Finanzielle Schieflage

Deutsche Fluggesellschaft meldet Insolvenz an

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  • Stephanie Bach
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Die Rhein-Neckar Air GmbH ist in eine finanzielle Schieflage geraten und hat Insolvenz angemeldet. Trotzdem bleibt der Geschäftsführer optimistisch.

Mannheim - Die als letzte unabhängige Regionalfluggesellschaft in Deutschland bekannte Rhein-Neckar Air GmbH (RNA) hat beim Amtsgericht Mannheim Insolvenz angemeldet. Laut Dirk Eggert, Geschäftsführer der Flugplatz Mannheim GmbH, ist der Auslöser eine unbezahlte Rechnung eines Reiseveranstalters im „mittleren fünfstelligen Bereich“, teilte er gegenüber dem SWR mit. Trotz der finanziellen Probleme beabsichtigt die RNA, ihren Flugbetrieb aufrechtzuerhalten und plant, in der kommenden Reisesaison die beliebte Mittelmeerinsel Elba zweimal pro Woche anzufliegen.

Corona-Pandemie und größere Fluggesellschaften als Herausforderungen für die Rhein-Neckar Air

Die Gesellschaft wurde ursprünglich ins Leben gerufen, um Geschäftsreisen vom Mannheimer City Airport nach Berlin zu ermöglichen. Allerdings hat die Corona-Pandemie, genau wie der Wettbewerbsdruck durch größere Fluggesellschaften, das Unternehmen stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Pandemie resultierte in Flugverboten und einem Rückgang der Geschäftsreisen, was die finanziellen Schwierigkeiten der RNA weiter verschärfte. Zudem führte der Wechsel zum neuen Hauptstadtflughafen BER zu erhöhten Gebühren, die den Betrieb zusätzlich belasteten.

Passagiere steigen am City Airport Mannheim aus einer Maschine der Rhein-Neckar Air aus. Die Fluggesellschaft hat Insolvenz angemeldet.

Trotz der finanziellen Unruhen bleibt das Interesse an Flügen zur Mittelmeerinsel Elba bestehen. Erst im Mai dieses Jahres fügte die RNA diese Destination zu ihrem Angebot hinzu und die Reaktion war überwältigend. Die Fluggesellschaft plant, den Flugbetrieb fortzusetzen und sich auf das Chartergeschäft zu konzentrieren, obwohl die Konkurrenz durch größere Fluggesellschaften und die begrenzte Kapazität des Mannheimer City Airports Herausforderungen darstellen.

Geschäftsführer Eggert ist zuversichtlich, dass RNA ihre Flüge weiter anbieten kann

In dieser Woche sind Gespräche mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter geplant, um eine Lösung für die finanziellen Probleme zu finden. Dirk Eggert bleibt zuversichtlich, dass der Reiseveranstalter seine Rechnung begleichen wird und dass die RNA ihre Flüge weiterhin durchführen kann, ohne dass Passagiere von der aktuellen Situation betroffen sind.

