„Kürzer Rente beziehen“

Rente unter kommender Regierung: Experten setzen Parteien unter Druck

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Wie gestaltet sich die Rente in Zukunft? Nach den Wahlen zum Bundestag wird diese Frage wieder aktuell. Fachleute entwerfen den Pfad aus dem Dilemma.

Berlin – Die Rente wird eines der Themen sein, die die neue Bundesregierung vom ersten Tag an beschäftigt. Also sehr wahrscheinlich die Union und die SPD. CDU und CSU haben in ihrem Wahlprogramm unter anderem für die Einführung einer Aktivrente und einer Frühstart-Rente geworben. Die SPD machte sich derweil stark für stabile Renten und ein Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung, das dauerhaft bei mindestes 48 Prozent gesichert wird.

Laut einem Artikel der Wirtschaftswoche (Wiwo) erscheint aber fraglich, inwiefern dies alles unter einen Hut zu bringen ist. Denn bereits 2024 hätten sich die gesamten Rentenausgaben auf etwa 372 Milliarden Euro summiert – mehr als siebenmal so viel wie der Betrag für die Verteidigung.

Deutschland und die Rente: Bürger müssen laut Experten länger einzahlen

Folglich sei ein Minimalkonsens denkbar, der etwas höhere Abschläge für alle, die früher in den Ruhestand gehen wollen, und bessere Anreize für diejenigen, die länger arbeiten, mit sich bringe. Im Großen und Ganzen würde sich aber am Rentensystem nichts ändern. Genau davor warnen Experten, da sich die Lage mit dem Abschied der Babyboomer aus dem Erwerbsleben noch einmal deutlich verschärfen würde.

Müssen sich bei Rente nicht nur zusammenraufen: Die SPD-Spitze um Lars Klingbeil (l.) und Saskia Esken sowie CDU-Chef Friedrich Merz haben ein wichtiges Thema vor der Brust.

Seit Jahren nimmt die Zahl derjenigen, die ins Rentensystem einzahlen, im Vergleich zu denjenigen, die etwas rausbekommen, ab. Joachim Ragnitz und Marcel Thum vom Dresdner Ableger des Münchner ifo-Instituts warben noch vor der Bundestagswahl unter dem Titel „Zeitbombe Rentenversicherung“ dafür, dass „die Menschen länger einzahlen und kürzer Rente beziehen“ sollten.

Folglich müsse das gesetzliche Renteneintrittsalter nach hinten verschoben werden. Da das deutsche Rentensystem vorsieht, mit Abschlägen früher in Rente gehen zu können, müsse dennoch nicht jede Person in der gesetzlichen Rentenversicherung länger arbeiten.

Rentensystem in Deutschland: Eintrittsalter an ferne Lebenserwartung anpassen

In anderen Ländern sei das gesetzliche Renteneintrittsalter bereits an die ferne Lebenserwartung angepasst worden. „An eine solche Regelung (…) traut sich in Deutschland aktuell keine der großen Parteien heran“, betonen die Fachleute.

Daneben werben Ragnitz und Thum für die Abschaffung der Haltelinie für das Rentenniveau – weshalb die SPD schlucken dürfte – und eine gleichzeitige Erhöhung des Nachhaltigkeitsfaktors, der Veränderungen im zahlenmäßigen Verhältnis zwischen Rentenbeziehern und Beitragszahlern berücksichtigt. „Dies wäre eine Reform innerhalb des bestehenden Systems“, schreibt das ifo-Duo.

Kommt sie oder kommt sie nicht? Die Union trommelte im Bundestagswahlkampf für die Aktivrente.

Sollen die Überlebensmaßnahmen für das Rentensystem deutlich umfangreicher gestaltet werden, würden sich Änderungen bei der Rentenanpassung anbieten. Wobei gleich klargestellt wird, dass eine reine Inflationsanpassung letztlich Bürgern mit besonders hoher Lebenserwartung auf die Füße falle.

Union und ihre Rentenpläne: Kommen Aktivrente und Frühstart-Rente überhaupt?

So oder so müssten beide Parteien bei ihren Forderungen zum Thema Rente vermutlich zurückrudern. Und sich von einigen Ideen wohl zeitnah verabschieden. Wie im Fall der Union, die über das gesetzliche Rentenalter hinaus freiwillig arbeitenden Bürgern 2000 Euro ihres Monatsgehalts steuerfrei überlassen und alle sechs- bis 18-Jährigen mit zehn Euro pro Monat für die individuelle und kapitalgedeckte private Altersvorsorge fördern will.

Die Aktivrente und die Frühstart-Rente. Beides klingt zu schön, um wahr zu sein. Doch für beides dürfte der Bundesregierung schlicht das Kleingeld fehlen. (mg)

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