- VonNicola de Paolischließen
Die Finanzämter stellten 2024 Steuerbescheide über mehr als 13 Milliarden Euro aus. Dies übertrifft alle bisherigen Werte.
Wiesbaden – Noch nie zuvor haben die Deutschen so viel Erbschaft- und Schenkungssteuer gezahlt wie im vergangenen Jahr 2024. Die Summe beläuft sich auf über 13 Milliarden Euro, ein zweistelliges Plus von 12,3 Prozent zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Besonders markant ist der Anstieg der Schenkungssteuer mit einem Plus von fast 18 Prozent auf nunmehr 4,8 Milliarden Euro. Die Erbschaftssteuer machte hingegen 8,5 Milliarden Euro aus, ein Plus von 9,4 Prozent. Sie hatten im Jahr 2021 ihren bisherigen Spitzenwert von 9 Milliarden erreicht.
Politische Debatte um eine höhere Erbschaftssteuer ist wieder aufgeflammt
Angesichts leerer Kassen war die Debatte um eine höhere Erbschaftsteuer zuletzt erneut aufgeflammt. Führende SPD-Politiker haben sich für eine Reform ausgesprochen. Doch auch innerhalb der Union gibt es offenbar Diskussionsbedarf. „Wir müssen schon aus Gerechtigkeitsgründen dringend die großen Schlupflöcher bei der Erbschaftsteuer schließen“, sagte der Vorsitzende der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Dennis Radtke, nach dpa-Angaben der Süddeutschen Zeitung. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich für eine Regionalisierung der Erbschaftssteuer ausgesprochen und würde in dem Fall die Erbschaftssteuer in Bayern senken. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wies diesen Vorstoß laut dpa allerdings zurück.
Die Vermutung liegt nahe, dass angesichts des politischen Tauziehens um die Erbschaftsteuer viele Menschen die Schenkung als eine Option wählen, um ihr Vermögen zu Lebzeiten an die nachfolgende Generation zu übertragen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Schenkungssteuer seit 2019 ständig angestiegen und hat sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt.
Erbschaftssteuer: Kinder und Ehepartner haben sechsstellige Freibeträge
Auch die Industriestaaten-Organisation OECD hat laut Reuters wiederholt höhere Erbschaftssteuern gefordert und dabei auf hohe Freibeträge und viele Ausnahmen und Lücken verwiesen. ln Deutschland liegen die Freibeträge für Kinder aktuell bei 400.000 Euro, bei Ehepartnern betragen sie 500.000 Euro.
Wegen dieser Ausnahmen und Freibeträge sagen die statistischen Angaben auch nur bedingt etwas über den tatsächlichen Wert des vererbten Vermögens aus. Das Statistik-Amt aus Wiesbaden nennt die Zahl von 113,2 Milliarden Euro als Vermögen, das 2024 als Erbschaft oder Schenkung übertragen wurde. „Tatsächlich werden in Deutschland jedes Jahr nach letzten Schätzungen rund 400 Milliarden Euro vererbt“, sagte Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Nachrichtenagentur Reuters. „Durch die Inflation der vergangenen Jahre dürfte dieser Wert allerdings sogar noch höher liegen.“
Erbschaftssteuer: Deutlich geringer Vermögensübertragungen bei Betriebsvermögen
Mit den genannten 113,2 Milliarden Euro liegt der Gesamtwert des übertragenen Vermögens nach Angaben der Statistiker um 6,8 Prozent geringer als im Vorjahr. Ein Grund ist ein deutlicher Rückgang bei der Weitergabe von Betriebsvermögen von minus 27,9 Prozent. Der Wert lag nun bei 21,5 Milliarden Euro. Ein ähnliches Bild ergibt bei den Anteilen an Kapitalgesellschaften mit einem Minus von 28,7 Prozent. Hingegen erhöht sich im Vergleich zum Vorjahr das übertragene Vermögen durch unbebaute und bebaute Grundstücke auf 46,4 Milliarden Euro. Das war ein Plus von 1,7 Prozent (Mit Agenturen)
Rubriklistenbild: © Christin Klose/dpa-tmn