VonLisa Mayerhoferschließen
Wie Millionen andere Ruheständler muss auch Juliette K. mit einer niedrigen Rente auskommen. Deshalb lebt sie nun in einer WG in der Eifel – und ist mit dem Arrangement sehr zufrieden.
München – Immer mehr Menschen in Deutschland droht die Altersarmut. Statistiken zeigen, dass Altersarmut dabei vor allem weiblich ist. So hat das Statistische Bundesamt zum Beispiel ermittelt, dass derzeit etwa jede fünfte Frau ab 65 Jahren als armutsgefährdet gilt. Frauen haben im Alter durchschnittlich fast 30 Prozent weniger Einkommen als Männer. Und obwohl Frauen heute häufiger arbeiten als früher, gehen Statistiker davon aus, dass sie auch in Zukunft durch Teilzeitarbeit und niedrigere Löhne ein geringeres Alterseinkommen haben werden als Männer.
Das zeigt, wie wichtig es wird, dass sich die Menschen in der immer älter werdenden Gesellschaft in Deutschland finanziell absichern – und auch Lösungen für ihre Wohn- und Lebensverhältnisse finden. Dabei haben zwei Senioren aus der Eifel ein Konzept gefunden, das für sie funktioniert. Sie haben eine Wohngemeinschaft gegründet.
Rentner ziehen zusammen: Er braucht Hilfe, sie braucht Wohnraum
Denn so wie Millionen andere Ruheständlerinnen muss auch Juliette K. von einer niedrigen Rente leben. Das berichtet sie dem SWR. Die heute 68-Jährige stand nach dem Tod ihres Partners vor einem Scherbenhaufen: Mit den 850 Euro Rente konnte sie die Wohnung nicht mehr finanzieren. Wohin also?
Ihre Tochter vermittelte sie schließlich an deren Nachbar Romain T., der ein renovierungsbedürftiges Bauernhaus gekauft hatte und Hilfe brauchte. Die beiden kannten sich schon. „Ich fand das eine gute Lösung. Er brauchte Hilfe. Ich brauchte Wohnraum“, sagt Juliette dem SWR. Und der Rentner habe mit 160 Quadratmetern mehr als genug Platz in seinem Haus.
Seit fünf Jahren wohnen sie nun zusammen – und sind mit dem Arrangement sehr zufrieden. Damit beide ihren Freiraum genießen können, zog Juliette in die Zimmer im Obergeschoss, während sich der 70-jährige Romain unten einrichtete. Küche und Esszimmer nutzen sie gemeinsam. Die Renovierung des Hauses packen beide ebenso gemeinsam an. „Wenn was gemeinsam zu tun ist, das machen wir dann auch zusammen“, so die 68-Jährige. Jeder lebe sein eigenes Leben, aber wenn einer Hilfe brauche, sei der andere da.
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Senioren-WG in der Eifel: „Wir warten einfach, was auf uns zukommt“
Um Konflikte zu vermeiden, haben sie vorab gemeinsam ihre finanziellen und anderen Vereinbarungen getroffen und niedergeschrieben, erzählen sie dem SWR. Demnach gehört das Haus weiterhin Romain, er bezahlt deshalb auch das Material für die Sanierung. Juliette hilft ihm bei den Renovierungsarbeiten, kocht und unterstützt. Dafür zahlt sie nur einen Teil der Nebenkosten.
Ihrer Zukunft blicken sie gelassen entgegen: „Wir warten einfach, was auf uns zukommt und gucken dann. Was will man groß Pläne machen? Ich hab in meinem Leben gelernt, ja keine großen Pläne zu machen. Sondern: Immer die jeweilige Situation, die kommt, zu meistern“, erzählt Juliette dem SWR.
Mit ihrer Idee sind Juliette und Romain nicht alleine: Überall in Deutschland entstehen Senioren WGs, die das Wohnen im Alter auch eigenständig möglich machen sollen. Im Zuge der immer älter werdenden Gesellschaft in Deutschland könnten es bald noch viel mehr werden.
