Wärmewende

Wärmepumpen-Boom: Rheinmetall steigt ins Heizungs-Geschäft ein – offenbar Deal mit Viessmann

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In der Heizungsbranche geht es drunter und drüber. Nach dem Viessmann-Deal wird klar, dass die Wärmepumpe einen Boom erleben wird. Medienberichten zufolge steigt deshalb auch Rheinmetall ein.

Berlin – Das Düsseldorfer Rüstungsunternehmen produziert künftig Bauteile für Wärmepumpen – und zwar vermutlich für den hessischen Mittelständler Viessmann, der kürzlich für 12 Milliarden Euro an die USA verkauft wurde. Darüber berichtete das Handelsblatt und beruft sich dabei auf Kreise in beiden Unternehmen – offiziell bestätigen will das aber niemand.

Im Kern geht es darum, dass Rheinmetall Ende 2022 den Auftrag erhalten hat, Kältemittelverdichter im Wert von 770 Millionen Euro zu produzieren. Die Verdichter sind eines der wichtigsten Bauteile in der Wärmepumpe. Rheinmetall wollte nicht bestätigen, von wem der Auftrag kam, das Handelsblatt schreibt aber von Viessmann als Auftraggeber.

Heizungs-Gesetz verändert die Branche

Nachdem der Deal um Viessmann bekannt wurde, war die Aufregung groß. Viele sorgten sich darum, dass durch die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes der deutsche Mittelstand überfordert wird und das Geschäft an ausländische Firmen verloren wird. Wenn nun ein Dax-Konzern wie Rheinmetall in die Branche einsteigt, könnte sich das aber drehen. Laut Handelsblatt gibt es aktuell noch nicht viele Unternehmen, die Verdichter in solchen Mengen zuliefern können. Ein anonymer Insider wird zitiert mit dem Satz: „Wenn es Viessmann gelingt, den Verdichter-Bezug auf Rheinmetall umzustellen, haben die einen großen Wettbewerbsvorteil.“

Das Rheinmetall Logo auf dem Rheinmetall Gebäude in Düsseldorf.

Der Zeitung zufolge ist der Deal zwischen Rheinmetall und Viessmann zunächst für die nächsten zwei Jahre befristet. Für den Dax-Konzern sind Wärmepumpen zwar ein neues Geschäftsfeld – die Verdichter sind aber eigentlich kein Neuland für den Autozulieferer. Ähnliche Bauteile werden nämlich schon in der Automobilbranche gebraucht und von Rheinmetall hergestellt.

Heizungs-Boom für viele attraktiv

Die Nachricht um Rheinmetall zeigt erneut, wie unter anderem durch die Ampel-Pläne zur Wärmewende auf einmal viel Bewegung in die Branche kommt. Neben dem Verkauf von Viessmann hat in dieser Woche auch der größte deutsche Heizungsbauer Thermondo angekündigt, ab sofort keine Ölheizungen mehr einzubauen – und stattdessen voll und ganz auf die Wärmepumpe zu setzen.

Die Heizungsbranche hat im Frühjahr 2023 so viele Heizungen wie seit Jahren nicht mehr verkauft. Nach 980.000 verkauften Heizungen im gesamten Jahr 2022 hält der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie in diesem Jahr mehr als eine Million verkaufte Anlagen für möglich. Dies wären laut BDH-Abteilungsleiter Ralf Kiryk so viele wie zuletzt Mitte der 1990er Jahre. Besonders stark wuchs die Sparte der Wärmepumpen, die Verkaufszahlen stiegen hier um 111 Prozent.

Allerdings sind es nicht nur die klimaneutralen Wärmepumpen, die besonders häufig verkauft werden. Mehr als die Hälfte der neuen Anlagen wird den Angaben zufolge mit Gas befeuert. Der Verband verzeichnete hier eine Zunahme um 14 Prozent. Bei Ölheizungen verdoppelten die Hersteller ihren Absatz im Vergleich zum Vorjahr sogar und verkauften 21.500 Anlagen.

Rubriklistenbild: © David Young/dpa/Archivbild

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