Die LTU-Geschichte in Bildern: 2009 hob der letzte Flieger ab

Eine Lockheed L-1011 TriStar der deutschen Fluglinie LTU im Flug im Jahr 1973
Fluggesellschaft mit Geschichte: Eine von LTU betriebene Lockheed L-1011 TriStar am Himmel im Jahr 1973. Am 29. März jenes Jahres erhielt das deutsche Unternehmen seine erste Maschine dieses Typs. © Phto 12/Collection Bernard Crochet/imago
LTU Flugzeug vor rotem Himmel am Flughafen Düsseldorf im November 2001
Reiseromantik: Zeitweise ist LTU Deutschlands größter Charterflieger. Über Jahre hinweg expandiert das Unternehmen, kauft Reiseveranstalter auf und gründet Tochterunternehmen. © Roland Weihrauch/dpa
Heck einer LTU-Passagiermaschine auf dem Flughafen von Male, Malediven
Charakteristisches Merkmal aller LTU-Maschinen war das rot-weiße Heck mit dem Kürzel der Fluggesellschaft. Das Design veränderte sich in den zahlreichen Jahren des Bestehens manchmal leicht, grundsätzlich blieb es jedoch jahrzehntelang so erhalten. © Schöning/imago
Die Tragfläche eines fliegenden Airbus mit Winglet und Logo der Fluggesellschaft LTU über dem Atlantik
Oft fand sich das LTU-Logo auch noch auf den Tragflächen der Flugzeuge. © imagebroker/imago
Deutsche Urlauber steigen auf dem Flughafen der kanarischen Insel La Palma in eine Maschine der deutschen Fluggesellschaft LTU ein
Sinnbild eines Booms: Deutsche Urlauber stehen im März 1994 Schlange an einer LTU-Maschine auf dem Flughafen der kanarischen Insel La Palma. Dass LTU ab diesem Zeitpunkt einen Kerosin-Zuschlag erhob, tat dem Erfolg keinen Abbruch. © Schleep/dpa
Zwei Flugzeuge und ein Flugzeug der LTE in Parkposition auf dem Flughafen Frankfurt
Ein üblicher Anblick im Jahr 1999: Flugzeuge des Mutterkonzerns LTU und des Tochter-Unternehmens LTE stehen in Reih und Glied auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen. © Oliver Berg/dpa
Ein Pilot winkt mit seiner LTU-Mütze einem startenden LTU-Flugzeug zu
Ein Pilot der LTU winkt mit seiner Mütze einem startenden Flugzeug des Unternehmens am Düsseldorfer Flughafen am 12. November 2001 zu. Kurz zuvor hat die Übernahme von 49,9 Prozent der LTU-Anteile durch die Düsseldorfer Stadtsparkasse den drohenden Konkurs vorerst abgewendet. © Oliver Multhaup/dpa
LTU-Piloten zeigen Victory-Zeichen aus Cockpit eines Airbus am Flughafen Düsseldorf im November 2001
Ähnlich deutlich feiern diese zwei LTU-Piloten die (vorläufige) Rettung ihres Unternehmens im November 2001. Zu dem Zeitpunkt ist LTU der zweitgrößte Ferienflieger Deutschlands. © Oliver Multhaup/dpa
Ein Airbus A320-200 der Fluggesellschaft LTU im Design des VfL Borussia Mönchengladbach
Für viele Jahre gehörte LTU zu den Partnern des Fußballvereins VfL Borussia Mönchengladbach. Im Dezember 2002 präsentierte LTU der Öffentlichkeit einen Airbus A320-200 mit Vereinslackierung, der Fluggäste zu Reisezielen in ganz Europa bringen sollte. © Rolf Vennenbernd/dpa
Ein Airbus A320 der Fluggesellschaft LTU mit Lackierung im Design des Fußballvereins Hertha BSC am Flughafen Tempelhof in Berlin
2002 expandierte LTU im Fußballbereich und wurde offizieller Sponsor von Hertha BSC Berlin. Dem Verein wurde auch eine entsprechend lackierte Maschine zur Verfügung gestellt, welche die Mannschaft zu Spielen im Ausland flog. © Contrast/imago
Die Crew des LTU-Airbus steigt auf dem Düsseldorfer Flughafen aus der Maschine
Die Crew eines LTU-Airbus verlässt die Maschine im Juli 2003 nach der Landung am Düsseldorfer Flughafen. Trotz finanzieller Schieflage ist LTU damals immer noch der drittgrößte Ferienflieger Deutschlands und hat gerade die 24. Airbus-Maschine in seine Flotte aufgenommen. © Roland Weihrauch/dpa
Johannes B. Kerner moderiert beim LTU Roll Out in Düsseldorf im April 2007 vor einem fabrikneuen Airbus A330-200
Die Ankunft eines fabrikneuen Airbus A330-200 mit LTU-Bemalung wurde am 26. April 2007 mit einem großen Festakt begangen. Johannes B. Kerner moderierte, die Popband No Angels gab ein Konzert, zahlreiche Prominente erschienen als Gäste. Einen Monat zuvor war bereits die Übernahme von LTU durch Air Berlin verkündet worden. © Christopher Adolph/Eventpress/imago
Ein Airbus A330-200 der LTU landet anlässlich einer Reisemesse auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin und wird von Schaulustigen fotographiert
Als ein Airbus A330-200 der LTU im September 2007 anlässlich einer Reisemesse auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin landet, ist der Langstreckenflieger ein Publikumsmagnet. Viele Schaulustige fotographieren die Maschine. © Hohlfeld/imago
Eine LTU-Maschine hebt am Düsseldorfer Flughafen ab, im Vordergrund ein Air-Berlin-Flugzeug
Ein symbolisches Bild: Eine LTU-Maschine hebt im September 2007 vom Flughafen Düsseldorf ab, im Vordergrund steht ein Flugzeug von Air Berlin. Zu dem Zeitpunkt hatte Air Berlin als damals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft bereits LTU übernommen und stellte die Marke bald darauf ein. 2017 musste Air Berlin selbst den Betrieb einstellen. © Roland Weihrauch/dpa
Ein startender Airbus A330-200 der Fluggesellschaft Air Berlin
Neues Gewand: Dieser Airbus A330-200 gehörte ursprünglich der LTU. Nach der Übernahme wurde das Flugzeug jedoch umlackiert und hob von da an im Air-Berlin-Design ab, hier im Jahr 2014. © Alexander Ludger/imago

Trotz der aktuellen Herausforderungen glaubt der Geschäftsführer nicht, dass die RNA vom Markt verschwinden wird. Die Fluggesellschaft hat in der Vergangenheit bereits mehrere Herausforderungen bewältigt und plant, auch diese Krise zu meistern. Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um die finanzielle Lücke zu schließen und den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Daniel Kubirski

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