VonAmy Walkerschließen
Die Strompreise werden steigen - und das deutlich. Der Wegfall des Bundeszuschusses lässt die Kosten für Verbraucher in die Höhe schnellen.
Berlin – Die Entscheidung der Bundesregierung, im Zuge des Haushaltskompromisses den Bundeszuschuss von 5,5 Milliarden Euro zur Stabilisierung der Netzentgelte zu streichen, hat weitreichende Folgen. Ziel dieser Maßnahme war es, extreme Preissprünge beim Strom zu verhindern, da die Netzentgelte 2024 signifikant ansteigen werden. Sie machen üblicherweise mehr als ein Viertel des Strompreises aus – ein beträchtlicher Anteil.
Seit letzter Woche steht fest, dass die Abschaffung des Bundeszuschusses zu einem deutlichen Anstieg der Strompreise führen wird. Die Stadtwerke haben diese Woche bekannt gegeben, wie stark diese Erhöhung ausfallen wird: Laut dem Vergleichsportal Check24 müssen Verbraucher mit einem Plus von 32 Prozent rechnen.
200 Euro mehr für Strom: Sonderkündigungsrecht für Millionen Kunden
Check24 zufolge haben bereits etwa 50 Prozent der Stadtwerke ihre Netzentgelte für 2024 neu kalkuliert. Dies führt zu einer Preiserhöhung von 163 Euro pro Jahr für eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden. Durch die Abschaffung der Strompreisbremse entstehen zusätzliche Kosten für viele Verbraucher, sodass ein Haushalt dieser Größe ab 2024 fast 200 Euro mehr für Strom zahlen muss als in diesem Jahr.
Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie beim Vergleichsportal, warnt daher: „Die aktuellen politischen Entscheidungen wirken sich direkt auf den Geldbeutel von Energiekunden und -kundinnen aus. Wer die Preissteigerungen minimieren möchte, muss nun aktiv werden und den Anbieter wechseln. Nur so können Verbraucher und Verbraucherinnen die enormen Mehrkosten abfedern.“
Sollte der Stromanbieter eine Preiserhöhung ankündigen, haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Dies gilt auch, wenn die Preiserhöhung aufgrund von Steuern und Abgaben erfolgt. Der Stromanbieter ist verpflichtet, seine Kunden mindestens einen Monat vor der Preiserhöhung zu informieren und detailliert zu erläutern, warum und in welchem Umfang die Preise steigen. Wenn der Anbieter eine oder mehrere dieser gesetzlichen Pflichten nicht erfüllt, ist die Preisänderung unwirksam und der Kunde sollte Widerspruch einlegen.
Bei Verträgen mit Preisgarantie sind Preiserhöhungen in der Regel nicht zulässig. Es empfiehlt sich jedoch, den Vertrag genau zu prüfen, um herauszufinden, unter welchen Umständen eine Preiserhöhung doch erlaubt sein könnte. Sobald die Information über die Preiserhöhung vorliegt, sollten Kunden prüfen, ob es nicht einen günstigeren Stromtarif gibt. Vor allem die Tarife der Grundversorgung sind oft deutlich höher als die privater Energieanbieter. Laut dem Vergleichsportal Verivox zahlt ein Drei-Personen-Haushalt in der Grundversorgung im Durchschnitt 200 Euro zu viel für Strom.
Auch der CO₂-Preis steigt: Auswirkungen auf die Gaskosten
Im nächsten Jahr werden auch die Gas- und Ölpreise steigen, da die Regierung eine Erhöhung des CO₂-Preises beschlossen hat. Check24 hat berechnet, wie sich der steigende CO₂-Preis auf die Preise für Gas und Öl auswirken wird. Ein Musterhaushalt mit einem jährlichen Gasverbrauch von 20.000 kWh (entspricht einer vierköpfigen Familie) wird dadurch 60 Euro netto mehr im Jahr zahlen müssen als noch 2023. Da auch die Gaspreisbremse im kommenden Jahr wegfällt, steigen auch dadurch die Kosten. Laut Check24 wären das nochmal 90 Euro, die für den Musterhaushalt anfallen. Insgesamt zahlt der Haushalt 2024 also 150 Euro mehr, als noch in diesem Jahr.
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