„Schlicht Fantasie“

Russische Bank in der Krise – Milliardenverluste nach Putin-Plan

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Russlands Bankensystem unter Druck: Ein Finanzriese meldet massive Verluste. Insider sehen größere Probleme kommen. Ein Putin-Plan ist mitverantwortlich.

Moskau – Westliche Sanktionen schränken Russlands Finanzsektor immer weiter ein. Unter anderem trieben diese Russland bereits dazu, im Handel mit einigen Ländern auf Tauschgeschäfte zurückzugreifen. Wesentlich ernster aber ist ein besonderer Plan des Kremls, der immer mehr nach hinten losgeht. In Russlands Banken kommt immer mehr Sorge auf. Jetzt berichtet eine von Russlands größten Banken massive Verluste.

Rückschlag für Russlands Wirtschaft – wichtige Bank meldet massive Verluste

Russlands zweitgrößte Bank, die VTB Bank PJSC, sieht anscheinend einen anhaltenden Rückgang ihrer Profite aus dem Geldverleih voraus. Damit heizt sie Gerüchte und Sorgen über ihre Stabilität an – und das mitten in einer Phase wirtschaftlichen Drucks, ausgelöst durch den vom russischen Präsidenten losgetretenen Ukraine-Krieg. Wie das Nachrichtenportal Bloomberg berichtete, ging der Nettozinsertrag der VTB in den sechs Monaten bis Juni, verglichen zum Vorjahr, um 49 Prozent auf 146,8 Milliarden Rubel (1,57 Milliarden Euro) zurück. Das zeigte eine Ergebnispräsentation vom 31. Juli.

Wladimir Putin in Moskau (Symbolfoto). Eine von Russlands größten Banken fährt massive Verluste ein. Insider warnen vor noch größeren Problemen. Dahinter steckt ein Putin-Plan.

Beim Nettozinsertrag handelt es sich um die Differenz zwischen den Zinsen, die eine Bank für Kredite erhält und den Zinsen, die sie für Einlagen zahlt.

Für die VTB Bank bedeutet das den jüngsten Rückgang in ihrem Kerngeschäft. Aus der Führungsetage der Bank ist angeblich zu hören, dass die offiziellen Daten noch nicht den wahren Ernst der Situation wiedergeben. Hier verwies Bloomberg auf mit der Sache vertraute Personen, die aber nicht namentlich genannt werden wollten. Für Russland ist das so kurz vor dem Alaska-Gipfel zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump keine gute Nachricht, wo das Weiße Haus gerade ohnehin den Druck auf Russland erhöht. Zuletzt hatten die USA höhere Zölle für Indien ins Spiel gebracht, als Strafe dafür, dass das Land massiv russisches Öl kauft.

Auf Anfrage durch Bloomberg gab die Pressestelle der Bank allerdings Entwarnung. Dass führende Mitarbeiter der Bank vor einem wesentlich höheren Ernst der Lage warnten, sei „schlicht und einfach Fantasie“. Die Bank führe regelmäßig Stresstests und alle notwendigen Geschäftsanalysen durch und sei „absolut positiv“. Allerdings ist es schwierig, einen vollständigen Einblick in die tatsächlichen Zahlen zu erhalten, da gerade bei den kriegsbezogenen Schulden keine umfassende Transparenz herrscht.

„Toxische Schulden“ in Russlands Bankensektor – leidet die Wirtschaft unter Putin-Plan?

Diese Schwäche der VTB ist eine direkte Konsequenz aus mehreren Problemen, die sich teils vermischen. Am gravierendsten dabei ist ein spezieller Finanzierungsplan des Kremls. Um den Ukraine-Krieg zu finanzieren, hatte Putin nicht nur das Staatsbudget herangezogen, sondern gleichzeitig früh dafür gesorgt, dass Banken günstige Kredite an Unternehmen vergeben müssen, die an der Rüstungsindustrie hängen.

Marktbeobachter hatten bereits vor Monaten gewarnt, dass der Markt solche Kredite eigentlich nicht hergeben konnte. Für Russlands Bilanzen kam diese Strategie allerdings gelegen – zumindest kurzfristig. Denn so konnte Putin stabilere Wirtschaftszahlen vorlegen als erwartet, was im Westen zunächst für Verwirrung gesorgt hat. Kritisch wurde es jedoch, als die Zentralbank die Leitzinsen innerhalb Russlands auf Rekordniveau anhob; das zweite wichtige Problem bei dieser Entwicklung. Zwischenzeitlich lagen die Leitzinsen bei über 20 Prozent.

Je höher die Zinsen kletterten, umso häufiger sahen sich die Banken Zahlungsausfällen und Schulden-Restrukturierungen der Schuldner ausgesetzt. Der frühere Banker und Finanzexperte Craig Kennedy vom Davis Center der Harvard-Universität sah einen Grundstock an „toxischen Schulden“ in Russlands Markt für Unternehmenskredite wachsen.

Rettung durch den Kreml für Russlands Wirtschaft – Top-Banken planen für Ernstfall vor

All das sind jedoch Prozesse, die eine längere Zeit brauchen, damit die Probleme offensichtlich werden. Allerdings scheinen diese Sorgen verstärkt in Russlands Finanzbranche anzukommen. Das zeigen unter anderem Gespräche von russischen Top-Bankern, die im Juli 2025 darüber diskutierten, wie eine Rettungsaktion des Kremls aussehen könnte, sollte tatsächlich eine Bank zusammenbrechen.

Wie geht es weiter? Schon bis Sommer 2026 könnte Russland eine systemische Bankenkrise drohen. Das berichtete Bloomberg im Juni unter Berufung auf russische Offizielle aus dem Bankensektor. Allerdings hat die russische Zentralbank die Leitzinsen zuletzt geringfügig gesenkt und auch die Inflation entspannt sich angeblich wieder.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Russian Look

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