VonLars-Eric Nievelsteinschließen
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen bereitet mit Trump neue Russland-Sanktionen vor. Ziel: Vollständiger Stopp der russischen Öl-Exporte.
Brüssel – Die russische Wirtschaft wird mittlerweile durch 18 Sanktionspakete der Europäischen Union belastet. Bald könnten neue Sanktionen hinzukommen, denn die EU-Kommission plant bereits das 19. Paket. Parallel dazu hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, nach einer längeren Schonphase wieder bereit zu sein, Russland zu sanktionieren. Allerdings müssen die Nato-Verbündeten dafür bestimmte Bedingungen erfüllen. Eine dieser Bedingungen ist, dass kein Nato-Land mehr russisches Öl kaufen darf. Trump hat darüber mit der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gesprochen.
EU und USA schmieden Allianz gegen Putin – neue Sanktionen sollen Russlands Wirtschaft treffen
Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission, betonte, dass die EU die Zusammenarbeit mit den USA intensivieren möchte, um den wirtschaftlichen Druck auf den Kreml zu erhöhen. Dies erklärte sie nach einem „guten“ Telefonat mit US-Präsident Trump. Der Energiesektor sei eine wesentliche Einnahmequelle für Russlands Kriegswirtschaft, die Kreml-Chef Wladimir Putin zur Finanzierung des Ukraine-Kriegs nutze. „Um das zu beenden, wird die EU-Kommission vorschlagen, den Ausstieg aus russischen Importen fossiler Brennstoffe zu beschleunigen“, sagte von der Leyen.
Diese Pläne verfolgt die EU schon seit einiger Zeit. Im Juni 2025 schlug die Europäische Kommission eine neue Verordnung vor, die einen schrittweisen Ausstieg aus der Einfuhr von Pipeline-Gas und Flüssigerdgas (LNG) aus Russland vorsieht. Zudem soll der Import von russischem Öl bis Ende 2027 vollständig eingestellt werden. Die Mitgliedstaaten müssen laut EU-Vorschlag Diversifizierungspläne mit konkreten Maßnahmen und Meilensteinen für diesen schrittweisen Ausstieg vorlegen.
EU plant Ausstieg aus russischem Gas und Öl – Ziel bis 2027
Der aktuelle Plan sieht vor, dass ab dem 1. Januar 2026 keine neuen Verträge für russische Gasimporte mehr abgeschlossen werden dürfen. Bestehende Kurzfrist-Verträge sollen bis zum 17. Juni 2026 auslaufen. Langfristige Pipeline-Gaslieferungen an Binnenländer sind bis Ende 2027 weiterhin möglich.
Auch langfristige Verträge für LNG-Terminaldienste, die russische Kunden oder Unternehmen unter russischer Kontrolle betreffen, fallen unter das Verbot. Die EU möchte so sicherstellen, dass die Terminalkapazitäten auf alternative Anbieter umgeleitet werden können, um die Widerstandsfähigkeit der Energiemärkte zu stärken.
Die russische Kriegswirtschaft, die sich aus den Einnahmen aus dem fossilen Brennstoffsektor speist, finanziert das Blutvergießen in der Ukraine.
Dies ist jedoch zunächst nur ein Vorschlag. Der Europäische Rat und das Europäische Parlament müssen für die Umsetzung sorgen. Zudem hat Trump den vollständigen Stopp aller russischen Energieexporte in Nato-Länder gefordert. Ob ein beschleunigter Ausstieg ihn zufriedenstellen wird, bleibt abzuwarten.
Öl-Einnahmen brechen ein – Rückschlag für Russlands Wirtschaft
Momentan nimmt die EU noch russische Energieexporte in Millionenhöhe ab und füttert Putins Haushaltskasse. Wie das Statistikamt Eurostat berichtete, betrug der Anteil russischen LNG (Flüssigerdgas) in allen EU-Importen im zweiten Quartal 2025 immer noch bei 14 Prozent. Das bedeutet zwar bereits ein deutliches Minus, verglichen mit den 22 Prozent aus dem ersten Quartal von 2021, aber der europäische Kaufwille endet nicht beim LNG.
Beim aus Russland importierten Erdgas beträgt der Anteil an allen EU-Importen noch zwölf Prozent (zweites Quartal 2025). Beim Öl wiederum zeigt der Ausstieg drastische Wirkung: Die EU verringerte den russischen Anteil von 27 Prozent im Jahr 2021 auf nurmehr drei Prozent aller EU-Rohölimporte.
Soweit jedenfalls die offiziellen Zahlen. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass Putin via der berüchtigten Schattenflotte trotzdem Öl und Gas in unbekannten Mengen in die EU schmuggelt. Diese Schattentanker arbeiten mit Verfälschung ihrer Schiffsortungssoftware und fahren unter falscher Flagge, um zu verschleiern, wer da was wohin liefert. Vereinzelt sollen Schattentanker jedoch dabei erwischt worden sein, russisches Öl in europäischen Häfen abzuladen.
19. Sanktionspaket steht in den Startlöchern – Russlands Banken und Energiesektor betroffen?
Zuletzt bereitet die EU das mittlerweile 19. Sanktionspaket gegen Russlands Wirtschaft vor. In ihrer Nachricht auf X gab von der Leyen an, dass die Kommission dieses „bald“ präsentieren wolle. Was genau es enthält, ist noch unbekannt, aber die Kommissionspräsidentin sprach grob davon, dass „Krypto, Banken und Energie“ betroffen sein sollen.
Der russische Energiesektor steckt derzeit in einer tiefen Krise. Selbst Öl-Giganten wie Lukoil haben zuletzt massive Einbrüche bei ihren Gewinnen berichtet. Im Kohlesektor steht – Warnungen aus der Branche zufolge – eine Insolvenzwelle bevor, und außerdem hat der Kreml Probleme im Bankensektor. Die Inflation beträgt immer noch 8,1 Prozent (Trading Economics) und die Zentralbank senkt den Leitzins (17 Prozent) nur langsam. Entsprechend teuer ist die Kreditaufnahme für Unternehmen, was in den großen Banken bereits Sorge auslöst.
Rubriklistenbild: © IMAGO / ZUMA Press Wire, IMAGO / NurPhoto, IMAGO / Martin Bertrand

