sanktionen der USA, die sich gegen die Gazprombank, und ihre sechs ausländischen Tochtergesellschaften richteten. Wie sehr und ob sich der Rubel im Jahr 2025 erholt, bleibt abzuwarten. Analysten gehen davon aus, dass der Rubel im Jahr 2025 zwar weiter an Wert verlieren wird, allerdings nicht stark. Einer Umfrage der Zentralbank unter Ökonomen zufolge wird der durchschnittliche Wechselkurs des Rubels gegenüber dem Dollar im Jahr 2025 bei 102 liegen. 

Wie sind die Aussichten für Russlands Wirtschaft im Jahr 2025?

Ein schwacher Rubel würde weiterhin die ohnehin hohe Inflation befeuern. Die Inflation in Russland hatte gegen Ende Dezember 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Vorrangig sind dafür die Ausgaben für die Kriegswirtschaft und die hohen Lebensmittelpreise verantwortlich. Das berichtete das Nachrichtenportal Kyiv Independent unter Berufung auf Zahlen des russischen Statistikamts Rosstat. Seit Monaten versucht Putin die hartnäckige Inflation zu bekämpfen– bislang ohne Erfolg.

Inflation lässt sich schwer eindämmen – Gegenmaßnahmen helfen Russlands Wirtschaft wenig

Die russische Zentralbank hob wiederholt ihren Leitzins an, der zuletzt bei 21 Prozent lag. Experten gehen davon aus, dass die Zentralbank den Leitzins sogar noch weiter anheben könnte. So geht Jewgeni Nadorschin, Chefvolkswirt der Unternehmensberatung PF Capital, von einem Leitzins von bis zu 25 Prozent aus. 

Sollte der Leitzins im Jahr 2025 angehoben werden, würde das viele Unternehmen in Russland vor großen Herausforderungen stellen. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete Anfang Dezember, dass sich Zahlungsausfälle in der gesamten Wirtschaft ausbreiteten. Bei großen und mittelgroßen Unternehmen kam es demnach zwischen Juli und September zu Zahlungsverzug von 19 Prozent, bei kleinen Unternehmen lag der Zahlungsverzug im gleichen Zeitraum bei 25 Prozent.

Zudem hat die Zentralbank laut der Moscow Times das Ausmaß subventionierter Kredite reduziert. Ziel dieser Maßnahmen sei es, Kredite zu verteuern und das Sparen rentabler zu machen. Dadurch sollen Investitionen und Ausgaben in der Wirtschaft gedämpft und Preissteigerungen eingedämmt werden. 

Russlands Wirtschaft droht Rezession – Firmen in Russland stehen vor finanziellen Problemen

Eine weitere Anhebung des Leitzinses könnte auch die Gefahr eine Rezession für Russlands Wirtschaft erhöhen. Auch vor einer Übersetzung wird seit Längerem gewarnt. „Die Zentralbank steht vor einem Dilemma: Soll sie die Zinsen weiter anheben, obwohl das die Rezessionsgefahr erhöht, oder einfach einen höheren Inflationsdruck hinnehmen“, sagte Alexander Isakov, Chefökonom von Bloomberg.

Das russische Wirtschaftswachstum geht offenbar zu Ende. Eine Umfrage der Zentralbank unter russischen Ökonomen prognostiziert für das kommende Jahr ein BIP-Wachstum von 1,5 Prozent, während der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Wachstum des russischen BIP von 1,3 Prozent prognostiziert.

Überraschend dürfte diese Entwicklung nicht sein, da Putin Russlands Wirtschaft auf eine nicht nachhaltige Kriegswirtschaft umgestellt hatte. Die Wachstumsschübe sind kriegsbedingt. Um das BIP anzukurbeln, setzt Putin auf hohe Staatsausgaben für das Militär.

Putin pumpt weiter Geld ins Militär – andere Bereiche der russischen Wirtschaft leiden

Für das Jahr 2025 soll das russische Militärbudget kräftig wachsen. Im neuen Budget steigen die Ausgaben für „nationale Verteidigung“ gegenüber dem Vorjahr um gut 22 Prozent auf 13,2 Billionen Rubel an. Damit machen sie bereits 6,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus.

Das berichtete Bloomberg unter Berufung auf einen Haushaltsentwurf. Zudem sollen die Ausgaben für Verteidigung und nationale Sicherheit im Jahr 2025 40 Prozent der gesamten Staatsausgaben ausmachen und damit die kombinierten Zuweisungen für Bildung, Gesundheitswesen, Sozialpolitik und die nationale Wirtschaft übertreffen, so Bloomberg.

Putins Kriegswirtschaft wird sich auch 2025 rächen

Indem Putin allerdings die Militärausgaben erhöht, könnte er der russischen Wirtschaft langfristig schaden. Zum einen wiederholt er Fehler aus Zeiten der Sowjetunion. Laut Reuters werden die staatlichen Verteidigungsausgaben Russlands bis 2025 auf dem höchsten Stand seit dem Kalten Krieg sein. Zudem werden die enormen Militärausgaben zu Lasten anderer Sektoren der russischen Wirtschaft gehen.

Andrius Tursa, Berater für Mittel- und Osteuropa bei der Beratungsfirma Teneo, warnte gegenüber dem Wirtschafts- und Finanznachrichtensender CNBC, dass die beispiellosen Militärausgaben auf Kosten von Investitionen in andere Sektoren wie Bildung, Gesundheitswesen oder Infrastruktur gehen würden, „was sich langfristig negativ auf die Qualität der öffentlichen Dienstleistungen auswirken und das Wirtschaftswachstum und die Wettbewerbsfähigkeit untergraben wird“.

Verluste für Russlands Wirtschaft: Putins Einnahmen aus Gas- und Ölgeschäften könnte schrumpfen

Auch abzuwarten bleibt, welche Sanktionen im Jahr 2025 gegen Russlands Wirtschaft verhängt werden. Im Sommer letzten Jahres beschloss die EU erstmals Sanktionen gegen russisches LNG, zudem nehmen vor allem die USA Putins marode Schattentanker stärker ins Visier.

Stärkere Sanktionen gegen Russlands Wirtschaft könnten langfristig die russischen Einnahmen im Öl-und Gassektor schmälern. Hinzu kommt im Jahr 2025 der auslaufende Vertrag zwischen der Ukraine und Russland, der bislang Putin Gaslieferungen über ukrainische Pipelines in die EU ermöglichte. Der Verlust für Russlands Wirtschaft könnte bei Milliarden liegen. (bohy)

Rubriklistenbild: © Gavriil Grigorov/dpa

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