Rentensystem im Nachbarland

Renten-Erhöhung in Österreich: Ab 2024 fast zehn Prozent mehr

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Österreich gilt als Rentenparadies. (Symbolbild)
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Österreich gilt als Rentenparadies: Die Auszahlungen an die Ruheständler sind dort viel höher. Und kommendes Jahr gibt es noch einmal eine satte Erhöhung.

München – Wer in Deutschland eine gesetzliche Rente bezieht, mag bei diesen Zahlen einen neidvollen Blick ins Nachbarland werfen: Nach einer Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erhält ein männlicher Neurentner in Österreich eine im Durchschnitt rund 80 Prozent höhere Rente als ein neuer Ruheständler in Deutschland. Bei den Frauen sind es demnach immerhin noch fast 60 Prozent.

Im kommenden Jahr sollen die Renten, in Österreich auch Pensionen genannt, zudem erhöht werden – und zwar um 9,7 Prozent. Das verkündete Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP). Zum Vergleich: In Deutschland betrug der Rentenanstieg in diesem Jahr im Westen 4,39 Prozent und im Osten: 5,89 Prozent. Der Grund für die höhere Anhebung dürfte darin begründet sein, dass die Rentenanpassung in Österreich in der Regel an der Inflation gemessen wird und nicht wie in Deutschland an den Lohnsteigerungen.

Renten-Erhöhung ab 2024 bei 9,7 Prozent in Österreich

Glücklich zeigten sich die Rentner-Verbände in Österreich trotzdem nicht, denn im Gegensatz zu früheren Jahren will Nehammer beim Renten-Plus nicht wie üblich noch zusätzlich etwas drauflegen. Es handle sich ohnehin schon um „Milliardenbeträge“, argumentiert der Kanzler laut der österreichischen Zeitung Der Standard. Bei 9,7 Prozent habe man es mit einem Prozentsatz zu tun, der sehr hoch sei. 

Peter Kostelka, der Vorsitzende des SPÖ-nahen Pensionistenverbandes und des Seniorenrates, bezeichnete Nehammers Festlegung demnach als „unverständlich“. Die Pensionisten dürften „doch nicht die Einzigen sein, die den massiven Kaufkraftverlust der letzten Jahre nicht abgegolten bekommen“. In Österreich ist die Inflation etwas höher als in Deutschland.

Rente in Österreich: Was anders läuft als in Deutschland

Denn was in Österreich die Menschen wie in Deutschland umtreibt, ist die Zukunft des immer teurer werdenden Rentensystems: Auch dort werden immer wieder Forderungen nach einem späteren Renteneintrittsalter und anderen Reformen laut. Das Eintrittsalter dort liegt für Männer in der Regel bei 65 Jahren und für Frauen bei 60 Jahren. Was den Österreichern allerdings jetzt zugutekommt: Das Land hat im Vergleich zu Deutschland eine jüngere Bevölkerung – vor allem wegen erfolgreicherer Zuwanderung, was zu einem günstigeren Verhältnis von Ruheständlern und Erwerbstätigen führt.

Zudem läuft im österreichischen Rentensystem einiges anders, um die vergleichsweise hohen Renten finanzieren zu können: Zum einen ist in Österreich der Rentenbeitrag mit 22,8 Prozent deutlich höher, als in Deutschland mit 18,6 Prozent. Zum anderen müssen Beamte und Selbstständige auch in die Kassen einzahlen. Außerdem werden die Renten in Österreich bereits heute in vollem Umfang besteuert und die Wartezeiten sind mit 15 Jahren dreimal so lang: Wer eine geringere Beitragszeit erreicht, geht anders als in Deutschland bei der Rente leer aus.

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