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Der russische Wirtschaftsminister schlägt Alarm: Der russischen Wirtschaft droht eine Rezession. Nur die Rüstungsindustrie wächst.
St. Petersburg – Russlands Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg äußerte sich Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow ungewöhnlich deutlich: „Den Zahlen nach haben wir eine Abkühlung, den aktuellen Empfindungen der Unternehmer nach sind wir schon an der Grenze zum Übergang in eine Rezession“.
Russlands Wirtschaft: Kritik an der Zentralbank
Das aktuelle Zinsniveau schreckt Investoren ab, so Reschetnikow. Er schätzt, dass die Investitionen im dritten und vierten Quartal unter dem Niveau des Vorjahres liegen könnten. Am Nachmittag des 20. Juni wird Wladimir Putin auf dem Forum sprechen und seine Sicht auf die wirtschaftliche Lage Russlands darlegen.
Reschetnikow fordert die russische Zentralbank auf, „ein wenig Liebe für die Wirtschaft“ zu zeigen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Zentralbankchefin Elvira Nabiullina verteidigt sich gegen Vorwürfe einer verfehlten Geldpolitik. Sie betont, dass Russlands Wirtschaft trotz Sanktionen durch Importverdrängungsprogramme zwei Jahre lang gewachsen sei, unterstützt durch den Wohlstandsfonds und die Kapitalreserven des Bankensystems.
Sanktionen gegen Russlands Wirtschaft: Spürt Russland jetzt Auswirkungen?
Nabiullina erklärt: „Wir müssen verstehen, dass viele dieser Ressourcen tatsächlich aufgebraucht sind, und wir müssen über ein neues Wachstumsmodell nachdenken“. Um die Inflation zu bekämpfen, hatte die Zentralbank im Oktober des vergangenen Jahres den Leitzins auf 21 Prozent erhöht und kürzlich auf 20 Prozent gesenkt.
Trotz der westlichen Sanktionen hat sich die russische Wirtschaft nach dem Angriff auf die Ukraine überraschend stabil gezeigt. Dies ist vor allem auf die Umstellung auf Kriegsproduktion zurückzuführen. Sergej Tschemesow, ein enger Vertrauter Putins und Leiter der Rüstungsindustrie, prahlte mit einer Steigerung der Produktion von Munition und Waffen um das „Zigfache gegenüber 2021“.
Russlands Wirtschaft: Zivile Unternehmen vor Problemen
Kritiker bemängeln, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Russlands nicht das Potenzial der Wirtschaft widerspiegele, neue Konsumgüter zu produzieren oder den Lebensstandard der Bürger zu erhöhen. Stattdessen zeige es lediglich, dass die Rüstungsindustrie, finanziert durch Haushaltsgelder, vermehrt Drohnen, Raketen und Panzer herstelle.
Zivile Sektoren leiden unter hohen Kosten, Fachkräftemangel und technologischen Rückständen, die durch die Sanktionen verstärkt werden. Der Bau- und Immobiliensektor ist stark betroffen, und auch die Automobilproduktion stockt, seit westliche Hersteller und Zulieferer sich aus Russland zurückgezogen haben. Zwar verkauft China mehr Autos in Russland, produziert jedoch nicht vor Ort.
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