Westen macht ernst

Russlands Wirtschaft zunehmend isoliert – Banken verweigern Putins Geld

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Die Vereinigten Arabischen Emirate distanzieren sich von russischen Finanzinstituten. Der Grund dafür sind Sanktionen. Welche Rolle spielt China in diesem Kontext?

Abu Dhabi – Seit der Verhängung umfangreicher Wirtschaftssanktionen gegen Russland durch die westlichen Verbündeten der Ukraine hat Russland nach Alternativen gesucht, um diese zu umgehen. In einigen Bereichen, wie bei Waffenlieferungen oder der Versorgung mit Öl durch eine Schattenflotte, war das zumindest teilweise erfolgreich. Allerdings hat der Westen insbesondere im Bankensektor nachgebessert, was sich in Form von Sekundärsanktionen bemerkbar macht. Die Folgen dieser Maßnahmen werden immer offensichtlicher.

Sanktionen-Rückschlag für Russlands Wirtschaft: Vereinigte Arabische Emirate distanzieren sich von Putins Banken

Banken in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) haben seit August begonnen, Zahlungen von russischen Unternehmen für elektronische Komponenten und Unterhaltungselektronik aus China abzulehnen. Dies berichtete Kyiv Independent am 28. August unter Berufung auf die kremlfreundliche Zeitung Kommersant. Laut Kommersant scheint das Risiko für die Emirate zu groß zu sein, plötzlich ins Visier von Sekundärsanktionen der USA und ihrer westlichen Verbündeten zu geraten. Russische Firmen hätten Unternehmen in den VAE genutzt, um Geld nach China zu transferieren – die bezahlten Waren sollten dann direkt nach Russland geliefert werden.

Bildmontage aus Russlands Präsidenten Wladimir Putin und dem Stadtbild von Abu Dhabi (Symbolfoto). Die Vereinigten Arabischen Emirate nehmen Abstand von russischen Banken. Auslöser dafür sind Sanktionen. Was hat China damit zu tun?

Dieser Schritt der VAE erfolgte angeblich auf Initiative Chinas. Hintergrund waren neue Sanktionen, die die USA erst in der vorherigen Woche vorgestellt hatten. Am 23. August 2024 hatte das U.S. Department of State etwa 400 neue Sanktionen gegen Unternehmen und Personen bekannt gegeben, die Russland bei der Fortführung des Ukraine-Kriegs unterstützen. Unter den neu sanktionierten Entitäten befanden sich auch chinesische Akteure.

Putins Banken erleiden Rückschlag: China reagiert ebenfalls – Russlands Wirtschaft steht zunehmend allein

Die Maßnahmen der VAE erinnern an ähnliche Schritte, die China bereits vor Monaten unternommen hat. China hatte begonnen, die Handelsbeziehungen seiner Banken zu russischen Geldhäusern einzuschränken. Im Juni hatte beispielsweise die russische Tochtergesellschaft der staatlichen chinesischen Bank of China die Annahme von Zahlungen russischer Banken gestoppt.

Chinesische Institutionen intensivieren ihre Bemühungen, die Geschäftsbeziehungen mit Russland zu reduzieren. Dies stellt ein erhebliches Problem für Russland dar, da China in den letzten Jahren zum wichtigsten Handelspartner geworden ist. In einigen Branchen wurden die Geschäftsbeziehungen zu China als eine Art Lebensader betrachtet. Länder wie China und Indien hatten die westlichen Sanktionen von Anfang an nicht unterstützt und durch ihre Zusammenarbeit ermöglicht, dass Russland zumindest Teile der Sanktionen umgehen konnte. Diese Haltung scheint jedoch allmählich zu bröckeln.

Putin in der Zwickmühle: Westliche Sanktionen üben mehr Druck auf Russlands Wirtschaft aus

Die logistische Zusammenarbeit zwischen China und Russland wird für den russischen Präsidenten Wladimir Putin immer schwieriger. Alexey Poroshin, Generaldirektor der russischen First Group JSC, führt dies unter anderem auf den stark erschwerten Zahlungsverkehr zwischen chinesischen und russischen Banken zurück. Teilweise dauert es bis zu einem halben Jahr, bis Zahlungen zwischen den beiden Großmächten abgewickelt werden.

Die VAE stehen bereits seit Monaten unter erhöhtem Druck des Westens, ihre Unterstützung für Russland einzustellen. Am 1. Mai 2024 berichtete die Nachrichtenagentur Reuters von einem Besuch westlicher Diplomaten in den Emiraten, der darauf abzielte, die VAE zu mehr Engagement bei der Durchsetzung von Sanktionen zu bewegen. Insbesondere sollten die VAE härtere Strafen für Unternehmen einführen, die dabei helfen, die Sanktionen zu umgehen.

Russlands Wirtschaft in der Bredouille: Putins Exporte offenbar ein Thema bei Gesprächen

Laut Quellen der Nachrichtenagentur hatten die Diplomaten eine Reihe von Treffen vereinbart, die unter anderem detaillierte Handelsinformationen über Exporte nach Russland sowie über die Wiederausfuhr von sogenannten Dual-Use-Gütern thematisierten. Dual-Use-Güter sind alle Güter, die sowohl im zivilen als auch im militärischen Sektor eingesetzt werden können.

Ob diese Gespräche tatsächlich stattgefunden hatten, ist nicht bekannt. Allerdings sollen die Emirate kurz darauf tatsächlich Verbote für bestimmte Dual-Use-Güter erlassen haben, die als „wesentlich für die Eindämmung des Konflikts in der Ukraine erachtet werden“. Laut dem Observatory of Economic Complexity (OEC) belief sich das Exportvolumen aus den VAE nach Russland im Jahr 2022 auf rund 2,47 Milliarden US-Dollar. Das am meisten exportierte Produkt soll Rundfunk-Equipment gewesen sein. (Laernie mit Material von Reuters)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Panthermedia sts & IMAGO / SNA Alexander Kazakov

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