Geldpolitik

Krisensitzung in Russland: Zentralbank hebt nach Rubel-Talfahrt den Leitzins auf 12 Prozent

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Die Talfahrt des Rubel setzt die russische Notenbank, die Bank Rossii, unter Druck: Sie erhöht den Leitzins um 3,5 Prozentpunkte. Die bisherige Geldpolitik wurde vom Kreml kritisiert.

Moskau - In einer Krisensitzung hat die russische Notenbank auf den Verfall des Rubel reagiert und den Leitzins kräftig angehoben. Sie erhöhte den Schlüsselzins am Dienstag von 8,5 Prozent auf 12 Prozent. Hintergrund ist die Talfahrt der Landeswährung, die zu Wochenbeginn zum Dollar zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit fast 17 Monaten abgerutscht war.

Erst vor wenigen Wochen erhöhte die Notenbank den Leitzins zuletzt auf 8,5 Prozent. Die nächste reguläre geldpolitische Sitzung steht erst am 15. September an. Offenbar brachte der Verfall des Rubel die Notenbank nun unter Zugzwang. Die Bank Rossii hatte bereits für September eine Zinserhöhung signalisiert.

Der Rubel: Erreichte zu Wochenbeginn zwischenzeitlich den tiefsten Stand seit fast 17 Monaten zum Dollar.

Spannungen zwischen russischer Notenbank und Kreml

Zuletzt war es zu Unstimmigkeiten zwischen dem Kreml und der Notenbank gekommen. Maxim Oreschkin, der Wirtschaftsberater von Präsident Wladimir Putin, hatte kritisiert, dass die Hauptursache für die Schwächung des Rubel und die Beschleunigung der Inflation die lockere Geldpolitik sei. Die Notenbank vertrat hingegen die Ansicht, dass Zinsschritte keinen direkten Einfluss auf den Wechselkurs hätten.

Seit dem Sommer 2022 ist die Währung zwar auf einem Abwärtskurs. Die Währungshüter haben mit einer flexiblen Zinsreaktion jedoch maßgeblich dazu beigetragen, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und der westlichen Sanktionen gegen Russland abzufedern. Sie hatten wenige Tage nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine unter dem Eindruck des damaligen Rubel-Kurssturzes den Leitzins von 9,5 Prozent auf 20 Prozent erhöht. (row/Reuters)

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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