- VonMark Simon Wolfschließen
Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS verzeichnet Rekordeinnahmen. Die Aufträge belaufen sich auf ein Volumen von 23,5 Milliarden Euro – steht ein Börsengang bevor?
Amsterdam – Die Rüstungsindustrie boomt – das spürt auch der deutsch-französische Panzerhersteller KNDS. In einer Bilanzpressemitteilung verkündete der Konzern einen Umsatzanstieg auf 3,8 Milliarden Euro (2023: 3,3 Milliarden Euro). Das positive Ergebnis ist auch auf die gute Auftragslage zurückzuführen: 2024 seien die Bestellungen um 40 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro gestiegen – was zum zweiten Mal in Folge ein Rekordergebnis bedeutete. Insgesamt standen Ende des Jahres Aufträge mit einem Volumen von über 23,5 Milliarden Euro in den Büchern – rund 15 Prozent mehr als noch 2023.
Deutsch-französischer Rüstungskonzern KNDS erzielt Rekordergebnis – und ist weiter auf Expansionskurs
KNDS entstand 2015 aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und dem französischen Staatsunternehmen Nexter. Der Konzern befindet sich im Besitz der deutschen Familie Wegmann und des französischen Staates und hat seinen Firmensitz in Amsterdam in den Niederlanden. Haupttreiber für das gute Jahresergebnis seien Aufträge für die Kampfpanzermodelle Leopard 2 A8 und Leclerc, das selbstfahrende Artillerie bzw. Haubitzensystem RCH 155 für die Ukraine sowie ein gepanzertes 8×8-Radfahrzeug (Boxer) für das NATO-Mitglied Litauen. Hinzu kommt eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Munition, die speziell von den europäischen Staaten seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs forciert wurde.
In der Mitteilung sprach der Konzern von einem „starken organischen Wachstum“, das eine „zufriedenstellende Rentabilität im Einklang mit den Erwartungen der Branche“ erzielt habe. Auch auf Personalebene ist KNDS auf Expansionskurs: Mit fast 1000 Neueinstellungen im Jahr 2024 ist die Belegschaft auf über 10.000 angewachsen und soll bis 2025 auf 11.000 steigen. Das gilt ebenso für die strategische Ausrichtung des Konzerns: So wolle man als Reaktion auf die erhöhte Nachfrage im Zuge der geopolitischen Verwerfungen weltweit die industrielle Präsenz in Europa stärken. Dazu zähle auch eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit den europäischen Nationen sowie der von Russland angegriffenen Ukraine.
Börsengang im Jahr 2025? Wegen komplexer Eigentümerstruktur: wohl nur IPO von kleinem Teil des Konzern
Unerwähnt ließ der Konzern allerdings die anhaltenden Gerüchte um einen möglichen Börsengang. Insider berichteten gegenüber Reuters, dass ein IPO noch im Laufe des Jahres 2025 angestrebt werde. Der frühere KNDS-Chef Frank Haun schätzte den potenziellen Börsenwert des Unternehmens auf sieben bis neun Milliarden Euro. Gegenüber der WirtschaftsWoche sagte Haun im November 2024, ein Börsengang sei „eine Option“, über die „letztlich unsere Eigentümer entscheiden“. Auf Haun, der Ende 2024 in den Ruhestand ging, folgt im April 2025 Jean-Paul Alary. Der Franzose kommt vom Triebwerkshersteller Safran. Aufgrund der komplexen Eigentümerstruktur – die Anteile liegen zu gleichen Teilen bei der Familie Wegmann und dem französischen Staat – ist noch unklar, wie ein Börsengang konkret ausgestaltet werden könnte.
Als wahrscheinlich gilt, dass nur ein kleiner Anteil von KNDS an den Kapitalmarkt gebracht wird, um die Kontrolle beider Eigentümer zu sichern. Bei einem seiner wichtigsten Zulieferer, dem Augsburger Panzergetriebehersteller Renk, ist KNDS beim Börsengang im Herbst 2023 bereits als Ankerinvestor eingestiegen und hält aktuell 25,1 Prozent der Anteile. Trotz einiger Kooperationen, wie etwa bei dem Boxer für Litauen, ist KNDS einer der größten Konkurrenten des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall.
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