VonJana Stäbenerschließen
Eine Frau schlägt vor, dass Unternehmen weniger ausgebildeten Bewerbern die Weiterbildung bezahlen. Ein Anbieter verrät, warum das „absolut sinnvoll“ wäre.
„Vorsicht, ganz verrückte Idee“, schreibt die Recruiterin Alena S. Anfang März 2025 auf Linkedin. Sie schlägt vor, dass Unternehmen Bewerber und Bewerberinnen, denen Kenntnisse fehlen würden, einfach die Weiterbildung zahlen könnten. „Warum immer auf den perfekten Fit warten, wenn man sich den perfekten Fit entwickeln kann?“ Wenn Unternehmen Menschen, aufgrund fehlender Kenntnisse ablehnen würden oder auch Bewerberinnen, die schwanger werden könnten, dürften sie nicht von Fachkräftemangel sprechen.
„Diese Idee ist alles andere als verrückt – sie ist absolut sinnvoll und bereits heute umsetzbar“, sagt Joachim Giese BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Er ist Vorstand der WBS Gruppe (größter Anbieter für Weiterbildungen in Deutschland) und schon lange der Meinung, dass Unternehmen gezielt in die Fähigkeiten von Bewerbern und Bewerberinnen investieren sollten – wovon er als Anbieter von Weiterbildungen natürlich profitieren würde.
Weiterbildung im Job: Was Deutschland hier falsch macht
Deutsche Unternehmen würden bei Weiterbildung „nur auf akute Engpässe“ reagieren, statt „strategisch zu planen“, kritisiert Giese. „Wir schauen in Deutschland sehr auf Zertifikate. Andere Länder setzen stärker auf langfristige Kompetenzentwicklung, nutzen Förderprogramme konsequenter und profitieren so von zukunftsfähigen Belegschaften“, sagt er BuzzFeed News Deutschland.
Dank des Qualifizierungschancengesetzes (QCG) würden bis zu 100 Prozent der Qualifizierungskosten und 75 Prozent der Lohnkosten für Weiterbildungen übernommen werden. Die Ausrede von zu hohen Kosten oder einer schwächelnden Wirtschaft, lässt Giese dementsprechend nicht gelten. „Wer nicht qualifiziert, riskiert einen Wettbewerbsnachteil – selbst wenn es weniger Förderung gibt, sollten Unternehmen bedenken, dass es am Ende teurer ist, auf Fachkräfte zu warten, die vielleicht nie kommen, als Talente aktiv zu fördern.“
Weiterbildung als gesetzlich verpflichtender Bestandteil der Kurzarbeit
Vor allem bei der Kurzarbeit in der Corona-Pandemie hätten deutsche Unternehmen eine große Chance zur Weiterbildung verpasst. „Ein Fehler, den wir uns in Zeiten von Digitalisierung, KI und Fachkräftemangel nicht noch einmal leisten dürfen!“ Deshalb fordert Giese, dass Weiterbildung gesetzlich verpflichtender Bestandteil der Kurzarbeit werden soll.
BuzzFeed News Deutschland fragt beim Verband der Familienunternehmer, bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nach, was diese von der Idee halten. Was sagen sie dazu, dass sie massive Chancen zur Weiterbildung während der Pandemie verpasst hätten? Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hat keiner der Verbände auf unsere Anfrage reagiert.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Daniel Ingold


