Schiffbau

Rettung in Sicht: Zwei Konkurrenten übernehmen Windhorst-Werften

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Der kontroverse Geschäftsmann Lars Windhorst verabschiedet sich endgültig von Nobiskrug und der Flensburger Schiffbaugesellschaft. Käufer für die bankrotten Werften sind gefunden.

Flensburg/Rendsburg – Für die insolventen Werften Nobiskrug und Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) von Investor Lars Windhorst gibt es neue Hoffnung. Im Insolvenzverfahren fanden sich Käufer für beide Betriebe, berichteten die vorläufigen Insolvenzverwalter Hendrik Gittermann und Christoph Morgen. Der Bremer Nobeljacht-Bauer Lürssen übernimmt Nobiskrug, die auf Schiffbau und schweren Stahlbau spezialisierte Heinrich-Rönner-Gruppe aus Bremerhaven die FSG. Die nach Gewerkschaftsangaben mehr als 450 Beschäftigten beider Werften wechseln zunächst überwiegend in eine Transfergesellschaft.

Nobiskrug und die FSG hatten seit längerer Zeit Probleme

Beide Werften Nobiskrug und FSG gehörten zur Tennor-Gruppe von Investor Lars Windhorst. Am 12. Dezember 2024 war bekannt geworden, dass die Amtsgerichte Flensburg und Neumünster für vier Gesellschaften der Werftengruppe Insolvenzeröffnungsverfahren eingeleitet haben. Nobiskrug und die FSG hatten bereits längere Zeit Probleme. In Flensburg bei FSG wird zur Zeit eine Fähre für das australische Unternehmen Searoad Shipping gebaut; Unternehmenschef Chas Kelly erklärte bei einem Auftritt vor der Belegschaft, er habe den Auftrag zur Fertigstellung an die Rönner-Gruppe erteilt.

Erheblicher Investitionsstau muss behoben werden

Aufgrund des erheblichen Investitionsstaus seien beide Werften aktuell jedoch nicht funktionsfähig, erklärten die vorläufigen Insolvenzverwalter. Hierfür müssten in den kommenden Monaten noch umfangreiche Vorarbeiten erledigt werden, zum Beispiel das Einholen von TÜV-Genehmigungen und Zertifizierungen, die Sanierung von Gebäuden, das Einrichten von Anlagen, die Materialbeschaffung und einiges mehr.

Eine Transfergesellschaft für 450 Mitarbeiter

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werde daher eine Transfergesellschaft eingerichtet, die bereits den Übergang sichere und Weiterqualifizierungen ermögliche. Über 95 Prozent der Beschäftigten stimmten diesem Vorgehen zu. Auf der FSG-Werft arbeiten laut der IG-Metall mehr als 310 Beschäftigte, auf der Nobiskrug-Werft 140 Beschäftigte. Die Transfergesellschaften haben demnach eine Laufzeit von vier Monaten. Die Beschäftigten erhalten in dieser Zeit 80 Prozent ihres bisherigen Nettolohns.

150 Jahre alte Firmengeschichte

Der neue Besitzer der Rendsburger Werft Nobiskrug, die Bremer Lürssen-Gruppe, hat bereits auf der anderen Kanalseite mit der Kröger-Werft in Schacht-Audorf einen Standort. Sie ist auf große Jachten spezialisiert. Nobiskrug hat seit ihrer Gründung 1905 weit mehr als 750 Schiffe gebaut. Die Werft ist auf den Bau von Luxusjachten ab 60 Metern Länge spezialisiert. Die Nobiskrug-Werft soll nun als Betriebsteil der benachbarten Lürssen-Krögerwerft betrieben werden.

Die FSG hat eine mehr als 150-jährigen Geschichte. In dieser Zeit wurden viele verschiedene Schiffe gebaut: Fracht-, Vieh- und Passagierdampfer, Drei-Mastschoner und Offshore-Docks, Massengutfrachter und Forschungsschiffe. Die Werft stand bereits mehrfach vor dem Aus. Doch bislang fand sich immer jemand, der sie vor dem Untergang bewahrte.

Gewerkschaftskritik am Investor Lars Windhorst

Die Gewerkschaft IG Metall hatte vor einigen Wochen scharfe Kritik an Lars Windhorst geäußert. „Lars Windhorst hat quasi Raubmord an den Werften begangen. Er hat nicht investiert, er hat keine neuen Aufträge an Land geholt, er hat die Beschäftigten oft viel zu spät bezahlt.“ Windhorst hätte viel früher Platz machen müssen für neue Investoren, hatte der Chef des IG-Metall-Bezirks Küste, Daniel Friedrich der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ gesagt.

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