VonPatricia Huberschließen
Das deutsche Rentensystem benötigt eine Reform. DIW-Präsident Marcel Fratzscher sieht eine Anhebung des Eintrittsalters aber nicht als Lösung.
München – Das deutsche Rentensystem steht vor gewaltigen Herausforderungen. Wenn in den kommenden Jahren die Babyboomer-Generation in Rente geht, wird die Finanzierung zum immer größeren Problem. Schließlich kommen auf immer weniger Beitragszahler immer mehr Renten-Beziehende. Schon jetzt muss der Staat hier jedes Jahr mit Milliarden aushelfen.
Rente: Ökonom für flexibleres Eintrittsalter
Eins ist also klar: Eine Reform muss her. Wie diese jedoch aussehen kann, sorgt noch für Streitigkeiten. Denn während manche Ökonomen, wie die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer, der Meinung sind, dass es dringend eine Anhebung des Renteneintrittsalters benötigt, halten andere das nicht für die Lösung des Problems.
So auch Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Ein verpflichtendes höheres Rentenalter – dagegen spricht sich Fratzscher im Interview mit Focus Online klar aus. „Wir sollten Arbeitsverträge so gestalten, dass die Beschäftigten entscheiden können, wann sie in Rente gehen wollen. Wir sollten aber Anreize schaffen für diejenigen, die länger arbeiten wollen und können“, macht er deutlich.
Beamte und Selbstständige auch in Rentensystem einbeziehen
„Man sollte die Basis der Beitragszahler vergrößern“, schlägt er dagegen vor. Beamte und Selbstständige sollten demnach auch in die Pflicht genommen werden und in die Rentenkassen einzahlen müssen. So könnten auch für den Staat die Kosten gesenkt werden, wie Fratzscher dem Nachrichtenportal erklärt.
Eine Entlastung für den Staat sehe er aber auch an anderer Stelle – und zwar bei den Steuern. „Nicht mit höheren Steuern für Normal- und Geringverdiener, sondern für die besser Bezahlten mit den stärkeren Schultern“, macht er deutlich. Für ihn ist klar, dass die enorm hohen Zuschüsse durch den Staat künftig nicht mehr tragbar wären: „Es gibt ja Prognosen, dass die Höhe des Bundeszuschusses in die Rentenkasse sich in den kommenden 20 Jahren verdoppeln könnte. Dann würde jeder zweite Euro des Bundeshaushalts für die Rente ausgegeben. Das wäre zu viel.“ (ph)
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