- VonMax Schäferschließen
Finanzexperten halten einen verzögerten Rentenbeginn für unerlässlich - und stellen gleichzeitig mehrere Ansprüche an die politischen Entscheidungsträger. Ein Aspekt davon ist das Aus für die Rente mit 63.
Köln – Die zunehmende Alterung der Bevölkerung stellt eine doppelte Herausforderung für die Gesellschaft dar. Einerseits steigen die Kosten für Renten sowie Pflege- und Krankenversicherungen, andererseits gehen dringend benötigte Fachkräfte in den Ruhestand. Die ehemalige Ampel-Koalition hatte im Rahmen ihrer sogenannten Wachstumsinitiative verschiedene Vorschläge zur Schaffung von Anreizen für die Arbeit im Alter vorgelegt. Mit dem Ende der Regierung sind diese Maßnahmen jedoch in Gefahr. Dennoch äußern Experten Skepsis. Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat nun seine eigenen Vorschläge vorgelegt, wobei die zentrale Forderung eine längere Lebensarbeitszeit und damit eine spätere Rente ist.
In einer Studie zur Beschäftigung kurz vor und nach dem Renteneintritt bezeichnet das arbeitgebernahe Institut eine spätere Rente als einen „Baustein für die Stabilisierung des Arbeitsvolumens und mittelbar der umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme“. Die individuelle Entscheidung über den Renteneintritt basiere bisher „unbeeindruckt von der gesellschaftlichen Herausforderung und möglichen Wohlfahrtsverlusten“ auf einer „Abwägung zwischen finanziellen Einbußen und dem Wunsch nach Freizeit“. Die Ökonomen erklären, dass auch „das Gefühl, genug geleistet zu haben“, eng mit dem Wunsch nach einem vorzeitigen Renteneintritt verknüpft sei.
Später in Rente gehen: Ökonomen fordern späteren Rentenbeginn und Weiterbeschäftigung von Rentnern
Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft fordert politische Akteure, Sozialpartner und Unternehmen auf, „dem Narrativ entgegenzuwirken“, das die Rente „nach einer bestimmten Anzahl von Beschäftigungsjahren als (unantastbaren) Verdienst der Lebensleistung deklariert und damit jedwede Bemühungen um eine Steigerung der Erwerbsarbeit im Alter konterkariert“. Die Forscher stellen die Frage, wie Menschen zu einer längeren Lebensarbeitszeit motiviert werden können und wie eine Weiterbeschäftigung von Rentnern in Unternehmen erleichtert werden kann.
Die Ökonomen des IW stellen in ihrer Studie mehrere Forderungen zur Rente und zur Arbeit im Alter. Zunächst sollte die Regelaltersgrenze erhöht werden. Auch die sogenannten Wirtschaftsweisen hatten sich immer wieder für einen späteren Rentenbeginn ausgesprochen. Laut IW sollte diese nicht nur bis 2031 auf 67 Jahre steigen, sondern danach mit der steigenden Lebenserwartung weiter angehoben werden.
Rente mit 63 soll abgeschafft werden – wer trotzdem in Rente geht, soll höhere Abschläge bekommen
Darüber hinaus fordert das IW die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63. Dies bezieht sich auf den vorgezogenen Rentenbezug für besonders langjährig Versicherte, die nach 45 Beitragsjahren vor dem regulären Eintrittsalter in Rente gehen können. Dies setzt jedoch laut IW „Frühverrentungsanreize“ und belastet die gesetzliche Rentenversicherung.
Wer dennoch früher in Rente gehen möchte, sollte dies frühestens drei Jahre vor dem regulären Start tun dürfen. Zudem sollten nach Meinung der Ökonomen die Abschläge erhöht werden. Bisher müssen Rentner für jeden Monat, den sie früher in den Ruhestand gehen, auf 0,3 Prozent der ihnen eigentlich zustehenden Rente verzichten.
IW will Hinzuverdienstgrenzen für Frührentner einführen
Eine weitere Forderung des IW ist die Wiedereinführung der Hinzuverdienstgrenze für Rentner – allerdings nur begrenzt. Sie sollte nur bei einem früheren Ruhestand gelten. Die „Rente soll das Arbeitskommen ersetzen, nicht ergänzen“, erklären die Ökonomen. „Ein paralleler Bezug von Rente und Entgelt belastet die Rentenkasse ohne sozialpolitischen Handlungsbedarf.“ Dies würde Fehlanreize für eine frühere Rente verhindern. Arbeitsrechtlich möchten die Ökonomen das Hinausschieben der Beschäftigung über die Regelaltersgrenze hinaus rechtssicher gestalten.
Das IW spricht sich in seiner Studie auch gegen ein garantiertes Rentenniveau von 48 Prozent aus, wie es die SPD mit dem Rentenpaket II einführen wollte. Dies würde höhere Beiträge erfordern. Das Sicherungsniveau sollte „regelgebunden“ sinken.
Rentenpläne der Ampel-Koalition stehen in der Kritik: „Kaum begründbar“
Die Rentenpläne der ehemaligen Ampel-Koalition aus der Wachstumsinitiative, die Anreize zur Arbeit im Alter schaffen sollten, sind nach Ansicht des IW nicht notwendig. Die Hoffnung, ältere Beschäftigte durch eine Rentenaufschubprämie oder geringere Abgaben zu einer längeren Lebensarbeitszeit zu motivieren, sei „kaum begründbar“, erklären die Ökonomen. „Das Rentenrecht prämiert bereits längere Erwerbstätigkeit und einen aufgeschobenen Rentenbezug.“
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