VonPatricia Huberschließen
Die Riester-Rente soll reformiert werden. Welche Änderungen die Ampel für die Altersvorsorge plant und was gleich bleiben soll, im Überblick.
Berlin – Die Riester-Rente steht schon seit längerem in der Kritik. Verbraucherschützer sehen die staatlich geförderte private Altersvorsorge als gescheitert an. Inzwischen gibt es zahlreiche attraktivere Möglichkeiten, um für die Rente vorzusorgen. Jetzt geht der Riester-Rente an den Kragen – mit neuen Vorschlägen für eine Reform. Wir klären die wichtigsten Fragen.
Was ist das Problem beim Riester-System?
Die bisherige Riester-Rente ist kein Erfolgsmodell. Eigentlich sollte die staatlich geförderte lebenslange private Rente Bürgern Sicherheit bringen, deren gesetzliche Rente perspektivisch nicht ausreichen wird. Sie wird mit staatlichen Zulagen und Steuervorteilen gefördert. Außerdem sind Anbieter verpflichtet, eingezahlte Beiträge zu 100 Prozent zu garantieren, sodass man kein Risiko eingeht. Doch deswegen sind die Renditechancen auch enorm eingeschränkt. Zugleich fallen hohe Abschluss- und Verwaltungskosten an, die an Versicherungen und Finanzinstitute gehen. Viele haben sich daher bereits entschieden, nicht weiter in ihre Riester-Verträge einzuzahlen.
Wie viele Riester-Verträge gibt es derzeit?
Nach Zahlen der deutschen Versicherungswirtschaft gibt es derzeit rund 16 Millionen Riester-Verträge. Rund zehn Millionen davon sparen über einen klassischen Versicherungsvertrag – Banksparpläne und Investmentfondsverträge sind weniger verbreitet. Zuletzt wurden jedoch immer weniger Riester-Verträge abgeschlossen. In der Bundesregierung sorgt man sich deshalb, dass die Menschen nicht ausreichend fürs Alter vorsorgen. Im Koalitionsvertrag einigten sich SPD, Grüne und FDP daher darauf, eine Reform zu prüfen.
Was soll sich jetzt bei der Riester-Rente ändern?
Die Arbeitsgruppe schlägt nun mehrere Produkte vor, mit denen die Vorsorgenden je nach eigener Risikobereitschaft mehr Rendite herausholen können. So könnten auch Altersvorsorge-Produkte mit geringeren Garantien und dafür höheren Renditemöglichkeiten angeboten werden. Eine große Rolle soll ein Altersvorsorgedepot spielen, bei dem das Geld zum Beispiel in börsengehandelten Indexfonds (ETFs) angelegt wird. Um die staatliche Förderung zu kassieren, müsste das Depot bis zum Erreichen des Rentenalters bestehen bleiben.
Auch bei Versicherungsmodellen soll mehr Risiko zugelassen werden – dadurch, dass nicht mehr 100 Prozent, sondern weniger der eingezahlten Beiträge garantiert werden. So könnten die Versicherer die Beiträge gewinnbringender am Kapitalmarkt anlegen. Zudem sollen Anbieterwechsel einfacher werden. Konkurrierende Produkte sollen über eine Internetseite zu vergleichen sein.
Was bleibt bei der Riester-Rente gleich?
Beibehalten will die Expertengruppe aus Politikern, Wissenschaftlern, Sozialpartnern und Verbraucherschützern die Art und Weise der staatlichen Förderung: Es soll weiter Zulagen, besondere Zuschüsse für junge Menschen und Menschen mit geringem Einkommen sowie die Möglichkeit des steuerlichen Sonderausgabenabzugs geben. Unklar ist noch, ob die Grenze von 2100 Euro dafür angehoben wird. Bleiben soll auch das Prinzip, dass in der Investitionsphase keine Steuern anfallen, dafür aber dann bei Auszahlung – wenn der Steuersatz wegen des geringeren Einkommens im Rentenalter wahrscheinlich niedriger ist.
Was heißt das für meinen Riester-Vertrag?
Bestehende Riester-Verträge sollen weiter gelten – es sei denn, alle Vertragsparteien stimmen einer Änderung zu.
Wie geht es jetzt weiter?
Bei den Plänen handelt es sich bisher nur um Vorschläge der Expertenkommission. Das Finanzministerium plädiert für eine schnelle politische Verständigung auf Basis des Expertenvorschlags. Nächster Schritt wäre, einen Gesetzentwurf zu erarbeiten. Dieser müsste dann von den anderen Ressorts geprüft und vom Kabinett verabschiedet werden, bevor er in den Bundestag kommen kann. (ph/dpa)
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