VonMarkus Hofstetterschließen
Schlechte Ernten, eine Pflanzenkrankheit und Wirbelstürme treiben die Preise für Orangensaft in die Höhe. Verbraucher müssen tiefer in die Tasche greifen.
München - Orangensaft ist der beliebteste Fruchtsaft der Deutschen. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag im vergangenen Jahr bei 7,1 Litern, wie der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF) mitteilte. Dahinter folgt Apfelsaft mit 5,4 Litern.
Doch die Beliebtheit von Orangensaft könnte einen Knacks erhalten. Schon vor Monaten zeichnete sich ab, dass die Preise für das Getränk steigen werden. Der VdF hatte bereits Ende Juli gewarnt, man befinde sich in der schwierigsten Situation seit mehr als 50 Jahren.
Preis für Orangensaft steigt: USA fällt aus Anbauland fast aus
Nun ist der Kassandraruf Wirklichkeit geworden. In den USA ist der Preis für Orangensaft auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Der Preis für ein Pfund (450 Gramm) tiefgefrorenes Orangensaftkonzentrat zur Lieferung im September stieg am Donnerstag (10. Juli) auf über drei Dollar, Ende Juli hatte er kurzzeitig sogar 3,20 Dollar erreicht. Auch in Deutschland ist der Preis für Orangensaft bereits um rund 50 Prozent gestiegen.
Die Ursachen sind vielfältig. Im Herbst 2022 fegten die beiden schweren Hurrikane „Ian“ und „Nicole“ über Florida hinweg, wo sich das Hauptanbaugebiet für Orangen in den USA befindet. Dies führte zu Ernteausfällen in dem Land, das nach Brasilien der zweitgrößte Orangensaftproduzent der Welt ist.
Verschärft wird das Problem durch die Zitruskrankheit Huanglongbing (HLB), auch bekannt als „Gelber Drache“, die sich seit etwa 15 Jahren in Florida ausbreitet. Sie sorgt dafür, dass die Früchte klein, grün, deformiert und bitter bleiben und die Bäume innerhalb weniger Jahre absterben.
Das US-Landwirtschaftsministerium rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang der Orangenproduktion um 25 Prozent auf 2,3 Millionen Tonnen. Das wäre die niedrigste Menge seit 56 Jahren.
Preis für Orangensaft steigt: Schlechte Ernte in den USA lenkt Exporte dorthin
Hinzu kommen laut VdF derzeit „historisch niedrige Lagerbestände in Brasilien“ aufgrund schwacher Ernten in den vergangenen Jahren. Dies habe die Verfügbarkeit von Orangensaftkonzentrat „massiv eingeschränkt“. Brasilien ist mit einem Marktanteil von 90 Prozent der wichtigste Lieferant von Orangensaftkonzentrat in die EU.
Wegen der schlechten Ernte in den USA werde nun Orangensaft aus Brasilien dorthin transportiert, so der VdF. Die Transportkosten von Brasilien in die USA seien niedriger und „die USA zahlen mehr“.
Das hat Folgen für Deutschland. Hierzulande ist der Preis für Orangensaft seit dem vergangenen Jahr bereits deutlich gestiegen. „Verbraucher zahlen im Handel zwei Euro pro Liter und mehr“, sagt VdF-Geschäftsführer Klaus Heitlinger. Er hält es für möglich, dass der Preis noch weiter steigt. Viele Verbraucher griffen dann auf andere Säfte zurück.
Orangensaft wird teurer: Auch Mexiko und Spanien melden unterdurchschnittliche Ernten
Die angespannte Situation bei Orangensaft könne auch nicht durch andere Anbauländer wie Mexiko und Spanien entschärft werden, erklärte der Verband. Auch hier seien die Ernteerträge witterungsbedingt unterdurchschnittlich. In Mexiko sei die Erntemenge im Vergleich zu Durchschnittsjahren um 35 Prozent zurückgegangen.
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