Mehr Geld für Putins Kriegskasse: China umgeht Russland-Sanktionen wohl mit Trick
VonBona Hyun
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China und Russland rückten in den letzten Jahren vermehrt zueinander. Laut einem Bericht umgeht China nun auch Sanktionen für Putin durch ein Schlupfloch.
Moskau – Recherchen zufolge haben chinesische Firmen und der russische Kupferproduzent RCC russisches Kupfer als Schrott getarnt, um Sanktionen zu umgehen. Die Idee dahinter: Das als Schrott getarnte Kupfer ermöglicht es sowohl Russland als auch China, von den unterschiedlichen Handelszöllen zu profitieren. Das geschredderte Metall lasse sich außerdem schwerer zurückverfolgen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Quellen.
Sanktionen aus russisches Metall: Trotzt China dem Westen?
Kupferwalzdraht wurde in Chinas abgelegener Region Xinjiang von einem Zwischenhändler geschreddert, um ihn schwer von Schrott unterscheiden zu können, heißt es im Reuters-Bericht. Die Recherchen sind besonders vor dem Hintergrund brisant, dass der Westen verkündet hat, den Handel mit russischem Metall stark einschränken zu wollen.
Erst am Sonntag (14. April) hatten die USA und Großbritannien wegen des Ukraine-Kriegs ihr Einfuhrverbot von russischen Metallen ausgeweitet. Nach dem 13. April produziertes Aluminium, Kupfer und Nickel aus Russland werde künftig nicht mehr an den beiden größten Metallbörsen der Welt in London und Chicago gehandelt, teilten das amerikanische und das britische Finanzministerium in der Nacht zu Samstag mit. Russische Metallproduzenten würden von den Gewinnen der London Metal Exchange und der Chicago Mercantile Exchange ausgeschlossen.
Westliche Sanktionen gegen Russland sollen Putins Einkünfte schmälern
Ziel sei es, eine weitere Einnahmequelle für die Kriegskasse von Wladimir Putin zu drosseln. Das betonte auch US-Finanzministerin Janet Yellen. Die Verbote sollten die Einkünfte schmälern, „die Russland erzielen kann, um seinen brutalen Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen.“ Ähnlich äußerte sich der britische Finanzminister Jeremy Hunt. Er sagte, durch die Maßnahme, russische Metalle von den beiden größten Börsenplätzen zu verbannen, solle verhindert werden, „dass der Kreml noch mehr Geld in seine Kriegsmaschinerie fließen lässt.“
Die USA hatten bereits Zölle auf verschiedene russische Metallimporte eingeführt. Nun wurde die Einfuhr von neu produzierten Aluminium, Nickel und Kupfer aus Russland verboten. Großbritannien erließ den Angaben zufolge bereits im Dezember ein Gesetz zum Verbot der Einfuhr russischer Metalle.
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Russlands Wirtschaft wegen Sanktionen immer abhängiger von China
Kurz nach Verkündung der jüngsten Sanktionen auf russisches Metall, warnte die Nachrichtenagentur Bloomberg davor, dass Russland nun erst recht mehr Metalle nach China liefern könnte. Alleine im Jahr 2023 erwirtschaftete der russische Aluminiumgigant United Rusal International 23 Prozent seines Umsatzes in China. Im Jahr 2022 waren es nur acht Prozent.
Der hochrangige Vertreter der EU-Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell, rechnet damit, dass die russische Wirtschaft aufgrund der Sanktionen und den Auswirkungen des Krieges schrumpfen wird. „Wenn der Krieg weitergeht, wird es nur noch schlimmer werden“, schrieb Borrell in einem Beitrag Anfang April. Borrell ist zudem der Meinung, dass die westlichen Sanktionen wirken. Einnahmen der russischen Wirtschaft aus dem Export fossiler Brennstoffe hätten sich seit dem Frühjahr 2022 halbiert, was auf die Sanktionen der EU zurückzuführen sei. (bohy mit Material von Dpa und Reuters)