VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Lisa Mayerhoferschließen
Trotz westlicher Sanktionen gelangen massenhaft Waffensysteme nach Russland. Ein russischer Oligarch und dubiose Mittelsmänner spielen dabei offenbar eine Schlüsselrolle.
Moskau – Die westlichen Industrienationen könnten ihre Sanktionen gegen Russland effektiver gestalten, so die Meinung von Experten des Royal United Services Institute, einer renommierten Denkfabrik für nationale und internationale Sicherheit. Berichte über die geschickte Umgehung westlicher Sanktionen durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin sind nicht neu. So konnte Russland trotz Sanktionen weiterhin Einnahmen aus dem Ölverkauf generieren und russische Diamanten fanden ebenso über Indien ihren Weg in den Westen. Diesmal steht jedoch die Waffentechnik im Fokus.
Waffenlieferant für Russland und Putin: Russischer Oligarch als Schlüsselfigur
Der russische Oligarch Wladimir Petrowitsch Jewtuschenkow, Gründer des russischen Konzerns Sistema, wird als Schlüsselfigur in der Versorgung des russischen Militärs mit Kriegswaffen durch eine „Reihe von Firmen“ genannt. Sistema ist in zahlreichen Branchen tätig und hält Beteiligungen an Unternehmen in den Bereichen Telekommunikation, Logistik, Energie, Landwirtschaft, Pharma, Einzelhandel und Hochtechnologie.
Trotz der seit 2022 bestehenden Sanktionen der USA und ihrer Verbündeten gegen Jewtuschenkow und AFK Sistema, aufgrund ihrer engen Verbindungen zum russischen Verteidigungsministerium, konnte der Waffenhandel fortgesetzt werden. „Die heutigen Sanktionen konzentrieren sich auf Einzelpersonen und Organisationen, die den skrupellosen Krieg Russlands gegen die Ukraine unterstützen, indem sie Russland dringend benötigte Technologie und Ausrüstung aus Drittländern liefern“, erklärte das US-Finanzministerium im November 2023, als es die Sistema Gruppe mit neuen Sanktionen belegte. Doch diese Maßnahmen konnten den Oligarchen nicht stoppen.
Studie: „Es ist unmöglich, ein Land durch Sanktionen zu entwaffnen“
Trotz 14 Sanktionspaketen, mit denen die USA und ihre Partner versuchten, Russlands wirtschaftliche Möglichkeiten einzuschränken, gelang es Jewtuschenkow wohl, Schlüsselkomponenten für Waffensysteme wie „Radar, Langstreckenraketensystemen und unbemannten Flugobjekten“ über Strohmann-Unternehmen zu erwerben. Er nutzte Geschäftsbeziehungen in Deutschland, Dänemark, der Schweiz und Irland, um „signifikanten“ Handel innerhalb Europas zu betreiben und die Arbeit für das russische Verteidigungsministerium fortzusetzen.
„Es ist unmöglich, ein Land durch Sanktionen zu entwaffnen“, so ein Autor der Studie, zitiert von Newsweek. Der Westen sollte stattdessen darauf abzielen, die Produktion von Waffensystemen zu verlangsamen und die Kosten für die Beschaffung von Komponenten stetig zu erhöhen.
Neben der Versorgung mit hochtechnologischen Waffensystemen nutzt Russland auch Schlupflöcher, um an kleinere Feuerwaffen aus dem Westen zu gelangen. Trotz Sanktionen seit Oktober 2022 gelang es Putin immer wieder, europäische Qualitätsprodukte zu erwerben. So berichtete The Insider kürzlich, dass mehr als 3.600 Pistolen des österreichischen Herstellers Glock über verschiedene Firmen nach Russland transportiert wurden. Auch Gewehre von Steyr Arms (Österreich) und Beretta-Pistolen (Italien) sollen trotz Sanktionen in Russland aufgetaucht sein.
Kooperationsbereite Nachbarländer ebenfalls für Waffenschmuggel verantwortlich
Laut einem Bericht von Correctiv sind nicht unbedingt russische Oligarchen für den Waffenschmuggel verantwortlich, sondern kooperationsbereite Nachbarländer wie Kasachstan. Nachdem der Westen seine Ausfuhr nach Russland eingeschränkt hatte, verzeichnete Kasachstan einen starken Anstieg des Waffenexports. Die Schlussfolgerung: Kasachstan kauft Waffen in Europa und verkauft sie dann an Russland.
Trotz aller Umgehungsversuche musste Russland seine Prioritäten in der Waffenproduktion neu ausrichten. „Russland stellt nicht mehr moderne Kampfausrüstung her“, so der russische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kulbaka, zitiert von der Washington Post. Stattdessen produziert Russland nun „einfachere Arbeitsgeräte“ wie Gewehre und Granaten – „Massenwaffen für Massensoldaten“.
Diese Entwicklung und die Leistung russischer Waffen auf den Schlachtfeldern in der Ukraine haben dazu geführt, dass immer weniger Länder russische Waffen kaufen wollen. Russlands Rolle auf dem Weltmarkt wankt. Große Kunden wie China und Indien haben sich laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bereits umorientiert. Experten sehen in den westlichen Sanktionen bereits Anzeichen für den wirtschaftlichen Niedergang Russlands.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Sergei Guneyev


