Frist läuft ab

Russische Wirtschaft „am Boden“ – Trumps Sanktionswarnung bedroht Putins Einnahmen

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Putin riskiert viel. Trumps Sanktionsdrohungen zeigen nur die Spitze des Eisbergs. In Russland dürfte man bei den US-Gesprächen auf Entlastung hoffen.

Washington D.C. – Die Zeit wird für Kremlchef Wladimir Putin knapper – in wenigen Tagen läuft eine Frist aus, die US-Präsident Donald Trump dem Kremlchef gesetzt hatte. Danach sollen Sanktionen für Russlands Handelspartner gelten. Wie ernst es Trump damit nimmt, die russische Wirtschaft zu schwächen, zeigte er am 6. August 2025: Er verhängte Zusatzzölle von 25 Prozent gegen Russlands wichtigen Öl-Abnehmer Indien. Sollte er zu weiteren Maßnahmen schreiten, gibt es so gut wie keinen Ausweg mehr für Russlands Wirtschaft.

Sanktionen gegen Russlands Handelspartner – Trump holt zum Schlag aus

Trotz „nützlicher“ und „konstruktiver“ Diskussionen beim Treffen zwischen den USA und Russland, konnte die russische Seite keinen Kurswechsel bei den Sanktionen erzielen. Ein hochrangiger US-Beamter erklärte, dass am Freitag (8. August 2025) dennoch mit der Umsetzung „sekundärer Sanktionen“ gegen Länder zu rechnen sei, die mit Russland weiterhin Geschäfte führen. Inzwischen bestätigte der Kreml laut Medienberichten sogar ein Treffen zwischen Putin und Trump in den „kommenden Tagen“.

Ukraine-Krieg: Wladimir Putin (r.) will ein Ultimatum von US-Präsident Trump wohl verstreichen lassen.

Trumps harter Sanktionskurs soll Russlands Wirtschaft an einer wunden Stelle treffen: dem Energiesektor. „Putin wird aufhören, Menschen zu töten, wenn der Energiepreis um weitere 10 Dollar pro Barrel sinkt. Er wird keine andere Wahl haben, denn seine Wirtschaft ist am Boden“, sagte der Republikaner jüngst in einem Interview mit CBS. Ein Blick auf die russische Wirtschaftslage und Einschätzungen von Ökonomen befeuern dieses Szenario.

Russlands Wirtschaft geht es nicht gut – Trump legt einen drauf und gefährdet Energieeinnahmen

Um die Dimension von Trumps angekündigten Sekundärsanktionen zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, was für eine große Rolle Einnahmen aus dem Verkauf von Energie an Partner für die russische Kriegskasse spielen. Die Gewinne aus dem Öl-Handel machen weiterhin etwa ein Drittel von Putins Haushalt aus, aufgrund des weltweiten Rückgangs der Ölpreise und westlicher Sanktionen wuchs der Druck auf die staatlichen Finanzen. Bloomberg zufolge musste Putin bei den Öleinnahmen im Zeitraum zwischen Juli 2024 und Juli 2025 einen Rückgang von etwa einem Drittel hinnehmen.

Sollte Trump weitere Sekundärsanktionen gegen Russlands Wirtschaft verhängen, könnten sie Putins Einnahmen aus dem Energiesektor zusätzlich schmälern. Am Beispiel von Indien zeigen sich erste negative Folgen für die russische Wirtschaft: Indische Raffinerien drosselten die Nachfrage nach russischem Öl, nachdem Trump im Juli Ländern gedroht hatte, die trotz Ukraine-Kriegs russisches Öl einkaufen. Wenn selbst Indien als einer der wichtigsten Öl-Abnehmer Russland im Stich lässt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis weitere Käufer dem folgen werden.

Adalbi Shkhagoshev, Mitglied des Ausschusses für Sicherheit und Korruptionsbekämpfung der Staatsduma, erklärte, weitere US-Sanktionen gegen Russland kämen einem Wirtschaftskrieg gegen Russland und seine BRICS-Verbündeten gleich. Das berichtete das ISW und zitierte aus einem Interview mit dem russischen Medium Tass.

Russlands Wirtschaft im kritischen Zustand – wegen Sanktionen und Ukraine-Krieg

Für Putin könnte also nach Ablauf von Trumps gesetzter Sanktionsfrist das Geld für die Finanzierung des Ukraine-Kriegs ausgehen. Doch genau diese Investitionen, also Investitionen in den Ukraine-Krieg, bremsen das Wirtschaftswachstum in Russland aus. Während Putin mehr Geld ins Militär und in die Rüstungsindustrie über die Jahre gepumpt hat, haben andere Branchen stark unter der Kriegswirtschaft gelitten. Unternehmen müssen Insolvenz anmelden und können die hohen Kredite infolge des hohen Leitzinses nicht mehr tilgen.

Auch innerhalb der Bevölkerung verbreitet sich Unsicherheit aufgrund der wirtschaftlichen Instabilität: Verbraucherausgaben, die die Binnenwirtschaft stärken, sind laut Daten des russischen Ministeriums für Industrie und Handel stark zurückgegangen. Demnach ist Pkw-Markt zwischen Juli 2024 und Juli 2025 um 24 Prozent eingebrochen, weil die inländischen PKW-Käufe zurückgingen.

Wachstumstrend in Russlands Wirtschaft neigt sich dem Ende zu

Die Auswirkungen der Kriegswirtschaft werden das russische Wirtschaftswachstum auch weiterhin ausbremsen. Der IWF rechnet 2025 für Russlands Wirtschaft nur noch mit einem Wachstum von 0,9 Prozent, die russische Zentralbank prognostiziert ein Wachstum zwischen ein bis zwei Prozent. Dass beide Prognosen das Wachstum der russischen Wirtschaft derart herunterstufen, dürfte für nicht nur für Putin selbst, sondern auch für wichtige Branchen beunruhigend sein (der Vorjahreswert für das russische Wirtschaftswachstum betrug 4,1 Prozent).

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