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Klaus Vick
Wolfgang DePonte
Andreas Höß
Das Spiel ist aus: René Benko musste für seine Signa Holding in Wien Insolvenz anmelden. Doch damit gehen die Probleme für ihn und sein Unternehmensgeflecht erst los.
München – Lange wurde René Benko als Immobilien- und Kaufhaus-Tycoon gefeiert, nun stürzt der 46-jährige Tiroler in den wirtschaftlichen Abgrund. Die Signa-Holding, die Dachgesellschaft seines hunderte Firmen umfassenden Imperiums, meldet Insolvenz an. Ein Antrag auf ein Sanierungsverfahren werde beim Handelsgericht Wien gestellt, teilte Signa am Mittwoch (29. November) mit.
Galeria, Sportscheck & Co: Unternehmensgeflecht droht unterzugehen
Damit droht das gesamte Firmengeflecht zusammenzubrechen – und Unternehmen wie die Warenhauskette Galeria mitzureißen. Die Insolvenz offenbart, dass Benkos Kampf um neue Finanzspritzen von Investoren erfolglos blieb. Zuletzt hatte Signa nur noch mit dem US-Hedgefonds Elliott Investment Management des Investors Paul Singer verhandelt. Doch Elliott hat offenbar abgewunken. Zum einen blieb wohl kaum mehr Zeit für eine Prüfung der Unternehmensdaten, zum anderen dürfte auch diesem Investor wie zuvor schon vielen anderen Benkos Firmengeflecht zu intransparent gewesen sein, um Geld einzuschießen.
Elliott, so sagte ein Insider dem Spiegel, sei Benkos „letzte Chance“ gewesen. Bis Ende Dezember hätte allein die Signa-Holding rund 500 Millionen Euro benötigt, heißt es. Schon bereits diese Woche brauchte es dringend Geld, damit sich das Unternehmen überhaupt bis dahin hätte retten können.
Arbeitsplätze in Gefahr
Die Pleite der Signa Holding ist für Münchens OB Dieter Reiter gleich in doppelter Hinsicht bitter: Zum einen, weil die Arbeitsplätze der Angestellten bei den Unternehmen der Signa-Gruppe im Feuer stehen. Zum anderen droht dem Stadtbild Gefahr, weil prägende Gebäude nun erst einmal leer stünden. Um diese Häuser geht es: Kaut Bullinger, Galeria Kaufhof Marienplatz, Alte Akademie, Oberpollinger, Galeria Kaufhof Stachus, Galeria Kaufhof Karstadt Hertie.
Bei der Signa-Tochter Galeria gab es nach der Insolvenz-Ankündigung gestern umgehend eine Krisensitzung. Man sei „erst einmal nicht direkt betroffen“, hieß es danach aus Unternehmenskreisen, und konzentriere sich voll auf das Weihnachtsgeschäft. „Wir werden morgen ganz normal unsere Türen aufsperren, wir bezahlen weiter unsere Rechnungen und wir stellen auch weiter Mitarbeiter ein.“ Man gehe wie geplant mit den 92 Galeria-Filialen, die nach der zweiten Schließungswelle Ende Januar deutschlandweit verblieben sein werden, ins kommende Jahr. „Die Mietverträge laufen langfristig“, so ein Insider – ganz egal, ob die Signa-Gruppe der Vermieter sei oder ein möglicher Nachfolger. In München haben aktuell noch vier Galeria-Filialen geöffnet.
Folgen für Benko möglich: Geldgeber denken über Strafanzeige nach
Völlig offen ist noch, wie es mit den Signa-Immobilien in der Stadt München weitergeht. OB Dieter Reiter fürchtet um das Stadtbild, denn es ist zu befürchten, dass einige der Gebäude, die auch die Altstadt prägen, nun längere Zeit leer stehen werden. Ob der Kauf von der Münchner Traditionsmarke Sportscheck durch die britische Frasers Group durch die Signa-Insolvenz doch noch platzen könnte, ist bisher ebenfalls noch unklar. Weder Sportscheck noch die Frasers Group antworteten gestern auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung.
Die Pleite könnte für Benko auch persönliche Folgen haben. Investoren sind wütend auf den Unternehmensgründer. Erste Geldgeber überlegen, ob sie Strafanzeigen gegen Benko stellen. Es sei „nicht verständlich, was passiert ist“, sagte ein Geldgeber dem Spiegel. Im Sommer habe sich bereits offenbart, wie heikel die Situation war: Nach internen Zahlen schrieb die Signa-Holding bereits 2022 rund eine halbe Milliarde Euro Verlust.
Rubriklistenbild: © Georg Hochmuth/APA/dpa



