Strompreis 2024

Wie Habeck höhere Netzentgelte verhindern will

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Der Strompreis bleibt hoch. Bundeswirtschaftsminister Habeck hat nun erklärt, wie er Verbraucherinnen und Verbraucher vor hohen Entgelten schützen will.

Berlin – Die Stromnetzentgelte sind auf einem hohen Niveau – binnen der vergangenen 15 Jahre haben sie sich gar verdoppelt. Und auch 2024 werden die Strompreise und Netzentgelte in Deutschland erneut steigen. Die beiden großen Energiekonzerne EnBW aus Baden-Württemberg und EWE aus Oldenburg kündigten bereits an, ihre Strompreise zum 01. April anzuheben.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat nun erklärt, private Haushalte und Unternehmen vor einem potenziell noch stärkeren Anstieg der Strompreis-Netzentgelte bewahren zu wollen. Dafür prüfe die Ampel-Koalition aktuell die Möglichkeit eines sogenannten Amortisationskontos, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Mit dem neuen Instrument soll verhindert werden, dass die Netzentgelte infolge des umfangreichen und teuren Ausbaus der Stromnetze noch stärker ansteigen. „Das Netz muss jetzt ausgebaut werden, aber wenn wir alle Kosten sofort auf die Kunden umlegen, würde es für sie sehr teuer“, sagte Habeck der Wochenzeitung Die Zeit. Für das geplante Wasserstoffnetz im Rahmen der Energiewende existiert ein derartiges Konto bereits.

Habeck will Netzentgelte bis zum kommenden Jahr auf ein stabiles Niveau bringen

Die anfallenden Kosten für den Aufbau eines Wasserstoffnetzes will die Ampel-Koalition über ein gesondertes Konto vorfinanzieren. Wenn zu einem späteren Zeitpunkt mehr Verbraucherinnen und Verbraucher an das Netz angeschlossen sein werden und die Entgelteinnahmen die Kosten für Netzaufbau und -betrieb übertreffen, soll der entstandene Fehlbetrag im Konto wieder ausgeglichen werden.

Strommasten bei Stahnsdorf in Brandenburg

Habeck fügte an, es sei wünschenswert, wenn im kommenden Jahr eine Lösung vorliege, um die Netzentgelte final zu stabilisieren. Im Zuge der Energiewende müssen die Stromnetze in Deutschland stark ausgebaut werden. Das dient auch logistischen Zwecken wie dem, dass etwa in Norddeutschland produzierter Strom aus Windenergie in die großen Verbrauchszentren im Süden Deutschlands gelangen kann.

Netzentgelte bereits seit Streichung des Bundeszuschusses auf hohem Niveau

Netzkosten werden über die Netzentgelte refinanziert, die Bezieher von Strom in ihrer Rechnung bezahlen. Weil in weiten Teilen Nord- und Nordostdeutschlands wegen des starken Ausbaus erneuerbarer Energien viel in die Netze investiert wird, sind die Entgelte dort merklich höher als in anderen Regionen Deutschlands.

Die Bundesregierung hatte im Dezember im Zuge der Haushaltskrise beschlossen, den Bundeszuschuss zum Netzentgelt in Höhe von 5,5 Milliarden Euro 2024 zu streichen. Die vier großen Fernleitungsbetreiber Tennet, Amprion, 50Hertz und Transnet BW kündigten daraufhin an, die Entgelte zum Jahreswechsel von 3,1 auf 6,4 Cent pro Kilowattstunde um mehr das doppelte anzuheben.

Daraufhin hatte die Bundesnetzagentur ein Konzept zur Entlastung von Haushalten in Teilen des Landes vorgeschlagen, in denen die Strom-Netzentgelte durch den starken Ausbau von Wind- und Solarstromanlagen besonders hoch sind. Die neuen Regeln sollen frühestens am 1. Januar 2025 in Kraft treten. 

Strompreise werden auch 2024 weiter steigen – zwei Anbieter haben Preiserhöhungen zum 01. April bekannt gegeben

Ab 1. April dieses Jahres werden mit EnBW und EWE zwei große Energiekonzerne die Strompreise für Verbraucher erneut anheben: EnBW-Kunden werden durch eine Erhöhung von 15,9 Prozent des bisherigen Strompreises zur Kasse gebeten. Und auch bei EWE müssen Kunden ab 1. April tiefer in die Tasche greifen. Bei einem musterhaften Stromverbrauch von 2600 Kilowattstunden im Jahr würde der neue Tarif umgerechnet 62 Euro mehr im Jahr bedeuten. (fh)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Rainer Keuenhof

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