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Laut Altersvorsorge-Report 2025 empfinden besonders junge Erwachsene das Rentensystem als ungerecht und fühlen sich benachteiligt.
Ob das deutsche Rentensystem auf lange Sicht noch zuverlässig funktioniert? Viele Menschen glauben nicht mehr daran. Das geht jedenfalls aus dem „Altersvorsorge-Report 2025“ von Deutscher Bank und DWS hervor, der am Dienstagfrüh in Frankfurt vorgestellt wurde. Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat dafür 3200 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren vom 25. August bis 5. September repräsentativ befragt.
83 Prozent der Befragten haben der Aussage zugestimmt, dass das Rentensystem auf lange Sicht nicht mehr zuverlässig funktionieren werde. Im Vergleich zu 2019 ist das ein starker Anstieg. Damals teilten nur 54 Prozent diese Ansicht.
Zudem stimmt laut der Umfrage jeder Zweite (54 Prozent) der Aussage zu, dass das Thema Altersvorsorge persönlich Angst mache. Bei den 18- bis 29-Jährigen ist dieser Wert mit 58 Prozent Zustimmung noch etwas höher. Ein weiteres Ergebnis: Fast Zwei-Drittel der Befragte (64 Prozent) stimmt der Aussage zu, dass das bestehende Rentensystem ungerecht sei und die jüngere Generation dadurch benachteiligt sei.
Geringeres Vertrauen in gesetzliche Rente
„Das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente ist deutlich gesunken“, sagte Claudio de Sanctis, Privatkundenvorstand der Deutschen Bank. Zwei seine Lösungsvorschläge: eine ausgeprägtere „Aktienkultur“ und „zusätzliche private Vorsorge“.
Außerdem hat Claudio de Sanctis darauf verwiesen, dass eine Diskrepanz zwischen Wunsch nach mehr Finanzberatung (56 Prozent Zustimmung) und der tatsächlich wahrgenommen Finanzberatung besteht. 61 Prozent der Befragten haben noch nie eine persönliche Beratung zu dem Thema in Anspruch genommen.
Andere Umfragen – etwa der jährliche „Trust Barometer“ von Edelman Smithfield, ein Institut für Finanzkommunikation – haben in jüngerer Vergangenheit gezeigt, dass das Vertrauen in Banken bei den Deutschen allgemein sinkt. Ein Grund dafür könnte sein, dass bei Beratung durch die Provisionsstruktur ein Interessenkonflikt bestehen kann. Und zwar zwischen passender Beratung für die Kund:innen und dem Wunsch, ein Produkt zu verkaufen. Ob ein Zusammenhang besteht zwischen dem hohen Anteil der Leute, die noch nie eine Beratung in Anspruch genommen haben, und dem möglichen Interessenkonflikt, wurde „Altersvorsorge-Report 2025“ nicht abgefragt.
Eine politische Richtungsentscheidung, wie eine Rentenreform aussehen wird, ist frühstens im kommenden Jahr zu erwarten. Die Bundesregierung will 2026 eine Kommission zum Thema Rente einsetzen, die Vorschläge erarbeiten soll. Ein erster Gesetzesvorschlag, bei dem das Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent festgeschrieben werden soll, ist bei einer Gruppe jüngerer Unions-Abgeordneter auf Widerstand gestoßen.
Rubriklistenbild: © Fernando Gutierrez-juarez/dpa

