Zusammenbruch von Benko-Imperium

René Benko muss in U-Haft – Ermittler fürchteten weitere Straftaten: Was ihm alles vorgeworfen wird

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René Benko wurde in Österreich festgenommen und kommt vorläufig nicht auf freien Fuß. Die Vorwürfe gegen den Mogul wiegen schwer: Gegen ihn laufen Ermittlungen wegen Betrug, Korruption und krimineller Machenschaften in mehreren Ländern.

Wien – René Benko, ein Name, der inzwischen mit zahlreichen Skandalmeldungen verknüpft ist. Am Donnerstag (23. Januar) wurde der Immobilienmogul festgenommen. Am Freitag entschied nun ein Richter: Benko muss in U-Haft und kommt somit nicht auf freien Fuß.

Nach einer Karriere, die Benko ein Milliardenvermögen einbrachte, übernahm der Investor die damals angeschlagene Warenhauskette Karstadt. Mit diesem symbolträchtigen Kauf für nur einen Euro erlangte er auch in Deutschland große Bekanntheit. Doch heute, nach mehreren Insolvenzen der Kette, wissen wir: Aus der geplanten Sanierung von Karstadt wurde ein finanzielles Trümmerfeld.

Das Jahr 2024 war für Benko geprägt von Gerichtsterminen. Nach dem Zusammenbruch der Signa Holding Ende 2023 mehrten sich die Ermittlungsverfahren in rasantem Tempo – und das in mehreren europäischen Ländern. Die Vorwürfe wiegen schwer: Verdacht auf Untreue, Investmentbetrug, Insolvenzverschleppung und sogar die Führung einer kriminellen Vereinigung. Die Anschuldigungen erstrecken sich über vier Länder. In Benkos Heimat Österreich gipfelte das Ganze nun in seiner Festnahme.

Benko-Festnahme in Österreich: Wurde sein Telefon abgehört?

Die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts auf Betrug und Korruption. Konkret wird ihm vorgeworfen, während der Insolvenzverfahren seiner Signa-Gruppe falsche Angaben gemacht und versucht zu haben, Vermögenswerte vor Gläubigern zu verbergen. Zudem soll er Beweismittel gefälscht haben, um seinen tatsächlichen Reichtum zu verschleiern. Die falschen Rechnungen dazu wurden im Rahmen der Ermittlungen sichergestellt.

Darüber hinaus werfen die Ermittler ihm vor, ein komplexes Geldwäsche-System betrieben zu haben. Das soll im Rahmen einer Kapitalerhöhung geschehen sein, bei der Gelder unrechtmäßig verschoben wurden, möglicherweise um rechtliche und finanzielle Verpflichtungen zu umgehen. Die Anklagepunkte umfassen betrügerisches Verhalten im Zusammenhang mit einer Insolvenz, Untreue und Beweismittelfälschung.

René Benko wurde in seiner Villa in Österreich festgenommen.

Zur Festnahme kam es aufgrund von Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr, da die Behörden befürchteten, Benko könnte Beweismittel manipulieren oder weitere Straftaten begehen. Auf Benkos Machenschaften seien sie unter anderem durch abgehörte Telefonate, ausgewertete Nachrichten und Zeugenaussagen aufmerksam geworden. Bereits im Sommer des vergangenen Jahres fanden zudem mehrere Durchsuchungen statt.

Insolvenzverschleppung in Deutschland

In Deutschland konzentrieren sich die Ermittlungen auf den Verdacht der Insolvenzverschleppung. Die Berliner Staatsanwaltschaft durchsuchte Büros der Signa-Gruppe im „Upper West“-Hochhaus in Charlottenburg, um Unterlagen und Daten sicherzustellen. Es besteht der Verdacht, dass die Zahlungsunfähigkeit der Signa Holding zu spät gemeldet wurde, wodurch Gläubiger geschädigt wurden.

Die Staatsanwaltschaft München 1 bestätigte gegenüber der Tagesschau, dass sie wegen Betrugs und Untreue ermittelt. Es heißt, dass sich die Ermittlungen als äußerst komplex gestalten, weshalb noch nicht abzusehen ist, wann der Fall abgeschlossen sein wird.

Haftbefehl in Italien: Ist er Anführer einer kriminellen Vereinigung?

Zusätzlich zu den Ermittlungen in Österreich hat auch die italienische Justiz einen Haftbefehl gegen Benko erlassen. Die Staatsanwaltschaft in Trient wirft ihm und weiteren Beschuldigten vor, in Immobilienspekulationen in Trentino und Südtirol verwickelt zu sein, wie die Financial Times berichtet. Die Vorwürfe umfassen die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Manipulation von Ausschreibungen, Korruption und Betrug. Diese Vereinigung sei mit dem Ziel gegründet worden, Konzessionen und Genehmigungen zu erlangen, um so unrechtmäßig von diesen Vorteilen zu profitieren und ungerechtfertigte Gewinne zu erzielen, wie die Tagesschau berichtet.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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