Arbeiten im Ruhestand – was für Rentner wichtig ist
VonBalthasar Zehetmair
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Stefan Krieger
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Wie läuft das mit dem Zuverdienst zur Rente? Wie viel dürfen Pensionäre hinzuverdienen und was hat es mit der Flexirente aufsich? Hier erfahren Sie mehr.
Jeder Rentner kann weiterarbeiten und viele müssen es, wenn das Geld im Ruhestand knapp bemessen ist. Immer mehr Unternehmen bemühen sich darum, ältere Arbeitnehmer und selbst Rentner im Betrieb zu halten. Die Devise: Erfahrung zählt – und das möglichst lange. Dabei profitieren auch die Beschäftigten: Wer clever plant, kann Gehalt und Rente gleichzeitig beziehen und dabei sogar noch die eigene Rente aufstocken.
Früher war Frühverrentung oft ein Weg, um ältere Mitarbeiter kostengünstig loszuwerden. Heute hingegen schätzen viele Betriebe das Know-how ihrer erfahrenen Kräfte. Wer früher als gesetzlich vorgesehen in Rente gehen will, braucht mindestens 35 Beitragsjahre – muss aber Abschläge hinnehmen: 0,3 Prozent pro Monat vorgezogener Rente und das ein Leben lang. Wer dagegen 45 Versicherungsjahre hat, kann je nach Geburtsjahr ohne Abzüge früher in Rente gehen. Für den Jahrgang 1959 liegt die Grenze bei 64 Jahren und 2 Monaten. Jüngere Jahrgänge müssen schrittweise länger arbeiten, ab Jahrgang 1964 bis 65 Jahre.
Zuverdienst zur Rente: Vorteile des Einkommensboosters und was zu wissen ist
Flexirentner, also Pensionäre, die neben der Rente noch arbeiten, dürfen seit 2023 unbegrenzt hinzuverdienen – eine wichtige Änderung. Vorher lag die Grenze bei 6.300 Euro pro Jahr und rund 525 Euro pro Monat. Durch gesetzliche Änderungen während der Corona-Pandemie wurde diese Grenze zunächst stark angehoben, auf 46.060 Euro pro Jahr in 2022, was schon über dem durchschnittlichen Verdienst lag. Mittlerweile ist die Hinzuverdienstgrenze für arbeitende Rentner vollständig abgeschafft.
Das bringt einen großen Vorteil mit sich: Wer schon vor der Regelaltersgrenze in Rente geht und weiterarbeitet, kann den vollen Lohn UND die volle Rente kassieren. Bei entsprechender Versicherungslaufbahn kann dies ein echter Einkommensbooster sein. So könnte ein durchschnittlich verdienender Arbeitnehmer mit 45 Beitragsjahren durch die Kombination von Arbeit und Rente rund 1.500 Euro brutto im Monat zusätzlich erhalten, was einer Steigerung um etwa 45 Prozent entspricht. Mit dem Teilrenten-Trick, können Rentner zusätzlich Geld zur Rente erhalten.
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Wichtig zu wissen ist, dass auf das zusätzliche Einkommen Steuern und Sozialabgaben anfallen. Allerdings führen die Abgaben an die Sozialkasse gleichzeitig zu einer späteren Rentenerhöhung, wenn das Regelalter erreicht ist. Es lohnt sich, mit professioneller Beratung die Frage zu klären, wie sich Abschläge vermeiden oder verringern lassen.
Wer über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus arbeitet, kann ebenfalls von flexiblen Lösungen profitieren. Die Hinzuverdienstgrenzen gelten nicht mehr – Rentner können also unbeschränkt arbeiten und verdienen. Als Pensionär stehen Ihnen hier drei attraktive Möglichkeiten offen:
Weiterarbeiten ohne Rentenbeiträge Die klassische Lösung: Der Rentner bezieht seine Altersrente und verdient dazu. Es werden keine Renten- oder Arbeitslosenbeiträge mehr gezahlt – das bringt ein höheres Netto.
Rentenbeiträge zahlen – für später mehr Rente Freiwillig kann man Rentenbeiträge weiterzahlen. Dafür lohnt es sich, mit dem Arbeitgeber zu sprechen und das entsprechend zu vereinbaren. Zwar sinkt dadurch kurzfristig das Nettogehalt, langfristig steigt die Rente – bei einem Durchschnittsverdienst wären das 1 Rentenpunkt, also nach aktuellem Stand 39,32 Euro pro Jahr.
Rentenbezug aufschieben Wer auf die Rente zunächst verzichtet, erhält bei späterem Renteneintritt – ein Jahr nach dem Erreichen des Regelalters – einen Zuschlag von 0,5 Prozent pro Monat (6 Prozent pro Jahr). Um diese Verzögerung auszugleichen, müsste man etwa 16 Jahre Rente beziehen – ein Modell mit Risiko und Pensionären, die auf ein langes Leben pokern.
Vorteile bei der Rente mit dem 99%-Trick
Wer neben seiner Berufstätigkeit Rente bezieht, sollte abwägen, ob eine Teilrente nicht die vorteilhaftere Option ist. Bereits ein minimaler Verzicht auf die Vollrente (z. B. nur 99,99 Prozent statt 100 Prozent) bringt Vorteile, da dies offiziell als Teilrente gilt. Der Unterschied mag auf den ersten Blick marginal erscheinen – doch die rechtlichen Vorteile sind enorm.
Denn in diesem Fall der Teilrente bleibt der Anspruch auf das Krankengeld bei längerer Krankheit bestehen und die Versicherung zahlt weiterhin. Außerdem bestehen beste Aussichten, wenn der Arbeitgeber in die Kurzarbeit schickt. Im Gegensatz zur Vollrente ist es möglich, hier weiter Geld zu bekommen. Zum Schluss ist zur Teilrente noch wichtig zu wissen, dass arbeitende Rentner dabei in Tarifverträgen besser abgesichert sind und bei Bezug der Vollrente nicht automatisch ausscheiden.
Pflege von Angehörigen: Mit Teilrente Rentenpunkte sichern
Pflegende Angehörige, die bereits Rente beziehen, können unter Umständen zusätzliche Rentenansprüche erwerben – aber nur bei einer Teilrente. Ein Jahr Pflege kann die monatliche Rente um bis zu 30,90 Euro erhöhen. Diese Gutschrift erhalten pflegende Personen nur dann, wenn sie entweder die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben oder ihre Rente als Teilrente beziehen. Bei Erreichen der Regelaltersgrenze lohnt sich eine Umstellung von Voll- auf Teilrente, um weiterhin von der Pflegeversicherung Rentenpunkte gutgeschrieben zu bekommen.
Weitere Informationen telefonisch und im Netz
Wer mehr über die Möglichkeit wissen will, länger zu arbeiten, lässt sich am besten von der Deutschen Rentenversicherung beraten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unter der Telefonnummer 0800 1 0004800 erreichbar. Einen Ratgeber zum Weiterarbeiten nach Rentenbeginn bietet auch die Bundesregierung im Internet an.