Renten-Paradies Italien: Diese Anreize locken deutsche Rentner – Haken bleiben
VonBettina Menzel
schließen
Italien gewinnt deutsche Rentner mit Sonne, Charme – und Steuervorteilen für sich. Doch der Traum vom Dolce Vita bringt Schwierigkeiten mit sich.
Rom – Italien zählt zu den liebsten Reisezielen der Deutschen. Dort zu leben und Rente zu beziehen, klingt für viele ideal. Doch das Leben im Paradies ist kein Selbstläufer: Wer auswandert, muss bereit sein, sich auf Sprache, Alltag und italienische Behörden einzulassen.
Rente im Ausland verbringen: So sichern sich Auswanderer Steuervorteile in Italien
Wer als Rentner dauerhaft in ein EU-Land wie Italien zieht, bekommt die Rente weiterhin in voller Höhe weitergezahlt – ohne Abzüge, solange keine Sonderregelungen greifen, teilt die Deutsche Rentenversicherung mit. „Mein ganzes Leben ist jetzt ein Urlaub“, sage ihr Mann jetzt immer, erzählt eine deutsche Rentnerin, die am Gardasee lebt, dem Handelsblatt. Alles also ganz leicht? Wer dauerhaft in Italien leben will, muss einige Details beachten.
Zunächst müssen sich Ruheständler beim Einwohnermeldeamt anmelden und den Wohnsitz offiziell verlegen. Eine Abmeldung in Deutschland ist empfehlenswert, wenn man steuerlich als Auslandsrentner gelten will. Italien bietet deutschen Ruheständlern steuerliche Anreize: Wer als Rentner aus dem Ausland in eine Gemeinde mit unter 20.000 Einwohnern im Süden Italiens zieht, kann unter bestimmten Bedingungen nur sieben Prozent Steuern auf ausländische Einkünfte zahlen.
Zu den Regionen gehören: Sizilien, Kalabrien, Sardinien, Kampanien, Basilikata, Abruzzen, Molise und Apulien, heißt es von den Experten für internationales Steuerrecht, Arletti & Partners. In manchen Gegenden Italiens – darunter Toskanaund Sizilien – lassen sich in abgelegenen Gemeinden sogar Häuser für einen Euro kaufen oder saftige Renovierungszuschüsse vom Staat abstauben. Auch hier zählt das Kleingedruckte, denn die Gemeinden stellen dafür oftmals zahlreiche Bedingungen.
Rente in Italien bietet „Kombination aus dem schönen Leben und steuerlichen Anreizen“
Dank des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und Italien gilt: Renten aus öffentlichem Dienst werden nur in Deutschland versteuert. Private Renten beispielsweise von Angestellten versteuert Italien als Wohnsitzstaat – progressiv bis zu 43 Prozent plus regionale Zuschläge bis insgesamt etwa drei Prozent, wie Siegfried Mayr, Steuerberater in Mailand, dem Handelsblatt sagt. „Italien ist eine tolle Kombination aus dem schönen Leben und steuerlichen Anreizen“, so der Experte.
Je älter man wird, desto wichtiger wird auch die gesundheitliche Versorgung. Italien verfüge „über ein hochrangiges öffentliches Gesundheitssystem“, heißt es von den Fachleuten Arletti & Partners. Als Rentner aus Deutschland kann man in Italien das nationale Gesundheitssystem (SSN) nutzen, ohne dort Beiträge zu zahlen – solange man nachweist, dass man in Deutschland gesetzlich krankenversichert ist.
Haus kaufen und auswandern: Die 10 besten Länder für deutsche Aussteiger
Für geplante Behandlungen ist oft eine vorherige Abstimmung mit der deutschen Kasse nötig. Mit einem Rezept von einem deutschen Arzt können Ruheständler aber auch in Italien Ärzte oder Physiotherapeuten aufsuchen. Wartezeiten bei Fachärzten sind oftmals lang – allerdings kennt man das auch aus Deutschland. Viele Italiener umgehen das mit dem Besuch der Notaufnahme, einer Zusatzversicherung oder indem sie einen Arztbesuch privat zahlen.
Das sind die Nachteile eines Ruhestands in Italien
Experten warnen vor allem vor der umständlichen, italienischen Bürokratie. Die sei „ziemlich komplex und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, die effizientere Online-Systeme eingeführt haben, relativ langsam“, so die Analyse von Arletti & Partners. Viele scheinbar einfache Prozesse wie etwa das Auto umzumelden erfordern Geduld, Stempel und oft einen Übersetzer. Nicht alle sprechen in Italien Englisch, so die Experten weiter. Das seien meist „besonders ältere Menschen, aber auch Beamte in der öffentlichen Verwaltung“.
Nicht überall in Italien ist das Leben günstiger als in Deutschland. Im Norden des Landes und den Küstenregionen nehmen sich die Preise oft nichts. Jede Region hat ihre Vor- und Nachteile: Großstädte wie Rom und Mailand bieten einen „zentraleren, multikulturellen“ Ort für den Ruhestand mit einem „lebendigeren Lebensstil“, hießt es von den internationalen Steuerrechtsexperten. Die Großstädte sind allerdings auch teuer. In den Abruzzen hingegen finden Ruheständler „ein gutes Gleichgewicht zwischen Stränden, Landschaft und den Apenninen.“
Sardinien und Sizilien warten mit einer guten Mischung aus niedrigen Lebenshaltungskosten, günstigen Miet- und Kaufpreisen für Immobilien und gleichzeitig wunderschönen Stränden und einem entspannten Lebensstil auf. „Im Laufe der Jahre hat die Region Apulien zunehmend an Bekanntheit gewonnen, da sie eine große Gemeinschaft von Expats beherbergt“, so das Fazit der Experten. Entsprechend finden Auswanderer dort auch viele Gleichgesinnte und leichten Anschluss. So oder so ist die richtige Einstellung beim Auswandern entscheidend: „Wenn man denkt, hier in Italien ist nur Dolce Vita, dann ist Enttäuschung vorprogrammiert“, fasst es eine Ruheständlerin, die ihr Leben in der neuen Heimat liebt, im Gespräch mit Handelsblatt zusammen.