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Nissan hat mit seinen Geschäftszahlen offenbart, wie schlecht es um den Konzern steht. Die Zeit beim Autobauer drängt augenscheinlich, ein Investor wird gesucht.
Tokio – In Deutschland beherrschte zuletzt VW die Schlagzeilen der Autobranche. Der laut dem Jahresumsatz größte Autobauer der Welt sieht sich zu einem Sparkurs gezwungen, der Zehntausende Beschäftigte den Job kosten kann. Auch Werksschließungen sollen im Raum stehen. Schlimm genug
Dieser Einschnitt ist aber wohl noch nichts im Vergleich zu einem anderen Riesen der Branche. Der japanische Autobauer Nissan soll sogar um die Existenz bangen. Die Financial Times (FT) zitiert einen hochrangigen Beamten mit den Worten: „Wir haben 12 bis 14 Monate, um zu überleben.“ Dem Bericht zufolge suchen die Japaner händeringend einen Investor, da der langjährige Partner Renault seine Anteile am kriselnden Konzern verkaufen wolle.
Nissan in der Krise: Investor gesucht und Partnerschaft mit Erzrivale Honda im Gespräch
Unter Verweis auf zwei mit den Gesprächen vertraute Personen heißt es weiter, Nissan strebe den langfristigen Einstieg einer Bank oder einer Versicherungsgruppe an. Derweil würden die Bedingungen für die Partnerschaft mit Honda bei Elektrofahrzeugen geprüft – im März hatte man in diesem Bereich eine Kooperation verkündet. Auch der Verkauf von Anteilen an den japanischen Erzrivalen sei nicht ausgeschlossen.
Renault ebenfalls sei offen, einen Teil seiner Nissan-Anteile an Honda zu verkaufen, sagten demnach Personen aus dem Umfeld des französischen Autobauers. Eine stärkere Beziehung der beiden Japaner könne für Renault „nur positiv“ sein.
Bei den Gesprächen zwischen Nissan und Honda spiele auch der immense Druck aus China und die Unsicherheit durch die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus eine Rolle. „Das wird hart. Und am Ende brauchen wir Japan und die USA, um Geld zu generieren“, betonte der hochrangige Beamte, der Nissan nahestehen soll.
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Nissan vor dem Kollaps? Umbruch in der Branche macht auch dem japanischen Autobauer zu schaffen
Auf Nachfrage erhielt die FT vom kriselnden Autobauer lediglich diese Antwort: „Die Partnerschaft mit Honda ist strategisch sehr wichtig, und wir hoffen, die Umsetzung der Ergebnisse unserer Aktivitäten durch regelmäßige Fortschritte auf der Managementebene beider Unternehmen zu beschleunigen.“ Honda lehnte demnach jeglichen Kommentar ab.
Laut den mit der Situation vertrauten Quellen könnte auch Renault einer Zusammenarbeit mit Nissan, Honda und Mitsubishi offen gegenüberstehen, wenn es um die Entwicklung von E-Fahrzeugen geht, bei denen Chinas Industrie die Nase deutlich vorn hat. Die Franzosen betonten jedoch, darüber würden aktuell keine Diskussionen laufen. Mitsubishi erklärte lediglich: „Wir prüfen derzeit alle Möglichkeiten und sind bestrebt, in Bereichen zusammenzuarbeiten, in denen wir unsere Stärke nutzen können.“
Für die FT-Quellen könnte das Ergebnis der Gespräche einen Test dafür darstellen, wie Unternehmen den Umbruch in der Branche überstehen. Zumal sie sich auch gegen durch Fusionen entstandene neue Big Player wie Stellantis behaupten müssen. Es müsse sich zeigen, welches Modell erfolgversprechender ist, betonte demnach der ranghohe Beamte aus dem Nissan-Umfeld. Dieser ist sich sicher, dass das reine Streben nach Größe irgendwann zu Ineffizienz führen wird.
Nissan liefert erschreckende Zahlen: Betriebsergebnis bricht um mehr als 90 Prozent ein
Vor wenigen Wochen hatte Nissan die neuen Finanzergebnisse für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2024 vorgestellt. Im Zeitraum von April bis September 2024 ging der konsolidierte Nettoumsatz um 79,1 Milliarden Yen (etwa 499 Millionen Euro) auf 5,98 Billionen Yen (fast 38 Milliarden Euro) zurück. Das Betriebsergebnis von 32,9 Milliarden Yen (gut 207 Millionen Euro) bedeutet einen Rückgang von 303,8 Milliarden Yen (knapp zwei Milliarden Euro) – ein Einbruch von mehr als 90 Prozent.
Der Nettogewinn belief sich auf 19,2 Milliarden Yen (rund 121 Millionen Euro) – das sind 277 Milliarden Yen (gut 1,7 Milliarden Euro) weniger als im Vorjahreszeitraum. Ein Einbruch um 93,5 Prozent.
Zugleich wurde die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr nach unten korrigiert. Beim Nettoumsatz wird nur noch von 12,7 Billionen Yen (80 Milliarden Euro) statt von 14 Billionen Yen (88 Milliarden Euro) ausgegangen, das zu erwartende Betriebsergebnis wurde von 500 Milliarden Yen (3,1 Milliarden Euro) auf 150 Milliarden Yen (946 Millionen Euro) geändert – ein Rückgang um 70 Prozent.
Nissan will aus der Krise: Stellenabbau geplant und CEO verzichtet auf Hälfte seines Gehalts
Der Konzern hat sich vorgenommen, im Vergleich zum Geschäftsjahr 2024 die Fixkosten um 300 Milliarden Yen (fast 1,9 Milliarden Euro) und die variablen Kosten um 100 Milliarden Yen (ungefähr 631 Millionen Euro) zu senken. Dafür sollen weltweit 9000 Stellen gestrichen und die Produktionskapazitäten um ein Fünftel gesenkt werden.
Weiter heißt es, CEO Makoto Uchida verzichte ab November 2024 freiwillig auf die Hälfte seiner monatlichen Bezüge. Die anderen Vorstandsmitglieder werden demnach ebenfalls freiwillig eine entsprechende Gehaltskürzung hinnehmen. Bereits im Jahr 2020 und damit wenige Monate nach seinem Einstieg hatte der Nissan-Chef infolge deutlicher Verluste angekündigt, sein Gehalt um 50 Prozent zu kürzen. Damals sollten andere Topmanager auf 20 bis 30 Prozent verzichten. (mg)
Rubriklistenbild: © Richard A. Brooks / AFP



