VonSteffen Herrmannschließen
Eine Studie zeigt: Frauen sind in Vorständen und Aufsichtsräten noch immer unterrepräsentiert.
Allein unter Männern – das ist immer noch die Lage für viele Frauen in deutschen Chefetagen. Nur sehr langsam ändert sich etwas: Im vergangenen Jahr ist der Frauenanteil in den Vorständen der Privatwirtschaft leicht gestiegen, wie das „Managerinnen-Barometer 2024“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, das am Mittwoch veröffentlicht wurde. Viele Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren erstmals zumindest eine Frau ins Management berufen, schreiben die Autorinnen Virginia Sondergeld, Katharina Wrohlich und Anja Kirsch. Aber: Meist beließen sie es dabei. „Unter dem Strich sind Frauen aber weiter klar unterrepräsentiert“, stellt Sondergeld fest.
Anteil von Frauen: Aufsichtsräte etwas weiter
In den Vorständen der 200 umsatzstärksten Unternehmen saßen im Herbst 2023 rund 18 Prozent Frauen, ein Plus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Bei den 40 Dax-Unternehmen sah es etwas besser aus: Der Anteil der Vorständinnen dort lag bei 23 Prozent. In der Banken- und Versicherungsbranche scheint die Glasdecke dicker zu sein: Die Führungsteams bestanden zu knapp 17 beziehungsweise gut 18 Prozent aus Frauen.
In den Kontrollgremien sieht es besser aus: „Bei den Aufsichtsräten schließt sich die Schere langsam“, sagte Katharina Wrohlich. Aber auch in diesen Gremien weist keine der untersuchten Unternehmensgruppen einen Frauenanteil über 40 Prozent auf.
Seit 2006 deutlicher mehr Frauen in Führungsspitzen
Seit 2006 untersucht das DIW die Repräsentation von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten. Der Trend zeigt nach oben: So lag der Frauenanteil in den Dax-Vorständen im Jahr 2008 bei nur 0,5 Prozent; bei den Top-200-Unternehmen waren 2006 knapp 1,2 Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt. Aber noch immer arbeiten fast drei Viertel aller Beschäftigten in Deutschland in Betrieben ohne Frauen auf der obersten Führungsebene.
Steigt die Zahl von Frauen in Führungspositionen, könnte das die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen verringern, wie die Studie mit Verweis auf Daten des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) zeigt. Aber: Es brauche einen „kritischen Anteil“ von mehr als einem Drittel Frauen in den Chefetagen, um verändernde Prozesse anzustoßen, so Autorin Sondergeld.
