Verluste drohen

Bittere Prognose für Russlands Wirtschaft: Putins massives Gas-Problem wird größer

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Sanktionen und Folgen des Ukraine-Kriegs gefährden Russlands Position auf dem Gasmarkt. Weitere Hindernisse werden Putins Energie-Einfluss einschränken.

Moskau – Russland wird sich auf dem internationalen Gasmarkt künftig weniger behaupten können. Der russische Anteil am Gashandel könnte bis 2035 auf zehn Prozent sinken. Vor Beginn des Kriegs lag er bei fast 25 Prozent. Das geht aus einer Analyse der International Energy Agency (IEA) hervor. Somit verliert Russland die Position auf dem Gasmarkt, die das Land vor dem Ukraine-Krieg hatte. Langfristig wird sich der Verlust beim Gashandel auch auf Wladimir Putins Kriegseinnahmen auswirken.

Probleme für Russlands Wirtschaft – Gasexporte gehen zurück

„Selbst wenn der Ukraine-Krieg endet, erwarten wir nicht, dass russisches Gas in großen Mengen nach Europa zurückkehren wird“, schreiben die Experten in dem Bericht. Besonders mit Blick auf die ausreichenden globalen Angebote sei es unwahrscheinlich, dass Russland als großer Player auf den Gasmarkt zurückkehrt.

Von durchschnittlich 120 Milliarden US-Dollar pro Jahr, die Russlands Wirtschaft durch den Gashandel erzielt hat, könnten die Einnahmen in den Jahren 2030 auf 28 Milliarden US-Dollar pro Jahr sinken. Grund ist, dass die Exportmengen russischen Gases zurückgehen werden. Russland wird laut den Analysten von IEA die wegbrechenden Pipelinegas-Exportmengen nach Europa nicht kompensieren können.

Nach Verhängung der Russland-Sanktionen hatte Putin deutlich eingeschränkteren Zugriff auf den europäischen Gasmarkt. Die EU will ab 2027 sogar ein komplettes Einfuhrverbot für russisches LNG einführen. Auch die Ukraine hat Russland einen Strich durch einen wichtigen Gas-Deal gemacht: Zum Januar 2025 hat die Ukraine den Transitvertrag auslaufen lassen. Über die Transgas-Pipeline hatte Russland Gas nach Europa geliefert.

Sanktionen und Folgen des Ukraine-Kriegs gefährden Russlands Position auf dem Gasmarkt. (Symbolbild)

Prognose für russische Gaslieferungen: Exporte nach Asien können Verluste nicht ausgleichen

Aufgrund der Sanktionen und erschwerten Bedingungen beim Gasverkauf hatte Putin die Lieferungen hauptsächlich auf Asien umgeleitet. China wurde zu einem wichtigen Gas-Abnehmer, das Projekt Power of Siberia 2 soll russisches Gas über die Mongolei nach China liefern. Doch selbst die Umlagerung nach Asien wird die wegfallenden Exportmengen nicht ausgleichen können. Laut Einschätzungen der IEA wird die gesamte Exportmenge trotz erhöhter Lieferungen nach Asien bis 2035 um sieben Milliarden Kubikmeter sinken. Die Lieferungen nach China könnten sich bei 50 Milliarden Kubikmetern pro Jahr stabilisieren.

Die Produktion russischen Gases wird sich schätzungsweise bis 2035 bei rund 680 Milliarden Kubikmetern pro Jahr bleiben. Bei der Produktion von verflüssigtem Erdgas könnte Russland um das Jahr 2040 einen Höhepunkt von knapp 55 Milliarden Kubikmetern erreichen.

Russlands Wirtschaft wird nicht mehr viel Gas liefern können – wegen wachsendem Angebot und fehlenden Tankern

Nicht nur die Sanktionen hemmen Putins internationale Gasgeschäfte. Russland könnte auch Transportprobleme bekommen. Russisches LNG auf Seewegen an die Käufer geliefert. Allerdings sind dafür Spezialtanker nötig, die dickes Meereseis durchbrechen könnten, da Russlands primäre LNG-Anlagen sich in der Arktis befinden.

Russland hat laut einem Bericht von Reuters im Jahr 2024 damit begonnen, atomgetriebene U-Boote für den Export von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus der Arktis nach Asien zu bauen, um die LNG-Transportzeit über die Nördliche Seeroute (NSR, englisch: Northern Sea Route) nahezu zu halbieren, so ein hoher Staatsbeamter. Auch IEA-Experten gehen davon aus, dass Putin neue Technologien und Tanker entwickeln lässt. Doch der Bau werde viel Zeit in Anspruch nehmen und zusätzliche Handelshindernisse würden Russlands Wirtschaft vor weiteren Herausforderungen stellen.

Auch die steigenden Exportkapazitäten aus den USA und Katar setzen Russland unter Druck. Die USA und Katar beliefern die EU mit Flüssiggas. Laut dem Handelsblatt stammten 45 Prozent der LNG-Importe der EU aus den USA und 12 Prozent aus Katar. Jüngst kamen aber aus beiden Ländern Drohungen, sollte die EU ihre Nachhaltigkeitsrichtlinie nicht ändert. (Quellen: IEA, Handelsblatt, Moscow Times (bohy))

Rubriklistenbild: © Alexander Zemlianichenko/dpa

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