- VonMark Simon Wolfschließen
Wird Rheinmetall neuer globaler Rüstungs-Champion? Selbst bei Frieden rechnet CEO Armin Papperger bis 2030 mit Potenzial im hohen Milliardenbereich.
Düsseldorf – Die Rüstungsindustrie in Europa boomt – doch kaum ein Unternehmen hat in den vergangenen Jahren so stark von diesem Aufwind profitiert wie Rheinmetall. Besonders deutlich zeigt sich das am Aktienkurs: Seit 2020 ist der Kurs um fast 2400 Prozent gestiegen – allein 2024 legte er um rund 200 Prozent zu. Aktuell notiert die Aktie bei rund 1500 bis 1600 Euro.
Rüstungskonzern Rheinmetall im Höhenflug: Umsatz, Kurs und Gewinn erreichen neue Rekordmarken
Mit einer Marktkapitalisierung von 69,7 Milliarden Euro zählt Rheinmetall inzwischen zu den Schwergewichten im DAX. Doch der Aufstieg soll noch weitergehen, wie CEO Armin Papperger auf der virtuellen Hauptversammlung am Dienstag (13. Mai) betonte: „Wir gehen davon aus, dass wir noch erhebliches Potenzial haben.“
Das belegen auch die Zahlen: Im ersten Quartal 2025 wuchs der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 46 Prozent auf 2,31 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg um 49 Prozent auf 199 Millionen Euro – ein neuer Höchstwert.
Angesichts der geopolitischen Lage mit einem Krieg in der Ukraine, der Deutschland, die EU und sonstige Nato-Staaten zur Aufrüstung treibt, sind die militärischen Geräte von Rheinmetall gefragter denn je.
Doch auch bei einem Frieden oder Waffenstillstand zwischen dem Aggressor Russland und der überfallenen Ukraine – auf den der Vorstand ausdrücklich hofft, wie Pappenberg erklärte – bleibt Rheinmetall im Geschäft: Die Nato-Staaten geraten zunehmend unter Druck, künftig 3,5 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben. Europaweit könnten sich die Verteidigungsausgaben auf 700 bis 1.000 Milliarden Euro jährlich belaufen.
Geopolitik, Milliardenmärkte und Panzerpläne: Rheinmetalls Wachstumsstrategie bis 2030
„Auf dieser Grundlage sehen wir bis zum Jahr 2030 für Rheinmetall ein Potenzial, das in der Summe zwischen 300 und 400 Milliarden Euro liegt“, rechnete Papperger vor. Zudem rüste Russland weiterhin massiv auf, produziere etwa 1.500 Kampfpanzer pro Jahr und wolle bis 2029 etwa 1,5 Millionen aktive Soldaten haben – „so viele wie die fünf stärksten Nato-Nationen gemeinsam im Bestand haben“, betonte der Konzernchef. In vier Jahren müsse Europa in der Lage sein, einen möglichen russischen Angriff auf Nato-Territorium abzuwehren. Passend dazu kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner ersten Regierungserklärung am 14. Mai an, die Bundeswehr zur stärksten Armee Europas ausbauen zu wollen.
Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Rheinmetall einen Umsatz von 9,8 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von rund 1,49 Milliarden Euro. Bis 2027 sollen diese Kennzahlen auf 20 Milliarden beziehungsweise 3,6 Milliarden Euro steigen.
Rheinmetall is global vernetzt: Neue Partner in den USA und Italien stärken die internationale Expansion
Doch nicht nur in Deutschland werde der Konzern die Expansion vorantreiben. Längst hat Papperger Kooperationen im Ausland gestartet. So sind neben der Geschäftsausweitung der US-Unit des Unternehmens, American Rheinmetall, auch Kooperationen mit US-Rüstungsunternehmen wie dem Start-up Anduril oder dem Verteidigungs- und Luftfahrtkonzern Lockheed Martin geplant. In Italien erwirtschaftet Rheinmetall bereits über drei Tochtergesellschaften einen Umsatz von knapp einer Milliarde Euro. Zudem besteht ein Joint Venture mit dem italienischen Rüstungskonzern Leonardo S.p.A., das unter anderem Kampfpanzer sowie moderne Landessystemprogramme herstellt.
„Wir sind eines der am schnellsten wachsenden Verteidigungsunternehmen weltweit und auf dem Weg zum globalen Champion“, erklärte Papperger und verwies zudem auf das massive Investitionsvolumen von rund acht Milliarden Euro, das den Expansionskurs der vergangenen beiden Jahre vorangetrieben hätte.
Über 70.000 Bewerbungen im ersten Quartal – Rheinmetall-Chef Papperger drängt in den Weltraum
Mit dem Wachstum steigen auch die Beschäftigtenzahlen: Aktuell zählt Rheinmetall Ende 2024 weltweit rund 30.000 Mitarbeitende – bereits im ersten Quartal bewarben sich rund 70.000 Menschen bei dem Rüstungskonzern. Im Zuge der internationalen Expansion und der Auftragslage im Verteidigungsbereich soll die Belegschaft in den kommenden Jahren weiterwachsen – insbesondere in der Fertigung und in hoch spezialisierten Entwicklungsbereichen.
Papperger kündigte zudem an, den zivilen Bereich des Unternehmens – insbesondere die Sparte für Autoteile – verkaufen zu wollen. Die Standorte in Berlin und Neuss sollen künftig militärisch genutzt werden. Das umfasst im Wesentlichen das Geschäft mit Autoteilen. Darüber hinaus nimmt der Rüstungskonzern auch das Weltall ins Visier. Konkret will Rheinmetall gemeinsam mit dem finnischen Partner Iceye in die Satellitenproduktion einsteigen. Und auch hier passt das politische Timing wieder: Erstmals überhaupt trägt ein Bundesministerium das Thema Raumfahrt im Titel – geleitet von CSU-Politikerin Dorothee Bär (BMFTR). „Eine ganze Gesellschaft wird von der Forschung im Weltraum profitieren“, erklärte die neue Ministerin.
Politischer Einfluss, Kritik von links: Der Rüstungs-Erfolg von Rheinmetall spaltet die Debatte
Darüber hinaus sind die Kontakte in die Politik von Papperger und Co. ohnehin vortrefflich: Sigmar Gabriel, ehemaliger Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler, wurde auf der Hauptversammlung erneut in den Aufsichtsrat gewählt. Kritik an dem Rüstungskonzern kam dagegen noch am Abend von der Linkspartei: Der Parteivorsitzende Jan van Aken erklärte recht perplex, dass er vor ein paar Jahren zwei Rheinmetall-Aktien für 180 Euro gekauft hätte, die heute 3400 Euro wert seien. Dann schob er bitter nach: „Ich kann mich so darüber aufregen, wie viele Menschen Millionäre werden an diesem Krieg!“
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