VonLisa Mayerhoferschließen
In Italien plagt die Arbeitgeber, genau wie in Deutschland, der Fachkräftemangel. Ein italienischer Betrieb hat jetzt drei Rentner zurückgeholt – statt sechs junge Mitarbeiter einzustellen.
Mailand – Der demografische Wandel verändert die Arbeitswelt – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien, das ebenfalls eine immer älter werdende Bevölkerung aufweist. Immer mehr Menschen gehen in Rente, gleichzeitig gibt es immer weniger Erwerbstätige. Dadurch entsteht ein Fachkräftemangel, der immer mehr Branchen und Unternehmen erfasst. In Italien hat jetzt ein kleiner Betrieb seine ehemaligen Mitarbeiter aus dem Ruhestand zurückgeholt.
Fachkräftemangel: Italienischer Betrieb holt drei Mitarbeiter aus dem Ruhestand
Simplex Rapid ist ein kleines Unternehmen aus der Lombardei nähe Mailand, das Hightech-Maschinen zur Drahtverarbeitung herstellt und exportiert. Die Geschäfte laufen eigentlich gut, sagt Umberto Boschiero, Chef des Familienunternehmens gegenüber Südtirol News. Große Sorge bereite ihm allerdings die Frage, ob er in Zukunft auch genügend neue Mitarbeiter finden wird.
Nun erhält er erstmal Hilfe von ehemaligen Mitarbeitern, die eigentlich schon in Rente waren: „Wir haben sechs junge Leute gesucht, stattdessen haben wir aber drei Rentner wieder zurück an ihren Arbeitsplätzen gebracht“, erklärt Umberto Boschiero der Zeitung. Eine Dauerlösung ist das für ihn aber nicht. „In erster Linie geht es darum, junge Leute für das Unternehmen zu gewinnen, denn sonst besteht die Gefahr, dass wir uns nicht weiterentwickeln können. Wir verfügen derzeit über 52 Mitarbeiter und haben freie Stellen zu besetzen, die vom Lagerarbeiter bis zur Arbeitsstelle für Universitätsabsolventen der Spitzentechnologie reichen“, erklärt der Firmenchef der Zeitung.
Studie: „Die Wirtschaft kann es sich nicht leisten, der älteren Generation keine Aufmerksamkeit zu schenken“
Der Fachkräftemangel wird immer mehr Unternehmen dazu veranlassen, neue Wege zu gehen. Umberto Boschiero glaubt auch, dass es in diesem Sinne einer neuen Unternehmenskultur bedürfe. Geld allein reiche nicht, so der Italiener gegenüber Südtirol News.
Für die Firmen wird es dann immer wichtiger, die Arbeitsplätze sowohl für jüngere als auch ältere Arbeitnehmer attraktiver zu machen. Immer mehr Experten rufen deswegen Arbeitgeber dazu auf, ältere Arbeitnehmer nicht aufs Abstellgleis zu manövrieren, sondern weiter zu fördern. „Jugendwahn können wir uns nicht mehr leisten“, sagte auch Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Durchschnittlich 39 Prozent der Belegschaft in deutschen Unternehmen sind aktuell älter als 50 Jahre – Tendenz steigend, schreibt der Personaldienstleister Randstad.
Aktuell würden einer neuen Erhebung im Rahmen der Randstad-ifo-Studie allerdings nur 60 Prozent der Unternehmen Maßnahmen ergreifen, um ältere Beschäftigte länger im Unternehmen zu halten. Zudem werde bislang nur in jedem fünften Unternehmen die Zusammenarbeit der Generationen aktiv gefördert. „Die Wirtschaft kann es sich nicht mehr leisten, der älteren Generation keine Aufmerksamkeit zu schenken. Stattdessen sollten sich Unternehmen intensiv mit den Bedürfnissen dieser Beschäftigten auseinandersetzen und ihnen so ermöglichen, länger im Beruf zu bleiben“, sagt Carlotta Köster-Brons, nationale CSR-Koordinatorin bei Randstad Deutschland, zu den Ergebnissen der Studie.
