„Wirklich die Falschen“?

Einschränkungen für Rente mit 63: „Abschlagsfreie Rente“ nur für eine Gruppe

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Die Rente mit 63 ist Ökonomen ein Dorn im Auge. Nun fordert ein Wirtschaftsweiser Einschränkungen bei der Frührente, die einem Verband sauer aufstoßen.

Bochum – Die Rente steht weiterhin im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte. Nach Robert Habecks neuem Renten-Plan, einigen Rentner mehr Geld auszuzahlen und Hubertus Heils Ankündigung eines neuen Rentenpakets hat sich nun der Wirtschaftsweise Martin Werding zur Rente mit 63 abseits von Habecks Ideen zur Rente, zum Bürgergeld und zur Migration geäußert. Dieser pocht angesichts der erneut gestiegenen Antragszahl auf Einschränkungen für die Frühverrentungsoption für langjährig Beschäftigte.

Einschränkungen bei der Rente mit 63: „Abschlagsfreie Rente“ nur noch für Geringverdiener

„Zum Beispiel könnte eine abschlagsfreie Frührente dann nur noch Versicherten offenstehen, die pro Beitragsjahr weniger als 60 Prozent des Durchschnittsentgelts aller Versicherten verdient haben“, forderte Werding nur noch eine Rente mit 63 für Gerignverdiener in den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Mittwoch.

Wirtschaftsweiser Prof. Martin Werding will Einschränkungen bei der „Rente mit 63“.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass sie besonders belastende Tätigkeiten ausgeübt haben und vor Erreichen der Regelaltersgrenze gesundheitlich am Limit sind, steigt dann deutlich an“, begründete der Wirtschaftsprofessor an der Ruhr-Universität Bochum seinen Vorschlag zur Rente mit 63 nur für Geringverdiener. Seiner Ansicht nach seien derzeit Bezieherinnen und Bezieher abschlagsfreier Frührenten überdurchschnittlich gesund und würden oft noch dringend als Fachkräfte gebraucht.

Früher in Rente: So viele Deutsche wie nie haben die „Rente mit 63“ beantragt

2023 hatten dem Bericht zufolge rund 300.000 Menschen und damit so viele wie noch nie bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) den vorzeitigen Abschied aus dem Arbeitsleben im Rahmen der „Rente mit 63“ beantragt. Mittlerweile seien gut 30 Prozent aller Rentenzugänge dieser Gruppe zuzuordnen, erklärte demnach dazu die DRV.

Bei der „Rente mit 63„ können besonders langjährig Versicherte nach 45 Versicherungsjahren abschlagsfrei in den Ruhestand gehen. Allerdings bezieht sich die Jahreszahl 63 auf die Einführung dieser Möglichkeit. Wegen der schrittweisen Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 bis auf 67 Jahren steigt auch bei der Frühverrentung das Eintrittsalter an. 2022 lag dieses für besonders langjährig Versicherte laut DRV bereits bei rund 64,1 Jahren.

Werdings Vorstoß bei der Rente mit 63: Sozialverband äußert Kritik

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Ende der Rente mit 63 für Unmut gesorgt, da ein später Eintritt in einigen Augen „einen frühen Tod“ bedeute. Doch vor allem beim Sozialverband Deutschland (SoVD) stößt der Vorstoß von Werding zur „Rente mit 63“ auf Ablehnung. „Sind es wirklich ‚die Falschen‘, die nach 45 Jahren etwas früher in Rente gehen können?“, frage die Verbandsvorsitzende Michaela Engelmeier, die sich jüngst auch erneut für eine Inflationsprämie für Rentner starkgemacht hatte und Kürzungen für Rentner bei den Renten-Plänen der CDU strikt ablehnt..

Sie wies darauf hin, dass bereits das Erreichen der 45 Beitragsjahre an sehr strenge Voraussetzungen geknüpft sei. „Statt diesen Personen einen etwas früheren Renteneintritt streitig zu machen, sollten die Bemühungen dahin gehen, dass möglichst viele Menschen ebenfalls in den Genuss einer abschlagsfreien Rente kommen und die Menschen gesund bis zur Rente arbeiten können“, forderte Engelmeier in Bezug auf Werdings Vorschlag zur Frührente von Geringverdienern. (mit Material der Afp)

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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